Über 100 Jahre Fußballgeschichte

DFB: Gründung, Geschichte, Erfolge, Mitglieder – alle Infos zum Deutschen Fußball-Bund

Fritz Keller vor dem Logo des DFB
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Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

Der DFB ist die Dachorganisation der deutschen Fußballvereine und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Insgesamt zählt er rund sieben Millionen Mitglieder.

  • Der DFB wurde 1900 in Leipzig gegründet.
  • Nach dem 2. Weltkrieg gründete sich der Fußballverband 1949 in Stuttgart neu.
  • Zu den größten Erfolgen des DFB gehören vier WM-Titel und drei Europameister-Titel der Herren-Nationalmannschaft.

Frankfurt – Der DFB gilt mit seinen rund sieben Millionen Mitgliedern in ca. 25.000 Vereinen als größter nationaler Sport-Fachverband der Welt. Dies alleine macht die Bedeutung des Fußballs als Volkssport Nr. 1 deutlich. Dabei hatte es die neue Sportart anfangs nicht leicht. Ende des 19. Jahrhunderts schimpften Pädagogen und Turnlehrer im Kaiserreich noch über „Fußlümmelei“ und die „englische Krankheit“. Doch die Jugend ließ sich nicht aufhalten und machte den Fußball innerhalb kurzer Zeit zur Erfolgsgeschichte.

Der DFB entsteht: Gründung in Leipzig

In den ersten Jahren waren die Fußballer noch weitgehend sich selbst überlassen. Die Wende kam 1899 beim „Allgemeinen Deutschen Sportfest“ in Leipzig, bei dem die Gründung eines Fußballverbandes beschlossen wurde. Dieser wurde am 28. Januar 1900 in der Gaststätte „Mariengarten“ in Leipzig als Deutscher Fußball-Bund (DFB) aus der Taufe gehoben. Erster Präsident wurde Prof. Dr. Ferdinand Hueppe des DFC Prag. Dieser war für sich schon ein Kuriosum, da Prag zu diesem Zeitpunkt zu Österreich-Ungarn gehörte. Prag durfte zwar in der deutschen Liga mitspielen, doch eine Berufung der Spieler in die deutsche Nationalmannschaft war aufgrund der Staatsangehörigkeit unmöglich.

Insgesamt zählte der DFB im Gründungsjahr 86 Vereine als Mitglieder. Erster deutscher Meister wurde 1903 der VfB Leipzig. 1908 trug der neue Fußballverband erstmals Länderspiele aus. Erster Gegner war die Schweiz, die die Bundesauswahl mit 5:3 besiegte.

In den nächsten Jahren wuchs der DFB rasant und gewann Hunderte Mitglieder hinzu. Der Kampf um die deutsche Meisterschaft wurde noch bis 1933 in einer Endrunde im K.-o.-System erst mit acht und später mit 16 Teilnehmern ausgetragen.

DFB nach dem 2. Weltkrieg

Während der Naziherrschaft war der DFB weitgehend bedeutungslos geworden und hatte sich zum 1. Juli 1940 aufgelöst. Die Neugründung erfolgte genau neun Jahre später am 1. Juli 1949 mit einem Festakt in der Stuttgarter Oper. Dabei fehlte das französisch besetzte Saarland, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Bundesrepublik gehörte. Die Nationalmannschaft des autonomen Saarlandes traf bei der Qualifikation zur Fußball-WM 1954 zweimal auf die Nationalmannschaft des DFB. Als das Saarland 1957 der Bundesrepublik beitrat, ging der Saarländische Fußballverband im DFB auf.

Auch die DDR hatte von 1958 bis 1990 ihren eigenen Fußballverband, den DFV. Seine größten Erfolge waren der Gewinn der olympischen Goldmedaille 1976 in Montréal und die Qualifikation zur Fußball-WM 1974 in West-Deutschland. Dabei kam es in Hamburg zum ersten und einzigen Aufeinandertreffen der beiden deutschen Nationalmannschaften. Die Mannschaft der DDR gewann durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0.

DFB und die Damen

1898 hatten sich die männlichen Fußballspieler noch anhören dürfen, dass die Körperhaltung beim Fußball „den Menschen zum Affen erniedrige“. 57 Jahre später wurde den Damen ähnliches attestiert: „Im Kampf um den Ball schwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Sittlichkeit und Anstand“ hieß es bei der Begründung, warum Frauenfußball 1955 komplett verboten wurde. Das Verbot hielt sich noch bis zum 31. Oktober 1970.

DFB: Bundesliga und Fußball-WM

Ein weiterer Meilenstein des DFB war die Einführung der Bundesliga zur Saison 1963/64 zunächst mit 16 Mannschaften, seit 1965 mit 18 Mannschaften. Erster deutscher Meister wurde der 1. FC Köln vor dem Meidericher SV (heute MSV Duisburg).

1974 durfte der deutsche Fußballverband erstmals eine Meisterschaft im eigenen Land ausrichten, die mit dem Gewinn des Titels gekrönt wurde. Im gleichen Jahr zog der DFB, der seit 1951 in Frankfurt am Main eine neue Heimat gefunden hatte, in die heutige Geschäftsstelle an der Otto-Fleck-Schneise neben dem Frankfurter Waldstadion.

DFB seit der Wiedervereinigung

Kurz nach der politischen Wende erfolgte 1990 auch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Fußballverbände. Der DFV der DDR löste sich am 20. November offiziell auf und trat am 21. November als Nordostdeutscher Fußballverband dem DFB bei.

Ein weiteres Highlight für den DFB war die zweite Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Deutschland, die 2006 als „Sommermärchen“ in die Fußballgeschichte einging. Den Titel sicherte sich Italien mit einem 5:3 nach Elfmeterschießen gegen Frankreich. 2011 folgte die Ausrichtung der Frauen-Weltmeisterschaft. Im Finale gewann Japan im Elfmeterschießen gegen die USA.

DFB und seine größten Erfolge

Im Laufe seiner über hundertjährigen Geschichte konnte der DFB zahlreiche Erfolge feiern. So konnte sich die Herren-Nationalmannschaft seit 1954 für alle Weltmeisterschaften und seit 1972 für alle Europameisterschaften qualifizieren. Die größten Erfolge im Überblick:

Herren-Nationalmannschaft

  • 1954 Weltmeister
  • 1972 Europameister
  • 1974 Weltmeister
  • 1980 Europameister
  • 1990 Weltmeister
  • 1996 Europameister
  • 2014 Weltmeister

Damen-Nationalmannschaft

  • 1989 Europameister
  • 1991 Europameister
  • 1995 Europameister
  • 1997 Europameister
  • 2001 Europameister
  • 2003 Weltmeister
  • 2005 Europameister
  • 2007 Weltmeister
  • 2009 Europameister
  • 2013 Europameister
  • 2016 Olympische Goldmedaille

Eine Kuriosität ist dabei, dass sich der deutsche Fußballverband trotz aller sportlichen Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften stets sehr schwer bei den Olympischen Spielen tat. Lediglich die Damen konnten einmal Gold (2016) und dreimal Bronze (2000, 2004, 2008) gewinnen. Bei den Herren reichte es bislang einmal zu Bronze (1988) und einmal zu Silber (2016). Dazu kommt der Gewinn der Goldmedaille der DDR-Herren in Montréal 1976.

DFB und seine Mitglieder

Der DFB zählt (Stand 2020) insgesamt 7.169.3237 Mitglieder. Diese sind in insgesamt 24.481 Vereinen mit 145.084 aktiven Mannschaften organisiert.

Die 24.481 Vereine verteilen sich auf 21 Landesverbände. Die Zahl in Klammern gibt die Zahl der Vereine pro Landesverband an:

  • Bayern (4.510)
  • Niedersachsen (2.699)
  • Westfalen (2.156)
  • Hessen (2.107)
  • Württemberg (1.764)
  • Niederrhein (1.209)
  • Mittelrhein (1.095)
  • Thüringen (1.041)
  • Südwest (1.037)
  • Rheinland (1.024)
  • Sachsen (868)
  • Sachsen-Anhalt (729)
  • Südbaden (702)
  • Brandenburg (662)
  • Baden (616)
  • Schleswig-Holstein (557)
  • Mecklenburg-Vorpommern (469)
  • Hamburg (401)
  • Berlin (382)
  • Saarland (366)
  • Bremen (87)

Die Landesverbände gehören wiederum fünf Regionalverbänden (Nord, Nordost, West, Südwest, Süd) an. Überregionale Aufmerksamkeit erfahren sie einmal im Jahr, wenn die Pokalsieger der Landesverbände in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Profimannschaften antreten.

Mit Abstand mitgliedsstärkster Landesverband ist Bayern mit über 1,6 Mio. Mitgliedern, gefolgt von Westfalen mit über 990.000 Mitgliedern. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die (meist inaktiven) Mitglieder der Fußballvereine wie FC Bayern München und Borussia Dortmund mitgezählt werden.

DFB und seine Präsidenten

Zum ersten Präsidenten des neu gegründeten DFB wurde 1900 der Prager Professor Dr. Ferdinand Hueppe gewählt. Ihm folgte 1904 Friedrich-Wilhelm Nohe, der bis heute den Rekord für die kürzeste Amtszeit eines DFB-Präsidenten hält: Nur ein Jahr später nahm er seinen Hut. Anschließend sorgten Gottfried Hinze (1905 - 1925) und Felix Linnemann (1925 - 1940) für Stabilität und kontinuierliches Wachstum.

Seit der Neugründung 1949 führten folgende Präsidenten die Geschicke des DFB:

  • 1950 – 1962 Dr. Peco Bauwens
  • 1962 – 1975 Dr. Hermann Gösmann
  • 1975 – 1992 Hermann Neuberger
  • 1992 - 2000* Egidius Braun
  • 2001 - 2006** Gerhard Mayer-Vorfelder
  • 2004 – 2012 Dr. Theo Zwanziger
  • 2012 - 2015 Wolfgang Niersbach
  • 2015 - 2019 Reinhard Grindel
  • Seit 2019 Fritz Keller

* Nachdem sich Braun 2000 einer Bypass-Operation unterziehen musste, übernahm Mayer-Vorfelder seine Aufgaben als geschäftsführender DFB-Präsident.

** Von 2004 bis 2006 leiteten Mayer-Vorfelder und Zwanziger den DFB als Doppelspitze.

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