tz-Interview über Jérome und Kevin-Prince

Papa Boateng: Meine Kinder sind keine Monster!

+
Prince Boateng ist der stolze Papa von Kevin Prince und Jérome.

München - Deutschland gegen Ghana, das Duell der Boateng-Brüder Jérome (25) und Kevin (27). Im tz-Interview spricht Papa Prince Boateng über seine Söhne, Rassismus, Stolz & Rummenigges Kritik.

Die Welt schaut am Samstag zu: Deutschland gegen Ghana, das Duell der Boateng-Brüder Jérome (25) und Kevin (27). Für Prince Boateng, den Vater der beiden, das größte Spiel der Welt. Im tz-Interview spricht der gebürtige Ghanaer über seine Söhne.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Boateng! Wie fühlt man sich als erfolgreichster Fußball-papa der Welt?

Prince Boateng ist der stolze Papa von Kevin Prince und Jérome.

Boateng: Ich spüre puren Stolz. Und ich danke Gott, dass er mir dieses große Geschenk gemacht hat. Ich habe natürlich immer gehofft, dass einer den großen Sprung schafft – dass es beide gepackt haben, ist fantastisch.

Bei aller Freude: Dieses Spiel müsste Sie vor Höllenqualen stellen. Wem sollen Sie denn bitte die Daumen drücken?

Boateng: Ganz im Gegenteil – es ist das leichteste Spiel überhaupt. Egal was passiert, ich kann ja nur gewinnen (lacht). Aber ich liebe beide so sehr, da kann ich keinem die Daumen mehr drücken als dem anderen. Mein einziger Wunsch ist, dass sich keiner verletzt.

Aber es steht sehr viel auf dem Spiel! Was, wenn beide mit Anlauf in einen Zweikampf rauschen müssen?

Boateng: Seien Sie sicher, dass nichts passiert. Sie werden voll reingehen, ja. Aber sie sind Brüder! Da wird keiner den anderen verletzen.

Schon vor vier Jahren gab es dieses Duell in Südafrika.

Boateng: Ein fantastisches Erlebnis. Nachdem die beiden Hymnen gespielt wurden, kamen mir die Tränen – vor Freude! Weil ich der erste Papa war, der erleben durfte, dass zwei seiner Kinder bei der WM gegeneinander spielen.

Wenn zwei es so weit schaffen, mag man kaum an Zufall glauben.

Boateng: Nein, ist es auch nicht. Es liegt in den Genen. Mein jüngerer Bruder hat schon in Ghanas Nationalteam gespielt. Ich selbst habe es bis zur Regionalliga geschafft – bei den Reinickendorfer Füchsen.

Wann merkten Sie, dass Sie das Talent vererbt haben?

Boateng: Sehr früh. Kevin und Jérome haben immer gespielt, kamen mit dem Ball unterm Arm aus der Schule. Und wenn die Hausaufgaben fertig waren, ging es wieder auf den Platz. Zusammen mit ihrem großen Bruder George, der auch Kevins und Jéromes großes Vorbild war.

Später dann war Kevin Jéromes Vorbild…

Boateng: …weil er etwas älter ist und dadurch in der Entwicklung weiter war. Jérome hat Kevin bewundert. Das änderte sich erst, als sie zusammen bei Hertha spielten.

So stolz Sie von Anfang an waren – gab es auch Sachen, die Sie als Papa richtig geärgert haben?

Boateng: Die gibt es doch in jeder Familie. Ich hätte mir zum Bespiel gewünscht, dass beide ihren Schulabschluss machen, um etwas in der Hand zu haben, wenn es mit dem Fußball nicht klappen sollte. Aber ansonsten wüsste ich jetzt spontan nichts.

Jéromes Mutter sagt, seine Unpünktlichkeit nerve. Er habe ein afrikanisches Zeitverständnis.

Boateng (lacht): Nun, ich bin Afrikaner, ich war nie pünktlich! Dann weiß ich jetzt ja, dass er was von mir hat.

Fragt Jérome Sie heute noch um Rat?

Boateng: Ab und zu. Aber die Kinder wissen selbst, was gut für sie ist. Ich fand zum Beispiel, dass es 2010 besser für Jérome gewesen wäre, noch beim HSV zu bleiben, statt zu Manchester City zu gehen. In Hamburg, beim HSV, ist Jérome zum Mann geworden. Aber er sagte: Papa, ich habe jetzt die Chance nach England zu gehen. Lass es mich probieren. Wenn es nicht klappt, kann ich ja zurückkommen.

Auch Kevin traf wichtige Entscheidungen – etwa die, für Ghana und nicht für Deutschland zu spielen.

Boateng: Kevin war in der deutschen U21 und es gab Probleme. Dann hat er seine Konsequenzen gezogen. Das sollte jeder respektieren. Er wusste: Ghana braucht ihn. Und er hat 2010 eine wahnsinnig gute WM gespielt.

Würde er diese WM ansonsten Seite an Seite mit Jérome für Deutschland spielen?

Boateng: Ja, Kevin wäre jetzt im deutschen Kader. Vielleicht haben einige beim DFB ja mittlerweile auch gedacht, dass es gut gewesen wäre, ihm damals eine Chance zu geben.

Gerade Kevin musste seit 2010, nach seinem Foul an Michael Ballack, medial viel einstecken. Auch bei Jérome heißt es nach Roten Karten: Na klar, wieder der Boateng. Wie gehen Sie als Vater mit solchen Schlagzeilen um? 

Boateng: Das tut mir richtig weh, jedes Mal. Vor allem Kevin hat seinen Stempel in Deutschland weg. Mit der Art, wie über ihn berichtet wurde, hat man so viel bei ihm kaputt gemacht.

Zuletzt wurde Jérome, nach seiner Roten Karte in Hamburg sogar von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge an den Pranger gestellt.

Boateng: Das fand ich richtig schäbig. Du kannst doch deinen eigenen Spieler nicht so in die Pfanne hauen? Er muss doch wissen, dass sein Wort Gewicht hat. Aber so ist es leider: Wenn den beiden Boatengs was Schlechtes passiert, ist immer gleich die Hölle los! Warum muss das sein? Meine Kinder sind doch keine Monster! Sagen Sie mir eines: Was braucht man, um ein Topspieler zu werden?

Können und Disziplin.

Boateng: Richtig – Disziplin! Wenn meine Kinder einen so schlimmen Charakter hätten, würde Jérome dann bei Bayern spielen? Hätte Kevin dann die Nummer zehn beim großen AC Mailand getragen? Nein! Sie haben Disziplin, sie sind gut erzogen worden! Sonst wären sie nicht da, wo sie sind.

Sie kämpfen wie ein Löwe für Ihre Jungs.

Boateng: Das musste ich schon immer. Auch früher, in der Jugend, wenn es um Rassismus ging. Das war schlimm. Aber das ging Arabern oder Türken auch so. Ich werde es nie vergessen, als ein Vater über den Platz schrie: „Lass dich nicht von dem Nigger fertigmachen.“ Ich bin zu ihm hin und habe ihn gefragt, was das sollte. Die Jungs waren sieben Jahre alt, das muss man sich mal vorstellen! Leider gibt es immer noch genügend Dummköpfe, die Bananen auf den Platz werfen.

Was haben Sie Kevin und Jérome damals gesagt?

Boateng: Ich habe sie darauf vorbereitet und gesagt: Tunnelt euren Gegenspieler zweimal, dann ist Ruhe (lacht).

Im Finale könnten beide erneut aufeinandertreffen. Für welche Nation schlägt Ihr Herz dann?

Boateng: Ich sehe es so: Was auch passiert, ich hätte einen Weltmeister als Sohn. Ich kann nicht verlieren. Das macht mich so glücklich.

Interview: Simon Braasch

auch interessant

Meistgelesen

Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
Brutale Szenen: Väter prügeln sich bei Jugendspiel
Brutale Szenen: Väter prügeln sich bei Jugendspiel
So sieht der Spielplan des Afrika-Cup 2017 aus
So sieht der Spielplan des Afrika-Cup 2017 aus

Kommentare