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Nächste Runde in der Impfdebatte um Kimmich: Bundestrainer Flick kündigt Einzelgespräch an

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Bundestrainer Hansi Flick spricht beim Training der deutschen Nationalmannschaft mit Joshua Kimmich.
Bundestrainer Hansi Flick will ein Vieraugengespräch mit Joshua Kimmich führen. © Marcus Brandt/dpa

Sportlich läuft es für die Nationalmannschaft rund, das WM-Ticket für Katar ist gelöst. Doch im Verband brodelt es und ein DFB-Führungsspieler irritiert.

Wolfsburg – Als Joshua Kimmich (26) am Montagabend (8. November) in Wolfsburg ankam, war es schon dunkel. Das weiße Schild mit der Aufschrift „Impfzentrum Hafen 1“ an der Zufahrtsstraße zum Mannschaftshotel dürfte der Nationalspieler wohl nicht gesehen haben. Vom Ritz Carlton aus sind es gerade einmal 400 Meter bis zum Wolfsburger Impfzentrum.

Ob Kimmich diesen Weg auf sich nimmt, um sich den Pieks gegen das Coronavirus abzuholen? Unwahrscheinlich. Der Mittelfeldspieler weiß: Solange er sich nicht impfen lässt, wird die Debatte um seine Person anhalten – auch bei der Nationalmannschaft.

Nationalmannschaft: Bundestrainer Flick will mit Kimmich über Corona-Impfung sprechen

So kündigte Bundestrainer Hansi Flick bereits im Vorfeld der anstehenden Länderspiele in der WM-Qualifikation am Donnerstag (11. November) gegen Liechtenstein (20.45 Uhr) und am Sonntag (14. November) in Armenien (18 Uhr, RTL) an, dass er das Vieraugengespräch mit Kimmich suchen wird. „Ich werde das Thema noch mal aufgreifen“, sagte Flick der FAZ. Das werde „nicht nur vor der versammelten Mannschaft, sondern auch im Einzelgespräch, ganz persönlich“ geschehen: „Wenn jemand Sorgen hat, werden wir versuchen, ihm diese zu nehmen.“

Sowohl beim FC Bayern als auch beim DFB wäre es den Verantwortlichen freilich lieber, sämtliche Spieler wären geimpft. Zumal die Nationalmannschaft mit ihrer Aktion „Schiri, ich hab schon Gelb“ proaktiv für die Corona-Impfung wirbt. Pikant: Kimmich dürfte rein rechnerisch nicht der einzige DFB-Star sein, der aktuell ungeimpft ist.

WM in Katar: DFB muss Stellung beziehen – Bundestrainer Flick will „genau hinschauen“

Obwohl es sportlich seit dem Amtsantritt von Flick hervorragend läuft, die Nationalmannschaft war bereits vor dem Länderspiel-Doppelpack für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar qualifiziert, brodelt es hinter den Kulissen des Verbands nicht nur wegen der Impf-Skepsis von Joshua Kimmich. Durch die vorzeitige Teilnahmeberechtigung an der WM-Endrunde in Katar werden nun zwangsläufig auch DFB-Protagonisten Stellung zu den Menschen- und Arbeitsrechten im Wüstenstaat beziehen müssen.

Der Bundestrainer wurde bereits während des vergangenen DFB-Lehrgangs in Hamburg zur politischen Situation in Katar befragt. „Unsere Haltung im Kader ist bekannt. Wir werden genau hinschauen, wenn wir vor Ort sind“, sagte Flick damals und ergänzte: „Das ist das, was ich dazu sagen kann. Sonst bin ich zu weit weg. Ich war noch nicht wieder unten. Unsere Generalsekretärin Heike Ullrich war aber zuletzt in Katar und hat sich geäußert. Sie findet, dass es ein Land im Wandel ist.“

Ex-DFB-Boss Keller erhebt Vorwürfe gegen Verbandsvize Koch – Rummenigge fordert Ruhe

Je näher die WM rückt, desto mehr Fragen wird es zu dieser Thematik geben. Und dann ist beim DFB ja noch die Suche nach einem neuen Präsidenten voll im Gange, die stets für Unruhe innerhalb des Verbands sorgt, was selbst einen gestandenen Fußball-Funktionär wie Karl-Heinz Rummenigge verärgert. „Ich habe den Eindruck, dass seit Mayer-Vorfelder keine Ruhe beim DFB herrscht in der Position des Präsidenten“, sagte Rummenigge am Wochenende.

Sportlich laufe es jetzt, „daher ist es wichtig, dass im Präsidium und Management Ruhe einkehrt. Das ist eine Verpflichtung, die alle Beteiligten haben“. Eine klare Ansage in die Richtung der Interimspräsidenten Peter Peters und Rainer Koch. Jüngst hatte Ex-DFB-Präsident Fritz Keller in einem Interview gnadenlos mit dem Verband abgerechnet. (pk/bok)

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