Wembley-Held watscht Bundestrainer ab

Dicke Luft im DFB-Team? Ex-Bayern-Star äußert Vermutung

Deutschland traf im EM-Achtelfinale auf England. Vorab gab es heftige Kritik von einem Ex-Nationalspieler und Ex-FC-Bayern-Star.

London - „Lass mal gut sein, der ist zu weit für dich. Ich mach den direkt.“ Der gut unterrichtete deutsche Fußball-Fan kennt diese Aussage. Und er weiß genau, was passiert ist, nachdem diese Worte am 7. Oktober 2000 in London ausgesprochen wurden. Die Abrissbirne!

Didi Hamann* überlegte nicht lange und donnerte einen Freistoß aus 32 Metern mitten ins englische Herz. Am Ende gewann Deutschland das ewig junge Duell gegen die Three Lions mit 1:0. Hamann, der England-Legionär in den Reihen der DFB*-Elf, schrieb Geschichte: Sein Hammer war der letzte Treffer im altehrwürdigen Wembley-Stadion. Der historische Fußball-Palast wurde nach dieser Partie nicht mehr als Austragungsstätte genutzt. 2003 wurde er abgerissen, 2007 wurde das neue Wembley Stadium an derselben Stelle eröffnet.

EM 2021: Didi Hamann mit heftiger DFB-Kritik vor Achtelfinale gegen England

Nun sahen sich Deutschland und England* wieder: Am 29. Juni kam es zum EM*-Achtelfinale - dieses Mal mit dem schlechteren Ende für Schwarz-Rot-Gold. Didi Hamann sorgte vorab trotzdem wieder für Schlagzeilen, denn: In einem Interview kritisierte der einstige Nationalspieler und jetzige TV-Experte die DFB-Elf und Joachim Löw scharf.

„Ich habe den Eindruck, bei uns sind drei Mannschaftsteile auf dem Platz, die nicht miteinander verbunden sind. Da ist von Homogenität, oder von einer guten Chemie, nicht viel zu spüren“, sagte der 47-Jährige der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Doch auch außerhalb des Platzes will der frühere Profi des FC Liverpool und FC Bayern Defizite ausgemacht haben. „Die Spieler sagen natürlich, der Teamspirit sei super. Doch das sind Phrasen. Die Spieler können ja nicht sagen: ‚Ich habe Zweifel, ob wir wirklich eine Einheit sind.‘ Ich habe bei diesem Turnier vier, fünf Spieler gesehen, da beschleichen mich schon Zweifel, was den Zusammenhalt angeht“, sagte Hamann, der sich zudem kritisch über die späte Rückholaktion von Thomas Müller und Mats Hummels in das DFB-Team durch Bundestrainer Joachim Löw* äußerte.

Thomas Müller (l.) und Robin Gosens vor dem Abflug Richtung London am Montag.

Didi Hamann geht Joachim Löw an: Kritik wegen Thomas Müller und Mats Hummels

„Zwei Wochen lang“ habe es „plötzlich kein anderes Thema mehr“ gegeben. „Es ging doch in den Medien nur um die beiden. Es wäre verwunderlich, wenn sich da nicht der eine oder andere in der Mannschaft fragt: ‚Was soll denn das?‘“, sagte Hamann.

Einige Spieler „hatten mit Hummels und Müller bisher kaum oder gar nichts zu tun. Sie sind beiden nie wirklich begegnet. Doch wie will man das in zehn Tagen in einem Campo Bavaria aufholen? Wie soll das gehen? Die Chance, ein Team zu werden und zusammenzuwachsen, hat Löw seinen Spielern genommen“, sagte Hamann und betonte: „Jeder wusste doch schon lange, dass Müller und Hummels zur EM zurückkehren würden. Wenn der Bundestrainer sie dann spätestens im vergangenen Herbst zurückgeholt hätte, dann hätte er der Mannschaft wenigstens die Möglichkeit gegeben, sich zumindest in fünf, sechs Spielen und über mehrere Monate hinweg miteinander vertraut zu machen.“

EM 2021: Hamann geht auch noch auf Gündogan und Kroos los

Außerdem hält Hamann das deutsche Mittelfeld mit Ilkay Gündogan und Toni Kroos für eine „Fehlkonstruktion“. Mit diesem Duo „kann man gegen die besten Mannschaften nicht bestehen. Das ist ausgeschlossen. Die ganze Mannschaft ist damit nicht in der Balance“. (akl/sid/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann

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