DFB-Frauen entspannen sich bei Shopping-Tour

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Celia Okoyino da Mbabi hofft auf einen Platz im Mittelfeld

Berlin - Erst shoppen, dann siegen: Kurz vor dem WM-Auftakt stöberten die deutschen Fußballerinnen in den Berliner Boutiquen nach neuen Klamotten.

Am Sonntag wollen die Weltmeisterinnen ihr letztes Hemd für den ersten Erfolg auf dem Weg zur Titelverteidigung geben. „Wir wollen gut ins Spiel kommen, um die Zuschauer gleich hinter uns zu bringen. Ein Sieg zum Start wäre ganz wichtig“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid vor dem Spiel gegen Kanada im ausverkauften Olympiastadion (18.00 Uhr/ARD).

Während Neid den Erfolg herbeisehnt, scheint der perfekte WM-Start für Spielführerin Birgit Prinz bereits vor dem Anpfiff Gewissheit zu sein. „Im Innern habe ich das Gefühl, dass es klappen wird“, sagte die 33 Jahre alte Rekord-Nationalspielerin, die ihre internationale Karriere mit dem WM-Sieg krönen und beenden möchte. „Ich hoffe, dieses Kanada-Spiel wird nicht mein letztes. Natürlich würde ich gerne mit dem WM-Pokal abtreten“, sagte Prinz, die mit 16 Jahren in einem Spiel gegen Kanada ihr Debüt im Deutschland-Trikot feierte.

Der Kader steht! So schön sind unsere WM-Träume

Mit einer Mischung aus Routine und jugendlichem Elan will Trainerin Silvia Neid die deutschen Fußballerinnen zum WM-Titel-Hattrick führen. Der Kader zum Durchklicken: © Getty
TOR: Nadine Angerer (1. FFC Frankfurt/32 Jahre/94 Länderspiele/0 Tore): Zweimalige Weltmeisterin. Als Nummer 1 unumstritten. 2007 in China kassierte sie kein Tor - Rekord. © Getty
Ursula Holl (FCR Duisburg/28/5/0): Verlässliche Angerer-Vertreterin. Hatte zuletzt Rückenprobleme; aber klare Nummer zwei. © Getty
Almuth Schult (Magdeburger FFC/20/0/0): Sie holte mit den deutschen U 20-Frauen im vorigen Sommer den WM-Titel. Erhält einen “Schnupperkurs“ und ist die Einzige ohne A-Länderspiel. © Getty
ABWEHR: Saskia Bartusiak (1. FFC Frankfurt/28/37/0): Die Innenverteidigerin war schon bei der WM 2007 dabei. Inzwischen zur Stammkraft gereift. © Getty
Babett Peter (Turbine Potsdam/22/47/1): Zuverlässige Außenverteidigerin mit WM- und EM-Erfahrung. Kann auf beiden Seiten spielen - nicht aus dem Team wegzudenken. © Getty
Annike Krahn (FCR Duisburg/25/62/4): Kompromisslose Innenverteidigerin. Nach Kreuzbandriss im August 2010 noch mit Trainingsrückstand und ohne Spielpraxis. Wenn sie fit ist, gesetzt. © Getty
Linda Bresonik (FCR Duisburg/27/62/5): Super-Technikerin, die wohl flexibelste Spielerin im Kader. Kann in der Abwehr und im Mittelfeld jede Position spielen. Hatte Knieprobleme, ist aber unverzichtbar. © Getty
Bianca Schmidt (Turbine Potsdam/21/14/0): Die Rechtsverteidigerin gehörte schon beim EM-Gewinn 2009 in Finnland zum Kader. Gewann im Vorjahr ebenfalls den U 20-WM-Titel. © Getty
Lena Goeßling (Bad Neuenahr/25/19/0): U 19-Weltmeisterin 2004, eigentlich im Mittelfeld zu Hause; sprang zuletzt für Krahn in der Innenverteidigung ein. © Getty
Verena Faißt (VfL Wolfsburg/21/2/0): Die Linksverteidigerin hat sich im letzten Jahr gut entwickelt. Ihr gehört die Zukunft. © Getty
MITTELFELD: Simone Laudehr (FCR Duisburg/24/37/7): Die gebürtige Regensburgerin ist neben Kulig erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Kann auch auf den Flügeln spielen. Die Weltmeisterin scheut keinen Zweikampf. © Getty
Melanie Behringer (1. FFC Frankfurt/25/61/17): Kann auf beiden Flügeln offensiv spielen, gefährliche Distanzschützin und Flankengeberin. © Getty
Celia Okoyino da Mbabi (Bad Neuenahr/22/51/7): Dribbelstark und zielstrebig. Idealer Joker, wenn es vorn mal nicht läuft. Kann beide offensiven Außenpositionen spielen. © Getty
Kim Kulig (Hamburger SV/20/20/3): Die Europameisterin und U 20-Weltmeisterin spielt auf der “Sechs“. Sehr präsent, gute Freistoß- und Distanzschützin. Wechselt im Sommer nach Frankfurt. © Getty
Ariane Hingst (1. FFC Frankfurt/31/169/10): Berliner Frohnatur, kämpfte sich nach Knieverletzung wieder heran. Früher als Innenverteidigerin gesetzt, zuletzt im Mittelfeld. Will zum Abschluss ihrer Karriere den dritten WM-Coup nicht verpassen. © Getty
Mittelfeld: Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt/31/122/41): Zweimalige Weltmeisterin. Seit Jahren Stammspielerin auf der rechten Offensivseite und sehr torgefährlich.  © Getty
Fatmire Bajramaj (Turbine Potsdam/22/43/8): Dribbelkünstlerin und begehrter Werbestar. Ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum, kommt meist über die linke Seite. © Getty
ANGRIFF: Inka Grings (FCR Duisburg/32/87/61): Stürmerin mit eingebautem Torinstinkt. Unverzichtbar im Angriffzentrum. Trickreich, schnell und eiskalt im Abschluss. Zudem kopfballstark. © Getty
Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt/33/208/128): Rekordnationalspielerin und Leitfigur. Hält fast alle Bestmarken. Will ihre einmalige internationale Fußball-Karriere mit dem dritten WM-Titel beenden. © Getty
Martina Müller (VfL Wolfsburg/30/89/30): Fast nie in der Startelf, aber der “Torjoker“ schlechthin. Erfahren, laufstark und eiskalt im Abschluss. War schon bei den WM-Erfolgen 2003 und 2007 dabei. © Getty
Alexandra Popp (FCR Duisburg/19/8/4): Star der U 20-WM als beste Spielerin und beste Torschützin (10 Treffer). Druckvoll, präsent, durchsetzungsstark. Im DFB-Team meist links offensiv eingesetzt. © Getty

Im Hinblick auf die Startformation für die Partie vor der europäischen Rekordkulisse von 73.680 Zuschauern kann die zuletzt nicht mehr unumstrittene Prinz der Entscheidung von Neid mittlerweile gelassen entgegensehen. Bei den vergangenen Trainingseinheiten hat sich angedeutet, dass die Torjägerin von Beginn an auflaufen wird.

Neben Prinz scheinen auch Nadine Angerer, Annike Krahn, Saskia Bartusiak, Babett Peter, Linda Bresonik, Simone Laudehr, Kim Kulig, Inka Grings und Kerstin Garefrekes gesetzt. Um den letzten freien Platz im Team streiten sich die offensiven Mittelfeldspielerinnen Melanie Behringer und Celia Okoyino da Mbabi. „Es ist nicht wichtig, wer die ersten und wer die zweiten 45 Minuten spielt. Wenn wir am Ende drei Punkte haben, bin ich auf jeden Fall zufrieden“, sagte Okoyino da Mbabi, die laut Behringer derzeit „die Nase vorne hat“.

Die Nase vorne sollten die Deutschen, die sich mit dem dritten WM-Triumph in Folge zum alleinigen Rekord-Weltmeister machen würden, am Ende auch gegen Kanada haben. In den bisherigen neun Spielen ging die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) neunmal als Sieger vom Platz, zuletzt gab es im September 2010 ein 5:0.

Ohnehin wissen von den deutschen Spielerinnen lediglich Prinz, Grings, Angerer und Ariane Hingst, wie sich eine Niederlage bei einer WM-Endrunde anfühlt. Zuletzt verloren die Deutschen, die im Fall eines WM-Sieges 60.000 Euro Prämie (plus rund 25.000 Euro aus Sponsoren-Einnahmen) pro Spielerin kassieren, im vergangenen Jahrtausend. Am 1. Juli 1999 unterlag die deutsche Elf, die bei der Endrunde vor vier Jahren in China nicht einmal ein Geg

entor kassierte, den USA 2:3 im Viertelfinale.

Dennoch will Neid, deren Vertrag kurz vor der Endrunde bis 2016 verlängert wurde, eine Niederlage nicht vollkommen ausschließen. „Man muss immer mit allem rechnen“, sagte die 47-Jährige, die lediglich auf Ersatzspielerin Martina Müller (Oberschenkelzerrung) verzichten muss: „Wir treffen auf einen sehr starken Gegner, der vor allem zweikampfstark ist. Zudem sind die Kanadierinnen gerade im Offensivbereich gut bestückt.“

Nach dem Auftakt, bei dem Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel und DFB-Präsident Theo Zwanziger auf der Tribüne mitfiebern werden, trifft die deutsche Mannschaft in den weiteren Vorrundenspielen am 30. Juni in Frankfurt/Main auf Afrikameister Nigeria (20.45 Uhr/ARD) und am 5. Juli in Mönchengladbach auf Frankreich (20.45 Uhr/ZDF). - Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung gegen Kanada:

Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig - Garefrekes, Prinz, Okoyino Da Mbabi - Grings. - Trainerin: Neid

sid

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