Mega-Wirbel um geleakte Rechnung

Schlammschlacht im DFB gerät außer Kontrolle: Wieder Interna durchgesickert - Keller jetzt vor dem Aus?

DFB-Präsident Fritz Keller spricht in der DFB-Zentrale bei einer virtuellen Pressekonferenz vor den bevorstehenden Spielen der Nationalmannschaft.
+
Fritz Keller: Hat sich der Präsident mit seinen Macherein im Machtkampf gegen Curtius selbst ins Aus manövriert?

Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius führen offenbar einen erbitterten Machtkampf im DFB. Kellers Büroleiter wurde jetzt erwischt.

Der größte nationale Sportverband der Welt kommt einfach nicht zur Ruhe. Im Deutschen Fußball-Bund* - kurz DFB - tobt ein Machtkampf, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Oder doch? Mittendrin: Präsident Fritz Keller. Der 63-Jährige hatte im September 2019 das Zepter übernommen, doch seine Amtszeit droht sich vorzeitig dem Ende zu neigen. Er wäre nach Wolfgang Niersbach, der wegen der Sommermärchen-Affäre seinen Hut nehmen musste, und Reinhard Grindel, dem eine geschenkte Luxus-Uhr zum Verhängnis wurde, der dritte DFB-Boss, der in den letzten fünfeinhalb Jahren vorzeitig sein Amt aufgeben müsste.

Seit Monaten gilt das Verhältnis zwischen Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius als zerrüttet. Curtius solle über Dritte Informationen an Medien übermittelt haben, „die darauf gerichtet waren, das Ansehen der DFL zu beschädigen“, zitierten die Bild und die Süddeutsche Zeitung aus einem DFL-Schreiben. Aber auch Kellers Standing war durch immer wieder durchgesickerte Interna massiv beschädigt worden.

DFB: Dauerstreit von Keller und Curtius - wiederholt Interna durchgesickert

Es gab Versuche, die Beziehung zu kitten, zuletzt am 15. Januar. An dem Tag vereinbarten die Kontrahenten einen Burgfrieden. Der Präsident und sein Generalsekretär werden „unverzüglich letztmalig einen gemeinsamen Versuch unternehmen, Regeln und Rollen für eine künftige gemeinsame professionelle Zusammenarbeit zu diskutieren und festzulegen“, teilten beide nach einer sechsstündigen Krisensitzung am Freitag gemeinsam mit.

Doch nur zwei Wochen später waren die Vorsätze dahin. Weil vor der Präsidiumssitzung wieder Interna durchgesickert waren*, loderte der Machtkampf neu auf.

Zuletzt war Kellers wichtigster Mann gefeuert worden. Laut Bild soll sich Büroleiter Samy Hamama Ende 2020 widerrechtlich Zugang zu Dokumenten verschafft haben. Und Keller soll Hamama dazu beauftragt haben. Das berichtet der Spiegel. In einer Mail von Keller an DFB-Funktionäre soll es heißen: Hamama habe auf seine „ausdrückliche Anweisung zum Zwecke“ der „vollständigen Information über hausinterne Vorgänge“ gehandelt, als er in der Abrechnungsdatenbank die Beraterrechnung suchte.

DFB: Hamama fliegt wohl wegen Keller-Auftrag raus - folgt ihm der Präsident?

Hamama wehrt sich aktuell erfolglos gegen seinen Rausschmiss. Geht es Keller bald ähnlich? Es scheint, dass sich der DFB-Präsident mit einem Spitzel-Auftrag ein Eigentor geschossen hat. Hamama hatte eine Rechnung von Medien-Berater Kurt Diekmann abfotografiert. Wenig später war sie im ZDF zu sehen. Die Controlling-Mitarbeiterin des DFB erklärt, die Rechnung sei anhand einer Markierung zweifelsfrei wiederzuerkennen.

Da passt zusammen, dass eine externe Kanzlei den Keller-Büroleiter als „Primärquelle des ZDF“ bezeichnet. Geheimhaltungspflichten seien nachweislich verletzt worden. Mit Machenschaften, die Friedrich Curtius im Machtkampf schaden sollen, scheint sich Fritz Keller selbst ins Abseits zu schießen. Ob die Schlammschlacht jetzt einfach zu viel ist, müssen die Landesverbände und das Präsidium entscheiden. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare