Experten unzufrieden mit Nationalteam

„Ruder herumreißen“: Das fordern Schweinsteiger und Co. nun von Löw - Rummenigge schießt gegen DFB

Die DFB-Auswahl löst sechs Jahre nach dem Triumph in Brasilien keine Begeisterung mehr aus in Deutschland. Die Gründe sind vielschichtig und werden von Experten klar benannt.

  • In der Ukraine hat das DFB-Team erstmals ein Nations-League-Spiel gewonnen.
  • Dabei trat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw aber wenig überzeugend auf.
  • Kritik wird vor allem an der Zusammenstellung des Kaders laut.

Kiew - Der deutschen Nationalmannschaft ist mit dem 2:1-Erfolg gegen die Ukrai­ne etwas Historisches gelungen - und 7,53 Millionen ARD-Zuschauer haben es gesehen! Der wenig überzeugende Sieg in Kiew durch die Treffer von Matthias Ginter und Leon Goretzka war das erste Nations-League-Spiel, das die DFB-Elf gewinnen konnte. Euphorie oder gar Vorfreude auf die anstehende EM 2021 löste es nicht aus.

Bundestrainer Joachim Löw und sein Team begeben sich langsam, aber sicher aufs Abstellgleis innerhalb des deutschen Fußball-Kosmos. Selbst der langjährige Jogi-Jünger Bastian Schweinsteiger, der zusammen mit Löw 2014 den Fußball-Olymp erklomm, stellte in seiner neuen Funktion als ARD-Experte fest: „Man kann sich nicht mehr so 100-prozentig identifizieren mit der Nationalmannschaft - und das ist schade. Ich hoffe, dass das Ruder wieder herumgerissen wird.“

Gibt beim DFB-Team seit 2016 die Richtung vor: Joachim Löw ist der dienstälteste Nationaltrainer im Fußball.

Kritik am DFB-Team: Seit Ausbootung von Müller und Co. stottert deutsches Spiel

Es gibt mehrere Gründe für die zunehmende DFB-Kritik. Die Art und Weise, wie das Team seit der WM-Blamage 2018 auftritt, hat nichts mehr mit dem Fußball zu tun, mit dem die DFB-Truppe zwischen 2010 und 2014 die Welt begeisterte. Gerade seit der Ausbootung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng im März 2019 stottert das deutsche Spiel.

Dabei sollte diese Entscheidung den Umbruch einleiten. Doch während Müller und Boateng beim FC Bayern beweisen, dass sie nach wie vor zu den besten Kickern der Welt gehören, nominiert Löw stur fußballerische Zweitware wie Nico Schulz, Antonio Rüdiger oder Julian Brandt, die in ihren Vereinen nicht über die Rolle der Bankdrücker hinauskommen.

Kritik am DFB-Team: Schweinsteiger will die Besten spielen sehen - Vogts sieht es ähnlich

Das sieht auch Schweinsteiger kritisch: „Ich persönlich sage immer: Die Besten sollten spielen. Die besten Spieler, die es in Deutschland gibt. Und da sehe ich Jerome Boateng auf einem sehr hohen Niveau, man hat es ja auch in der Champions League gesehen.“ Ähnliche Töne schlägt Ex-Bundestrainer Berti Vogts in seiner t-online-Kolumne an: „In einem echten Länderspiel treten die besten Akteure gegeneinander an. Ein Reservespieler eines Vereins hat dabei in der DFB-Startformation nichts zu suchen.“

Auch in der Außendarstellung entfremdet sich der DFB vom Fan. So sieht Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge das Image des Verbands beschädigt und wirft ihm Profitgier vor. „Geld, Vermarktung und Politik haben Priorität, aber nicht der Fußball. Der DFB muss dringend in ruhiges Fahrwasser zurückkehren“, sagte er der BamS. Verantwortlich dafür ist für ihn der WM-Titel 2014: „Es wurde versucht, diesen großen Erfolg finanziell auszunutzen. Mit großen neuen Sponsoring-Verträgen und vielem mehr.“

Mann klarer Worte: Bastian Schweinsteiger äußert offen Kritik an Joachim Löw und dem DFB.

Kritik vom DFB-Team: Zahlungsfreudige Sponsoren stecken in Krise

Und diese Sponsoren erwarten natürlich öffentliche Wahrnehmung der Nationalmannschaft. Immerhin investieren Hauptsponsoren wie Adidas oder VW nach wie vor mehrstellige Millionenbeträge in ihre Partnerschaften mit dem deutschen Verband - obwohl sie von der Corona-Krise finanziell stark gebeutelt sind und Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten. (Manuel Bonke)

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