Verwirrung bei FC-Treffer

Krumme Abseits-Regel verhilft Regensburg zum Pokal-Wunder: Kölner ratlos - Blicken Sie noch durch?

Die Kölner Verantwortlichen Markus Gisdol (l.) und Horst Heldt verstanden zwischenzeitlich die Fußball-Welt nicht mehr.
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Die Kölner Verantwortlichen Markus Gisdol (l.) und Horst Heldt verstanden zwischenzeitlich die Fußball-Welt nicht mehr.

Der SSV Jahn Regensburg steht nach einem 4:3 über den 1. FC Köln im Viertelfinale des DFB-Pokals. Eine Abseits-Entscheidung sorgte für große Verwirrung.

  • Nächste Überraschung im DFB-Pokal!
  • Zweitligist Regensburg kegelte im Elfmeterschießen Bundesligist Köln aus dem Wettbewerb und steht im Viertelfinale.
  • Am Ende diskutierten alle aber nur über eine Abseits-Entscheidung.

Regensburg - Die Jahnelf macht‘s! Nach einem dramatischen Abend steht Zweitligist Regensburg plötzlich im Viertelfinale des DFB-Pokals. Ein warmer Geldregen für die Oberpfälzer, die derzeit auf Platz elf im Fußball-Unterhaus stehen. Rund 1,4 Millionen Euro wandern auf das Konto des SSV Jahn.

Darüber hätte sich bestimmt auch der 1. FC Köln gefreut, die Geißböcke hatten vom Punkt aber nicht die Nerven. Regensburg gewann das Spiel letztlich mit 4:3 nach Elfmeterschießen. Unglaublich: In den drei bisherigen Runden kam es für die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegovic immer zum Shootout.

DFB-Pokal: Köln jubelt in Regensburg - dann wundern sich alle über eine Abseits-Entscheidung

Dabei hatten die Kölner eigentlich schon während der 90 Minuten genug Chancen, sich ins Viertelfinale zu katapultieren. Der Effzeh führte schnell mit 2:0 durch Tore von Ismail Jakobs (4.) und Emmanuel Dennis (22.), das vermeintliche 3:1 wurde wegen Abseits aberkannt, Neuzugang Dennis scheiterte in der Schlussphase mit einem Handelfmeter an SSV-Schlussmann Alexander Meyer (78.) - es war einfach nicht der Abend der Kölner.

Hinterher sorgte vor allem jenes zurückgenommene Tor zum 3:1 für Verwunderung. Eine Kopfball-Bogenlampe von Köln-Verteidiger Benno Schmitz landete im Netz der Regensburger. Eigentlich eine klare Sache, niemand sah eine Abseitsposition - außer die Schiedsrichter. Mit Hilfe des VAR wurde die Szene minutenlang überprüft. Letztlich nahm der Unparteiische Robert Hartmann das Tor zurück.

DFB-Pokal: Kuriose Abseits-Szene bei Regensburg gegen Köln

Was war passiert? Flankengeber Ondrej Duda stand zuvor im Abseits, was zunächst nicht klar ersichtlich war. „In der Entstehung des Tores kommt es zu einem Schuss auf das Tor, den ein Regensburger ablenkt“, sagte Hartmann. Durch diesen Kontakt entstehe jedoch keine neue Spielsituation, „die vorherige Abseitsposition bleibt bestehen. Deswegen mussten wir das Tor annullieren“, betonte der Schiedsrichter. Auch beim TV-Sender Sky wunderte man sich und fragte deshalb kurzerhand Schiri-Experte Lutz Michael Fröhlich. Das Ergebnis: In dieser Szene wollten die Regensburger den Ball klären. Dass die Kugel dann zu einem Spieler springt, der bei der Schussabgabe schon in der verbotenen Zone stand, bedeutet: Abseits.

Das erklärte der DFB auch via Twitter: „Der Jahn-Abwehrspieler spielt zwar den Ball, aber bei dieser Aktion handelt es sich um eine sogenannte Torabwehrreaktion – auch „deliberate save“ genannt. Von einer Torabwehrreaktion oder einem „save“ spricht man, wenn ein aufs Tor geschossener Ball aufgehalten oder abgewehrt wird. Die Aktion des Abwehrspielers wird gleich bewertet wie die Abwehraktion eines Torwartes. Die Berührung des Balles durch einen Spieler der verteidigenden Mannschaft hebt eine Abseitsstellung nur dann auf, wenn es sich dabei um ein absichtliches Spielen des Balles handelt, das nicht einer Abwehraktion entspringt. Die Abseitsstellung ist jedoch dann strafbar, wenn ein Spieler den Ball aus einer Torabwehraktion eines Abwehrspielers erhält.“ Alles klar? Bereits am Dienstag gab es zwischen Paderborn und Dortmund wilde Diskussionen. Der entscheidende Unterschied war hier: Deliberate Play. SCP-Verteidiger Svante Ingelsson wollte in diesem Fall den Ball ganz bewusst und somit absichtlich spielen. Es war keine spontan erzwungene Abwehraktion wie es beispielsweise das Blocken eines Schusses darstellt. Ob er aber tatsächlich am Ball war? Das ist eine andere Frage.

DFB-Pokal: Abseits-Entscheidung bei Regensburg gegen Köln war korrekt

Markus Gisdol haderte auch nach dem Schlusspfiff noch mit dieser großen vergebenen Chance. „Die Entscheidung nach unserem vermeintlichen dritten Tor haben wir alle nicht verstanden. Niemand auf der Ersatzbank“, sagte der Trainer des 1. FC Köln nach dem bitteren Aus. „Ich kannte die Regel bislang noch nicht so, wie sie jetzt nach Abpfiff erklärt wurde. Ich glaube, die meisten Zuschauer kannten die Regel auch nicht.“

Am Ende schied der FC nach einem 3:4 im Elfmeterschießen aus. „Wir hätten es gar nicht so weit kommen lassen dürfen“, sagte Gisdol. „Zu passiv“ und „zu leichtfertig“ sei sein Team nach der zwischenzeitlichen Führung gewesen. So konnten Scott Kennedy (35.) und Jann George (44.) ausgleichen, ehe Dennis dann in der 78. Minute noch den Handelfmeter vergab uns es nach der Verlängerung dann in die Lotterie ging.

Im Elfmeterschießen versagten Jorge Mere und Jannes Horn die Nerven, Max Besuschkow verwandelte zum Sieg für den Zweitligisten, der erstmals im Viertelfinale steht. „Ein Elfmeterschießen ist immer Glückssache“, sagte Gisdol, der seinen glücklosen Schützen keinen Vorwurf machen wollte: „Sie haben sich freiwillig gemeldet und getraut, anzutreten.“ (akl/dpa)

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