Nach „Human Rights“-Aktion des DFB-Teams

DFB-Boykott in Katar? Kimmich haut auf den Tisch: „Sind zehn Jahre zu spät dran“

Das DFB-Team positionierte sich zu den Menschenrechtsverletzungen auf den WM-Baustellen in Katar. Jogi Löw und Joshua Kimmich reagierten auf die Vorwürfe der Fans.

Update vom 27. März, 17.49 Uhr: Nach der „Human Rights“-Aktion der deutschen Nationalmannschaft gab es viel Kritik für die DFB-Elf, viele Gegenstimmen vermuteten eine Marketing-Aktion des Verbands. Nach dem Spiel wurde ein glanzvoll inszeniertes Video im Stile eines Werbeclips gepostet, in dem die Spieler die Shirts für die Aktion vorbereiteten, was die kritischen Stimmen weiter befeuerte. Der Vorwurf der Fans: es geht der Nationalelf mehr um PR als um die Menschenrechte der Arbeiter auf den Baustellen in Katar.

DFB: Löw und Kimmich bestreiten Vorwürfe - „Für Boykott zehn Jahre zu spät“

Bei einer Pressekonferenz wehrten sich Bundestrainer Joachim Löw und Joshua Kimmich gegen die Anschuldigungen. „Wenn jemand denkt, dass unsere Spieler, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, sich aus Marketinggründen vor so einen Karren spannen lassen, der irrt gewaltig. Unsere Spieler sind sehr, sehr interessiert und wissen, was in der Welt passiert“, meinte Löw und betonte die „Eigeninitiative“ der Spieler. Der 61-Jährige lobte die Aktion und verstand offenbar nicht den Kritikpunkt der Fans.

„Generell bin ich der Meinung, dass wir für einen Boykott zehn Jahre zu spät dran sind. Jetzt muss man die Gelegenheit nutzen, mit der Strahlkraft, die wir haben, die Dinge anzusprechen“, meinte Joshua Kimmich und fügte sich dem allgemeinen Tenor beim FC Bayern. Demzufolge sei eine millionenschwere Zusammenarbeit mit dem Emirat förderlich für die Menschenrechte vor Ort.

DFB: Kimmich verteidigt Video zur Menschenrechts-Aktion - „Spricht für die Qualität der Kameraleute“

Auch den Kern der Diskussion um die Video-Inszenierung scheint der FC-Bayern-Mittelfeldspieler nicht nachvollziehen zu können - oder wollen. „Dass von einem Hochglanzvideo gesprochen wurde, spricht für die Qualität unserer Kameraleute“, sagt Kimmich lächelnd auf der Pressekonferenz. Man habe im Fußball die Gelegenheit, Aufmerksamkeit zu schaffen. „Da sind aber nicht nur wir Fußballer gefragt, sondern z.B. auch Ihr Medien“, meinte Kimmich daraufhin. Letztere berichten allerdings seit Jahren über die menschenunwürdigen Bedingungen, Sklaverei und der inzwischen mehr als 6500 Todesfälle von Arbeitern auf den WM-Baustellen Katar.

DFB: Nationalelf setzt Zeichen gegen WM in Katar - doch es hagelt Kritik von den Fans

Duisburg - Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island setzten die deutschen Nationalspieler ein Zeichen und präsentierten sich in Leibchen mit einer wichtigen Botschaft. „Human Rights“, stand in einzelnen Buchstaben auf den T-Shirts, die von den Elf DFB-Akteuren demonstrativ zur Schau gestellt wurde. Die Botschaft ist klar, es geht um die menschenunwürdigen Umständen der Arbeiter in Katar, wo die nächste Weltmeisterschaft 2022 stattfindet.

DFB: Goretzka erklärt Human-Rights-Statement - „Möchten klar machen, dass wir das nicht ignorieren“

Nach Recherchen des britischen Guardian sollen etwa 6500 Arbeiter seit der Vergabe der WM an das Emirat ums Leben gekommen sein. Auch die norwegische Nationalmannschaft zeigte sich beim Qualifikationsspiel in Gibraltar mit demselben Statement auf den Shirts, Leon Goretzka erklärte die Kampagen nach dem 3:0 gegen Island am RTL-Mikrofon.

Der Frage nach dem Initiator der Aktion wich er gekonnt aus und meinte: „So etwas entsteht immer gemeinsam. Wir haben die Schrift auch selber drauf geschrieben. Die Norweger haben es schon gemacht, auch wir haben eine große Plattform, um für unsere Werte einzustehen. Die Botschaft ist ja ziemlich eindeutig“, so der FC-Bayern-Profi. „Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen, Wir haben die WM vor uns und möchten der Gesellschaft klar machen, dass wir das nicht ignorieren.“

DFB: Fans wüten auf Twitter - „Buchstaben auf Trainingsleibchen machen 6500 Arbeiter nicht wieder lebendig“

Doch bei den Fans kam genau dies an. „Und was antwortet ihr, wenn ihr gefragt werdet, ob ihr an der WM in Katar teilnehmen wollt?“, schreibt ein aufgebrachter Twitter-User. „Ein Human-Rights-Statement ohne WM-Boykott ist wertlos“, meint ein anderer. Die Meinung der Anhänger ist recht eindeutig, ein Nutzer hätte sich eine deutlichere Reaktion des Teams gewünscht und schreibt: „Es ist ja grundsätzlich löblich, aber wenn das DFB-Team das mit den Human Rights auch meinen würde, wären sie noch vor Anpfiff vom Platz gegangen.“

Weitere Tweets setzten sich kritisch dem Statement vor dem Anpfiff auseinander. „Buchstaben auf Trainingsleibchen machen 6500 Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka nicht wieder lebendig“, schreibt eine Userin. „Wer sich ernsthaft für Human Rights einsetzt, nimmt an der WM 2022 in Katar nicht teil!“, fordert nicht nur ein Fan.

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