Bundestrainer erreicht Spieler kaum noch

DFB-Team in der Krise: Ex-FCB-Coach stellt klare Forderung - Kommt es zum Blitz-Rücktritt von Löw?

Steht Joachim Löw vor einem Hauruck-Finale, das ihn vom Posten des Bundestrainers fegt? Beim DFB-Team scheint nichts mehr zu funktionieren. Felix Magath fordert eine neue Lösung noch vor der EM.

München – Gelegenheiten gab es seit Sommer 2018 genügend, um sich von Bundestrainer Joachim Löw* zu trennen. Unmittelbar nach dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland zum Beispiel. Doch anstatt sich um einen Nachfolger zu bemühen, der die Mannschaft im Hinblick auf die Europameisterschaft 2020 formt, hielt der DFB Löw die Stange.

Löw musste zuletzt zunehmend feststellen, dass er die DFB-Elf nicht erreicht

Die bittere Konsequenz: In den darauffolgenden vier Nations-League-Partien gegen Frankreich und Holland gab es gerade mal ein mickriges Pünktchen. Somit verging ein weiteres Halbjahr, in dem Löw feststellen musste, dass er die DFB-Auswahl, die sich am Mittwoch mit 1:2 gegen Nordmazedonien restlos blamierte, nicht mehr erreicht. Anders ist die Ausbootung der 2014er-Weltmeister Thomas Müller‘*, Mats Hummels und Jerome Boateng im Nachhinein nicht zu erklären. Löw und der DFB wollten mit dieser Entscheidung eine Auf- und Umbruchstimmung vermitteln. Dadurch ließ sich das Festhalten am Bundestrainer begründen. Doch statt Umbruch gab es in den vergangenen zwei Jahren den kollektiven Zusammenbruch der „neuen“ Nationalmannschaft. Der gipfelte in der 0:6-Blamage im November 2020 gegen Spanien.

Doch auch damals schenkte der DFB Löw weiter das Vertrauen – aus Bequemlichkeit? Es wäre die letzte Chance des DFB gewesen, Löw, der jetzt mal wieder „alles überprüfen“ will, seines Amtes zu entheben und dem Nachfolger Zeit zu geben, seine Mannschaft im Hinblick auf das anstehende Turnier kennenzulernen. Doch der DFB hat es verschlafen, die Notbremse zu ziehen. Stattdessen hat der Noch-Bundestrainer seinen Rücktritt nach der EM angekündigt.

Verzweifelte gegen Nordmazedonien: Joachim Löw steht vor schwierigen Entscheidungen.

Statt Aufbruch- herrscht mal wieder Weltuntergangsstimmung rund um die Nationalmannschaft. Kommentar von Bayern-Patron Uli Hoeneß: „Die ganze Euphorie ist verflogen.“ Die Stimmen nach einem Blitz-Rücktritt werden lauter. Für Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann wäre sein früherer Förderer Ralf Rangnick „ein guter Kandidat“ für die Nachfolge („Er hat zwei Clubs von der Pike auf entwickelt“). Und auch Felix Magath sieht Anlass zum Handeln.

Nachfolge für Löw: Prominente Kritiker fordern Lösung noch vor der EM

Es müsse „jetzt kurzfristig“ ein neuer Bundestrainer her, „auf alle Fälle“ vor der EM, forderte der frühere Meistertrainer im Bild-Podcast. Das Turnier ab Mitte Juni sei „zu wichtig, als dass man da reingeht und Daumen drückt, dass es mal wieder gut geht.“ Zumal die Vorrunden-Gegner Frankreich, Portugal und Ungarn heißen – nicht Island, Rumänien oder Nordmazedonien.

Doch ein Blitz-Rücktritt von Löw wäre falsch. Als interne Lösung bietet sich fast nur Co-Trainer Marcus Sorg an – und der hat als Löws Chef-Assistent einen fast genauso großen Anteil am desaströsen Ist-Zustand der Nationalmannschaft. Wie wichtig die Arbeit eines Co-Trainers ist, hat Hansi Flick beim WM-Titel 2014 bewiesen. Viel wichtiger wird im Hinblick auf die EM sein, dass sich die Mannschaft in gewisser Weise selbst coacht.

Dafür bräuchte es Mats Hummels und Thomas Müller im Team, die in der Rolle als „Spielertrainer“ bereits in ihren Vereinen aufblühen. Sie werden sich ebenfalls dafür aussprechen, dass Joshua Kimmich bei der EM als Rechtsverteidiger spielen muss. Denn das größte Problem ist nach wie vor die deutsche Wackelabwehr. Doch Löws Ansage bezüglich der Rückholaktion von Müller und Hummels macht wenig Hoffnung: „Die Entscheidung fällt im Mai.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © afp / THILO SCHMUELGEN

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