DFB-Führungsstreit eskaliert

Nach Nazi-Skandal: DFB-Boss Fritz Keller kämpft mit internem Brief um sein Amt - Auszüge durchgesickert

DFB-Präsident Fritz Keller schaut bedröppelt.
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Fritz Keller steht das Wasser bis zum Hals.

Fritz Keller steht seit seinem Nazi-Vergleich im Zentrum öffentlicher Kritik. Nun kämpft er mit einem internen Brief an alle DFB-Mitarbeiter um sein Amt.

Frankfurt am Main - Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel und nun Fritz Keller: Im Amt des DFB-Präsidenten scheint niemand ohne Skandale auszukommen. Es ist bezeichnend, dass keiner der letzten drei DFB-Bosse es geschafft hat, so lange wie vorgesehen im Amt zu bleiben.

Die neuerlichen Negativ-Schlagzeilen hat sich Keller mit einem gänzlich unangebrachten Nazi-Vergleich gegen seinen Vize Rainer Koch selbst besorgt. Er verglich Koch mit Hitlers Blutrichter Roland Freisler - nun sieht er sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

DFB-Skandal: Interner Brief durchgesickert - Fritz Keller bittet um Entschuldigung

Dass die DFB-Führung völlig zerstritten ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Es tobt ein Machtkampf zwischen Keller, Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stefan Osnabrügge. Jetzt geht Präsident Keller in die Offensive: Er wendet sich in einem internen Brief an alle DFB-Mitarbeiter. Die Bild veröffentlichte Auszüge aus dem Schreiben.

Video: Wie geht‘s weiter mit Fritz Keller?

Kellers erstes Anliegen ist es, sich für die Aussage gegen Koch erneut zu entschuldigen. „Das ist eine unsägliche Aussage von mir. Seien Sie versichert: Seit Tagen lässt es mir keine Ruhe, der Frage auf den Grund zu kommen, wie ich mich zu einer solchen Entgleisung habe hinreißen lassen“, beteuert er. „Meine eigenen Überzeugungen, Werte und die Geschichte meiner Familie stehen im absoluten Widerspruch zu diesem Vergleich.“

DFB: Fritz Keller kritisiert Umgang mit den Medien

Zugleich holt er zur Attacke gegen andere Präsidiumsmitglieder aus. „Das andere ist die Tatsache, dass diese im kleinsten Kreis ausgesprochene Aussage auf schnellstem Wege an die Medien durchgestochen wurde. So geht es seit Monaten. Ich kann hier versprechen: Ich gebe keine internen Angelegenheiten an die Medien. Das ist nicht mein Stil.“

Keller fordert einen Außerordentlichen Bundestag, auf dem sich der komplette Präsidialausschuss dem Votum der Delegierten stellen soll. „Mit der aktuellen Konstellation kann kein Präsident gut und wirkungsvoll arbeiten. Ich nicht. Und kein Präsident in Zukunft.“ Damit bestätigt er, dass der Führungsstreit längst bedenkliche Ausmaße angenommen hat.

DFB-Präsident Keller kämpft um sein Amt: „Lasst uns diesem Spiel ein Ende bereiten“

Im Schlusswort beendet er den Brief mit einem eindringlichen Appell: „Noch einmal: Meine Bemerkung gegenüber Dr. Rainer Koch war dumm und unüberlegt. Ob sie unentschuldbar war, muss Dr. Rainer Koch entscheiden. Lasst uns gemeinsam diesem Spiel ein Ende bereiten, lasst uns diese Angstkultur beenden. Fritz Keller.“

Mit Spannung wird nun eine Stellungnahme der DFB-Ethikkommission erwartet. Ist der Brief im Intranet möglicherweise Kellers letzter Angriffszug? Personelle Konsequenzen sind so gut wie sicher - denn wie Keller selbst erkannte: Die aktuelle Konstellation hat keine Zukunft. (epp)

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