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Prämien der DFB-Frauen: Scholz mischt sich in Debatte ein, Bierhoff rüffelt den Bundeskanzler

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Von: Antonio José Riether

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Die Bezahlung im Fußball ist auch wegen der aktuell laufenden Frauen-EM wieder im Fokus. Nun positionierte sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz, worauf Oliver Bierhoff im TV reagierte.

Berlin - Der Frauenfußball wird in vielen Teilen Europas immer beliebter. Das merkte auch die UEFA, die bei der Europameisterschaft in England bereits mehr als eine halbe Million Tickets verkaufte. Auch die Preisgelder stiegen im Vergleich zum letzten Turnier 2017, und damit auch die Prämien der Teams. Die deutschen Frauen handelten vor einigen Monaten eine deutliche Anhebung ihrer Erfolgsprämien mit dem DFB aus, dennoch kommen die Nationalspielerinnen kaum an die ihrer männlichen Kollegen ran. Bundeskanzler Olaf Scholz klinkte sich nun etwas unerwartet in die Debatte ein.

Erfolgsprämie der DFB-Frauen bei 60.000 Euro - andere Länder setzen bereits auf gleiche Prämien

Mit einem verdoppelten Preisgeld von 16 Millionen Euro wollte der europäische Verband „neue Maßstäbe für Frauen-Nationalmannschaftswettbewerbe setzen“. Die 16 Teilnehmerteams erhielten zudem mindestens 600.000 Euro Startgeld, wobei es sich ebenfalls um eine Verdopplung im Vergleich zum Turnier 2017 in den Niederlanden handle.

Bemerkbar macht sich dies auch bei der möglichen Titelprämie im deutschen Team. Bei der EM 2017 wäre diese bei 37.500 Euro gewesen, diesmal bekämen die Nationalspielerinnen 60.000 Euro für den großen Erfolg. Neben den Prämien der Männer-Nationalmannschaft lesen sich die Zahlen der Frauen jedoch ganz anders. So gab es beim WM-Triumph 2014 etwa 300.000 Euro pro Spieler. Also das fünffache der heutigen EM-Prämie der Frauen.

Der Ungleichheit bei der Bezahlung versuchen einige Verbände aktiv entgegenzuwirken, so gibt es etwa in Australien sowie in den USA, wo der Verband teilweise deutlich mehr Umsatz mit dem Frauenteam macht, bereits gleiche Prämien für Männer- und Frauenteams. Auch einige europäische Nationalverbände, etwa aus den Niederlanden, England oder Skandinavien, kündigten ähnliches an. Deutschland wagte den Schritt noch nicht, weshalb die Diskrepanz derart groß ist.

DFB-Direktor Bierhoff reagiert auf Bundeskanzler-Tweet: „Lade ihn aber gerne mal ein und kläre ihn auf“

Bundeskanzler Olaf Scholz kommentierte diesen Umstand vor dem zweiten Gruppenspiel der Deutschen gegen Spanien auf Twitter. „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften. Spanien hat da die Nase vorn. Viel Glück heute Abend, DFB-Frauen“, schrieb der 64-Jährige am Dienstagabend und versah seinen Tweet mit dem Hashtag #EqualPay – dem zentralen Stichwort der Diskussion.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff wollte dies nicht auf sich sitzen lassen und reagierte mit deutlichen Worten. „Mich wundert jetzt ein bisschen die Aussage, ich lade ihn aber gerne mal ein und kläre ihn ein bisschen besser über die Zahlen auf“, meinte der Europameister von 1996 gegenüber der ARD. „Wir zahlen mit Deutschland eine Rekord-Prämie“, fügte er hinzu. Zudem ginge es auch um gleiche Voraussetzungen der Teams, merkte Bierhoff an und sprach folglich über die äußeren Bedingungen, die ebenfalls angepasst wurden. „Sie haben einen genauso großen Trainerstab, die gleiche Vorbereitung im Homeground gemacht, die Infrastruktur wurde gleichgesetzt“.

Oliver Bierhoff sprach eine Einladung an Bundeskanzler Olaf Scholz aus.
Oliver Bierhoff sprach eine Einladung an Bundeskanzler Olaf Scholz aus. © Jonathan Moscrop/imago-images

Finanzielle Gleichstellung im Profifußball: Nationalspielerin Magull für „Mindestlohn“

Gleichrangigkeit im Profifußball ist allerdings kein Thema, das sich auf große Turniere beschränkt. Nicht nur die geschlechterunabhängigen Prämienzahlungen, sondern auch die generelle Bezahlung der Spielerinnen bei ihren Klubs, ist besonders durch die EM wieder als gesellschaftliche Debatte in den Vordergrund gerückt. Dabei geht es jedoch erst einmal nicht um fünf- oder sechsstellige Prämien, sondern um Gehälter, die schlicht eine Existenz ermöglichen sollen.

„Wir Fußballerinnen sollten ab der zweiten Liga so gut verdienen, dass niemand mehr nebenbei arbeiten gehen muss“, hatte Nationalspielerin Lina Magull vom FC Bayern kürzlich in einem Interview mit Bild gemeint. Anders als bei den Millionengehältern im Spitzenfußball der Männer siedelt Magull ein mögliches Mindestgehalt für weibliche Vollprofis bei „2000, 3000 Euro im Monat“ an. Von Equal Pay, also hoch dotierten Verträgen wie beim Männerfußball, ist diese Forderung also auch noch weit entfernt. (ajr)

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