Trainerlegende im tz-Interview

Trap: "Bei Bayern werde ich immer ein wenig schwach"

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Irlands ­Ex-Coach ­Giovanni ­Trapattoni.

München - Giovanni Trapattoni ist nicht nur immer für verbale Ausrutscher gut, sondern kennt sich als Ex-Nationaltrainer bestens mit Deutschlands Gruppengegner Irland aus. Im tz-Interview spricht er auch über Jogis Jungs und die Freude an Bayern.

"Don’t say, that you have the cat in the sack!" Ähnlich wie vor den EM-Playoffs 2011 gegen Estland würde Giovanni Trapattoni wohl auch die Ausgangslage vor dem EM-Qualispiel der deutschen Mannschaft heute Abend in Irland beschreiben. Die tz wollte es genauer wissen und hat beim ehemaligen Trainer des FC Bayern (’94-’95, ’96-’98) und der Boys in Green (’08-’13) nachgefragt. Ist gegen die Iren alles im Sack oder können Traps ehemalige Schützlinge dem Weltmeister wie im Hinspiel (1:1) gefährlich werden? Das tz-Interview mit der 76-jährigen Trainerlegende:

Herr Trapattoni, erinnern Sie sich noch an den 12. Oktober 2012?

Trapattoni: Mio dio! Ich kann mir vorstellen, auf was Sie anspielen.

So?

Trapattoni: Ungefähr in diese Zeit müsste die 1:6-Niederlage fallen, die ich damals als irischer Nationaltrainer gegen die Deutschen kassiert habe. Habe ich recht?

Sie haben ein gutes Gedächtnis!

Trapattoni: Vero, vero. Was soll ich sagen: Es war eine unserer schlechteren Partien, wir haben verdient verloren. Auch in dieser Höhe.

Im Hinspiel der EM-Quali sorgten die Iren mit einem 1:1 in letzter Minute für die Überraschung. Trauen Sie ihnen das noch mal zu oder ist diesmal „the cat in the sack“ für Jogis Jungs?

Trapattoni: Warum nicht? Die Iren spielen in dieser EM-Quali mit einer unheimlichen Intensität und ihr Stolz führt dazu, dass sie stets das letzte Prozent aus ihren Beinen kitzeln. Klar, von der Qualität her ist die deutsche Mannschaft überlegen, auch die irische Liga kann mit der Bundesliga nicht mithalten. Aber Sie wissen doch selbst, wie es ist. Am Ende zählen nur die 90 Minuten auf dem Platz.

Wie erwarten Sie die Iren?

Trapattoni: Ich denke jetzt nicht, dass sie sich hinten verschanzen werden, dafür haben sie viel zu viel Potenzial vorne. Bei den Iren geht es ums Kollektiv, um die Gruppe. Das macht sie stark. Auf den ersten Blick möchte man meinen, dass es ein Spaziergang für Deutschland wird, aber wie oft haben die kleinen Mannschaften den großen schon ein Bein gestellt? Nur: Dazu gehören immer zwei. Und die Mannschaft von Jogi Löw macht auf mich nicht den Eindruck, dass sie ihre Gegner derzeit unterschätzt.

Trauen Sie den Boys in Green die Quali zu? Noch ist alles drin im Kampf um Platz drei!

Trapattoni: Könnte eng werden. Es sind ja nur noch zwei Spiele. Sollte es ihnen aber gelingen, Donnerstag erneut ein Unentschieden herauszukratzen und bei der letzten Partie in Polen nach wie vor Chancen auf die Quali zu haben, ist alles drin. Zumal die Polen zwar individuell stark aufgestellt sind, sie jedoch nicht so eine starke Mannschaft haben wie noch vor wenigen Jahren.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Martin O’Neill, Ihrem Nachfolger auf der irischen Trainerbank?

Trapattoni: Ein guter Mann mit Erfahrung ist das! Er hat bereits Nordirland betreut und verfügt zudem auch über Erfahrung auf Klubebene. Er ist ein Fußballexperte und weiß die Iren stets gut einzustellen, was die Deutschen ja bereits im Hinspiel zu spüren bekommen haben.

In Dublin dürften sie nun auch die Kehlen der irischen Fans zu spüren bekommen.

Trapattoni: Si, vero. Für die irische Nationalmannschaft sind diese Fans enorm wichtig. Sie sind das Element, das den irischen Fußball zusammenhält. Ein Land, das keine starke Liga aufweisen kann und in der der Fußball daher nur langsam wachsen kann, braucht es genau diese Art von Fans. Wenn sie ihre Lieder schmettern, sind sie der zwölfte Mann.

Wem drücken Sie eigentlichen die Daumen?

Trapattoni: Ehrlich gesagt bin ich noch etwas hin- und hergerissen. Beiden Ländern habe ich ungemein viel zu verdanken. Die Iren sind der Underdog, daher vielleicht… vediamo!

Trauen Sie der deutschen Mannschaft nach der WM auch den EM-Titel zu?

Trapattoni: Die Frage ist doch vielmehr: Wann traut man den Deutschen keinen Titel zu? Es ist ja kein Geheimnis: Kaum pfeift der Schiedsrichter ihr erstes Turnierspiel an, sind die Deutschen da! Zu 200 Prozent! Hinzu kommt, dass sie mit dem EM-Triumph ähnlich wie die Spanier zuletzt eine Ära prägen können, was Motivation genug sein dürfte.

Lassen Sie uns über eine andere Mannschaft in Top-Verfassung sprechen: Die Bayern! Ihre Meinung zu Guardiolas Tormaschine?

Trapattoni: Aktuell gehört der FCB zum Besten, was der internationale Fußball zu bieten hat. Und Sie wissen ja, dass ich immer ein wenig schwach werde, wenn ich über meine Bayern rede. Meine Zeit in München gehört zu der wundervollsten meiner Karriere, ich habe diesem Klub und diesen Menschen derart viel zu verdanken, daher kann ich mich nur freuen, wenn ich den FC Bayern im Moment spielen und siegen sehe.

Sie sind jetzt 76. Treibt es Sie noch mal auf eine Trainerbank?

Trapattoni: Abwarten, ich schließe nichts aus. Ich hatte die Gelegenheit, in Afrika oder Kroatien zu übernehmen, bei meiner Familie fühle ich mich derzeit aber sehr wohl. Mal sehen, was kommt.

Interview: José Carlos Menzel López

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