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„Mia san Costa Rica“: Die TV-Kritik zur ZDF-Übertragung des Deutschland-Spiels

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Von: Jörg Heinrich

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Im ZDF-Studio sahen die Weltmeister Per Mertesacker (l.) und Christoph Kramer (Mitte) ein spannendes Spiel.
Im ZDF-Studio sahen die Weltmeister Per Mertesacker (l.) und Christoph Kramer (Mitte) ein spannendes Spiel. © Screenshot ZDF

Nicht nur die WM-Partie zwischen Spanien und Deutschland war unterhaltsam, auch im ZDF-Studio war einiges geboten. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

Advent, Advent – mit Happy End im Orient! Das deutsche Kerzlein in Katar brennt noch. Dafür sorgte nicht zuletzt das neue deutsche Lieblingsland Costa Rica, in das der Kanzler schon heute reisen wird, um sich fürs Japan-Besiegen zu bedanken. Aber auch das ZDF mit KMH & Co. hat die Hansis stundenlang nimmermüde nach vorne gepeitscht. Damit bleibt es bei dieser fantastischen Bilanz: Im Advent ist Deutschland noch nie bei einer WM ausgeschieden.

WM 2022: TV-Kritik zum Deutschland-Spiel gegen Spanien im ZDF

Der D-Day am Vormittag: Beim multinationalen ZDF-Gottesdienst aus Vorarlberg segnet Pfarrer Dominik Toplek die Fußballschuhe von Hans Krankl. Diesmal sollen sie der DFB-Elf Glück bringen. Was für eine Geste aus unserem Nachbarland, das die WM boykottiert! Kurz nach Anbruch der Morgendämmerung meldet sich KMH und berichtet aufgeregt: „Wir sehen hier oben eine Uhr, die unerbittlich runterläuft. Noch 9 Stunden und 42 Minuten.“ Ebenso unerbittlich moderiert die Katrin die Sondersendung „Deutschland unter Druck. Was nun, Herr Flick?“ Noch scheint für KMH klar: „Ein Sieg gegen Spanien ist fast schon Pflicht.“ Nur fast, Kathi?

Der D-Day am Mittag: Die Stimmung entspannt sich sichtlich, nachdem unsere Freunde aus Costa Rica die Hansi-Besieger aus Japan besiegen. Per Mertesacker berichtet erleichtert, wie er sich vor entscheidenden Spielen erleichtert hat: „Der eine oder andere Gang mehr zur Toilette war schon drin.“ Chrissi Kramer mahnt dennoch, auf was es am Abend ankommt: „Wir brauchen den Ball, sonst wird’s schwer.“ Wobei: Ohne Ball geht’s 0:0 aus, das wäre okay für uns. Bei einer der 37 ZDF-Straßenumfragen aus Katar macht uns ein Einheimischer Mut: „Das Land, das der Welt Rudi Völler geschenkt hat, wird gewinnen.“ Wir lieben den Mann fast so, als würde er aus Costa Rica kommen.

WM 2022: Die Fernsehkritik zum Remis zwischen Deutschland und Spanien

Der D-Day am Nachmittag: Jetzt wird alles gut. Kramer will die Staatsbürgerschaft von Costa Rica beantragen und jubelt: „Das Glück, was die Japaner gegen uns hatten, hatten sie heute in Form von Pech.“ Er hat „45 Minütchen“ Mittagsschlaf gehalten. Mehrfach-Papa Per Mertesacker ist neidisch: „Bei mir gibt’s das nicht mehr, mit Kindern und richtigem Arbeiten.“ Kramer ist vorzeitig überzeugt: „Zu 99 Prozent sind wir im Achtelfinale.“ Bela Réthy gibt sich nach dem Kanada-Tor von Fonsä Davies optimistisch: „Wird das heute der Tag der Außenseiter? Costa Rica gegen Japan. Marokko gegen Belgien. Kanada gegen Kroatien.“ Und Deutschland gegen Spanien?

Der D-Day am Abend: Leider kommentiert Béla Réthy nicht – obwohl es ins Al-Bayt-Stadion nur 50 Kilometer sind. Wofür veranstaltet man eine WM im Mini-Land Katar, wenn der Béla nicht zwei Spiele am Stück übertragen kann? Ihn vertritt Olli Schmidt, den Adjutant Sandro Wagner von Unfug abzuhalten versucht. Haching-Erfolgstrainer Wagner gibt sich vor dem Doch-nicht-Endspiel kampfeslustig: „Spanier, wenn ihr heute gegen uns gewinnen wollt, wird es weh tun.“ Schmidt hat die Aua-Power und empfiehlt für die Schmerzverstärkung: „Immer auf dem Fuß stehen, das muss das Ziel sein.“ Sandro greift taktisch ein und erlässt ein Schussverbot für Rüdiger: „Ich hasse es, wenn Innenverteidiger aufs Tor schießen. In meiner Mannschaft ist das verboten. Da geht von 560 Abschlüssen einer rein.“ Beim 561. Mal trifft Rüdiger, ist aber Abseits. Dann macht der Spanier Sergio Tohuwabohu zwar das 1:0, aber noch ist das Achtelfinale drin. Mia san Costa Rica!

Derweil ließ sich TV-Experte Wagner zu einer flapsigen Bemerkung über Katar hinreißen. Rassismus-Vorwürfe sind die Folge.

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