Harte Kritik vom 289-fachen Bundesliga-Referee

Schiri Gräfe verklagt DFB nach seinem Bundesliga-Aus - er fühlt sich diskriminiert

Manuel Gräfe will gegen die Altersgrenze des DFB vorgehen.
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Manuel Gräfe will gegen die Altersgrenze des DFB vorgehen.

Manuel Gräfe musste aufgrund seines Alters als Bundesliga-Schiri abdanken, nun geht er gerichtlich gegen den DFB vor und kritisiert den Verband aufs Schärfste.

Frankfurt/Main - Am letzten Bundesliga-Spieltag der vergangenen Saison gab es viele emotionale Verabschiedungen. Nicht nur Urgesteine wie die Bender-Zwillinge oder David Alaba* verließen das deutsche Oberhaus zum Ende der Saison. Mit Manuel Gräfe beendete ein renommierter Schiedsrichter seine Laufbahn und musste der Bundesliga gezwungenermaßen den Rücken kehren*. Nun will er gegen sein frühes Schiri-Aus klagen, sein Vorwurf gegen den DFB: Altersdiskriminierung.

DFB: Manuel Gräfe klagt gegen „uralte Richtlinie“ des Verbands - „DFB nimmt mir das, was mir Freude macht“

Gräfe galt seit Jahren als abgeklärter Unparteiischer, der auch bei den Profis gut ankam. Zum Ende der abgeschlossenen Spielzeit musste der 47-Jährige unfreiwillig aufhören, Grund dafür war die erreichte Altersgrenze des DFB. Doch der Sportwissenschaftler aus Berlin will die Entscheidung nicht akzeptieren und fechtet sie nun gerichtlich an. In einem Interview mit dem Zeit Magazin äußerte er seinen Unmut gegen den DFB* und kritisierte den Verband hart.

„Ich verklage den DFB wegen Altersdiskriminierung“, klärte der Referee im Gespräch mit dem Blatt auf. Er wolle die umstrittene Altersregel zum Kippen bringen. „Der DFB behauptet, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und für Diversität einzusetzen. Die Altersregel steht dem entgegen“, bemängelte er die Entscheidung des Verbands.

Gräfe, der in seiner Karriere 289 Bundesliga*-Partien leitete, hätte „gerne weitergemacht“. Körperlich sei der Schiri-Job kein Problem, „meinen Füßen, Knien und der Hüfte geht es gut. Aber der DFB pocht auf eine uralte Richtlinie“, meint der Referee, der mit seinen guten Leistungen in den letzten Jahren auf sich aufmerksam machte. „Der DFB nimmt mir das, was mir Freude macht. Natürlich gibt es auch finanzielle Verluste, ich werde versuchen, wenigstens diese geltend zu machen“, meint er bezüglich seiner Klage.

DFB: Gräfe mit harter Kritik gegen Verband - „Argumente ändern nichts, nur die Steuerfahndung oder Richter“

Entschieden harte Worte wählte der Zehlendorfer bei seiner Bemängelung gegen den DFB. „Jetzt hat der DFB mal einen guten - ich hoffe, ich darf das so sagen - und beliebten Schiri, und dann sortiert er ihn aus, offenbar nur, weil er nicht zu allem Ja und Amen sagt. Leider ändern in diesem Verband Argumente nichts, sondern nur die Steuerfahndung oder Richter“, schimpfte der 47-Jährige. Im letzten Satz spielte Gräfe wohl vorsätzlich auf die letzte Steuer-Razzia in der DFB-Zentrale* an.

Wie der Schiedsrichter anführt, werde in Deutschland zu sehr auf Fitness und zu wenig auf die Leistung geachtet. „Man kann mit Routine und Spielverständnis besser positioniert sein, als wenn man blind umherrennt. Letztlich zählt allein die Qualität der Entscheidungen“, meinte Gräfe. „Was der DFB macht, sieht nach Altersdiskriminierung aus“, so seine Konklusion.

Bei Gräfes gerichtlichem Kampf geht es jedoch nicht nur um seine persönlichen Belange, auch Kollegen wie Guido Winkmann und Markus Schmidt könnten der Regel bald zum Opfer fallen. Auch in unteren Spielklassen habe die Regel Folgen, wie der Unparteiische erläutert. „In der Regionalliga wird manchem 25-Jährigen mitgeteilt, dass er bald aufsteigen müsse, sonst sei er zu alt. So geben viele perspektivlos und frustriert auf“. Sollte Gräfe seinen Fall gewinnen, werde er selbst allerdings nicht mehr pfeifen, wie er klarstellte. (ajr) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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