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Die Lehren aus dem Buda-Test

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Deutschland hat noch ein Testspiel vor der WM, am Donnerstag gegen Bosnien. © Getty

Budapest - Es wird ein Festtag für Jogi Löw. Nein, zu feiern gibt es im DFB-Quartier am Montag eigentlich nichts. Trotzdem erklärt der Bundestrainer: „Diesen Tag habe ich herbei gesehnt.“

Denn 20 Tage nach Start der WM-Vorbereitung hat Löw erstmals seinen kompletten Kader in einer Trainingseinheit versammelt. Auch die letzten Münchner Nachzügler, Jörg Butt, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Philipp Lahm, werden dann auf dem Platz stehen. „Es geht jetzt darum, gesamtheitlich die Dinge einzuspielen“, erläutert Löw. „Wichtig ist, dass wir zusammen auf dem Platz stehen.“

In Budapest fehlte das bayerische Quartett noch. Gegen die harmlosen Ungarn (Nummer 57 der Weltrangliste) reichte es trotzdem zu einem lockeren 3:0-Sieg. Im vorletzten WM-Test trafen Podolski, Gomez und Cacau. „Insgesamt habe ich viel Positives gesehen“, lobte Löw. Doch streckenweise war gegen die Ungarn auch ganz schön Sand im Getriebe. Noch 13 Tage bis zum Auftaktspiel gegen Australien, das WM-Fieber steigt: Einige Fragen sind bereits geklärt, aber es gibt auch noch viel Arbeit – gegen Ungarn musste Löw immer wieder lautstark korrigieren.

Bilder aus Budapest

Die tz zeigt die fünf Lehren aus dem Buda-Test:

Khedira besteht den Ballack-Test: Der Stuttgarter bewies, warum er für den Bundestrainer die erste Wahl nach Ballacks Ausfall im defensiven Mittelfeld ist. Der U-21-Europameister besticht durch eine enorme Präsenz und Zweikampfstärke. „Er hat sehr gut gespielt. Es war schade, dass er zur Pause raus musste. Aber ich wollte kein Risiko eingehen“, sagte Löw zur Auswechslung des 23-Jährigen wegen muskulärer Probleme – und fügte an: „Ich bin sicher, dass er eine gute WM spielen kann und in der Lage ist, Michael Ballack zu ersetzen.“ Auch Oliver Kahn lobt: „Bei Sami Khedira gefällt mir, mit welchem Anspruch er auf dem Platz steht, da sieht man an der Körpersprache: Der hat was vor!“ Allerdings muss sich Khedira erst noch mit Partner Schweinsteiger einspielen. Dafür bleibt nur der Test gegen Bosnien am Donnerstag sowie acht „echte“ Trainingstage.

Das System steht: Auch nach Ballacks Ausfall vertraut Löw auf das 4-2-3-1-System. Gegen Ungarn musste Toni Kroos gar auf der ungewohnten Position im Zentrum, als Abräumer und Aufbauspieler neben Khedira, ran. Auch als die halbe Mannschaft durchgetauscht wurde, blieb Löw bei zwei Spielern im defensiven Mittelfeld.

Neuer Spielstil ohne Ballack: Klar, die Verletzung des Kapitäns ist ein herber Verlust. Aber sie bietet auch Möglichkeiten: Der Fixpunkt im Zentrum fehlt, dafür wirbelten gegen Ungarn mit Kroos, Trochowski, Özil oder Marin junge, technisch beschlagene Spieler im Mittelfeld. „Das haben wir in den letzten zwei Wochen trainiert, man hat gesehen, dass es schon besser funktioniert als in den letzten Monaten“, erklärte Piotr Trochowski nach dem 3:0. Scharfe, flache Zuspiele, Doppelpässe, Direktspiel: Diesen Spielstil ließ Löw seit dem ersten Tag auf Sizilien einstudieren.

Der vorläufige WM-Kader - und wer nicht mit darf

Noch zwei Plätze frei: Das Gerüst für den WM-Auftakt gegen Australien steht. Neuer im Tor, die Viererkette mit Boateng auf rechts, Mertesacker/Friedrich innen (gegen Ungarn stark) und Lahm. In der Zentrale: Schweinsteiger und Khedira. Links im Mittelfeld ist Poldi gesetzt, auch Özil überzeugt als Kreativkopf. Rechts ist das Rennen aber offen: Trochowski, Thomas Müller oder der freche Marin? Bei den Stürmern hat Klose die Nase vorn, er muss jedoch um seinen Status fürchten. Cacau ist in Bombenform – ihn sieht Löw aber nicht als Brecher, sondern eher als hängende Spitze.

Miese Chanceauswertung: So schön Mesut Özil auch wirbelte – er allein hätte viermal treffen können. Das gleiche gilt für die Angreifer. Löw kritisch: „Mit der Chancenverwertung bin ich keineswegs zufrieden.“ Keine zwei Wochen mehr bis zum WM-Start: Der Countdown für Südafrika läuft!

Tobias Altschäffl

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