Im Interview

DFB-Manager Bierhoff: "Dürfen nicht zu gierig sein" 

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Oliver Bierhoff.

München - Querdenker. Einer, der sich nicht so leicht vor den Karren spannen lässt. Dafür gibt es manchmal verbale Backpfeifen. Aber Oliver Bierhoff (43), Manager der Nationalmannschaft und Weltmeistermacher, bleibt sich treu.

Im Express-Interview sprach mit ihm über die englische Millionenschwemme, den Transferwahnsinn und den Posten als DFB-Präsident.

Herr Bierhoff, sollte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach neuer UEFA-Präsident werden, hätten Sie dann Ambitionen DFB-Präsident zu werden? 

Bierhoff: Warum sollte ich? Mit Wolfgang Niersbach haben wir den besten Präsidenten, den man sich vorstellen kann. Das schließe ich kategorisch aus.

Wer könnte Niersbach beerben?

Bierhoff: Ich werde nicht spekulieren und irgendeinen Namen in den Raum werfen.

Könnte es jemand werden, der nicht aus dem Verband kommt? Zum Beispiel jemand aus der Wirtschaft wie VW-Boss Martin Winterkorn oder Adidas-Chef Herbert Hainer? 

Bierhoff: Nochmal: Die Frage stellt sich aktuell nicht. Ich finde es generell aber immer gut, wenn man quer denkt und sich komplett öffnet. Das bedeutet gleichzeitig auch, nichts von vornherein auszuschließen. Schließlich aber obliegt die Entscheidung über den DFB-Präsidenten den Delegierten des DFB-Bundestags.

In Europa flüchten Menschen vor Unterdrückung und Krieg. Gleichzeitig findet im Fußball ein nie dagewesener Transferirrsinn statt. Wie verfolgen Sie die Entwicklung? 

Bierhoff: Das stimmt mich nachdenklich.

Ist ein Fußballer 100 Millionen Euro wert? 

Bierhoff: Betriebswirtschaftlich gibt es sicherlich Spieler, die diese Summe wieder hereinspielen. Aber das sind nur ganz wenige. Bedenklich ist, dass für Spieler, die vor ein paar Wochen zehn Millionen Euro kosteten, jetzt 30 Millionen Euro gezahlt wird. Das ist ungesund.

Platzt diese Transferblase irgendwann einmal? 

Bierhoff: Ja, das könnte passieren. Der Fußball muss aufpassen, welchen Weg er einschlägt. Bei aller notwendigen Kommerzialisierung dürfen wir uns nicht von den Fans abwenden.

Aber diese Summen sorgen für Kopfschütteln. Es entsteht der Eindruck eines Millionengeschäfts ohne Grenzen, übergeschnappt und jenseits der Realität, in dem nur noch über Geld gesprochen wird... 

Bierhoff: Das Problem ist, wenn bei den Verantwortlichen ein Giereffekt entsteht. So nach dem Motto: Wie bekomme ich noch mehr Geld, wie werde ich noch reicher. Außerdem bringen diese Summen Unruhe in eine Mannschaft. Es ist ganz wichtig, dass der Sport weiter im Mittelpunkt steht. Entscheidend wird immer sein, dass die Qualität stimmt. Und dass die Ticket-Preise für die Fans erschwinglich bleiben.

Wie kann man den Wahnsinn stoppen? 

Bierhoff: Wir sollten versuchen auf europäischer Ebene Pflöcke einzuschlagen. Ich frage mich zum Beispiel, warum das Transferfenster so lange offen ist? Das provoziert geradezu diese Entwicklung. Ich würde mir wünschen, dass vor dem 1. Spieltag keine Spielerwechsel mehr möglich wären. Außerdem gibt es eine Entwicklung, dass die Champions-League immer mehr aufgewertet wird, während die Einnahmen der Europa-League stagnieren. Das führt dazu, dass die Schere zwischen den finanzstarken und den Klubs mit weniger finanziellen Spielräumen immer größer wird.

Interview: tg

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