Wolfgang Niersbach im tz-Interview

DFB-Boss: "Wir müssen einen Spirit haben!"

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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (l.) erhält von Bayern-Trainer Pep Guardiola Streicheleinheiten.

München - Die WM rückt näher, morgen geht es für Löw & Co. ins Trainingslager. Worauf es ab jetzt ankommt, und wie man die derzeitge Lage in Brasilien beim DFB sieht – die tz sprach mit Präsident Wolfgang Niersbach.

Herr Niersbach, das Pokalfinale ist gespielt, morgen finden sich die Nationalspieler zur Vorbereitung auf die WM ein. Ist damit die heiße Phase für Brasilien eingeläutet?

Wolfgang Niersbach: Ja, ab morgen geht’s los! Bis auf Sami Khedira sind alle da, jetzt wird es ernst.

Bastian Schweinsteiger hat Probleme, Philipp Lahm und Manuel Neuer sind nun auch angeschlagen. Haben Sie das Pokalspiel mit bangem Blick verfolgt?

Wolfgang Niersbach: Das ist immer so, ja. Ich kann mich genau an das Pokalfinale vor vier Jahren erinnern, da standen wir oben auf der Tribüne und bekamen plötzlich die Nachricht, dass Michael Ballack im englischen Finale schwer verletzt worden ist. Ich hoffe und wünsche nun Bastian Schweinsteiger, dass es nichts Ernsteres ist. Denn wenn er schon auf das Pokalfinale verzichten musste, dann ist es keine ganz harmlose Geschichte. Ich hoffe für ihn, dass er es packt – auch weil ich persönlich eng mit ihm verbunden bin. Er ist ein toller Kerl!

Auch andere Spieler sind nicht fit oder in bester Form. Machen Sie sich Sorgen?

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (l.) mit tz-Redakteur Michael Knippenkötter.

Wolfgang Niersbach: Diese Situation hat es immer schon gegeben. Ich habe in Berlin noch mit Kalle Rummenigge darüber gesprochen, wie wir ’86 mit dem Teamchef Franz Beckenbauer nach Mexiko gefahren sind. Da war Völler verletzt, Littbarski verletzt, Rummenigge verletzt. Der einzige gesunde Stürmer war Klaus Allofs. Im Laufe des Turniers wurden dann alle nach und nach gesund - hätte die WM eine Woche länger gedauert, hätten wir das Finale gegen Argentinien wahrscheinlich sehr klar gewonnen! Aber es kann dich auch gleich im ersten Turnierspiel erwischen, Rudi Völler hat sich 1992 gleich zu Beginn den Arm gebrochen.

Worauf kommt es nun also an?

Wolfgang Niersbach: Wichtig ist, dass sie die Zeit in Südtirol nutzen, um aufzutanken. Kein Abschalten, aber auftanken. Körperlich wie pschychisch nach der Belastung der Saison. Und: Alle Beteiligten müssen einen Teamspirit hinbekommen. Das ist elementar! Hört sich altmodisch an, aber ich weiß, wovon ich spreche. Ich weiß, welchen Spirit wir 1990 vom ersten Tag in Malente bis zum Finale in Rom hatten. 1994 ist das nicht gelungen, obwohl der Kader sogar besser war.

Im aktuellen Kader sind ein paar Überraschungen aufgetaucht. Welche Namen hätten Sie favorisiert?

Wolfgang Niersbach: Ich hatte die ganze Zeit gehofft, dass irgendwie die Nachricht kommt: Ilkay Gündogan kann wieder spielen. Das ist ein fantastischer Junge, dass der da so lange ausfällt… Er wäre ein unglaublich wichtiger Spieler! Das ist aber nun mal leider so. Und bei Mario Gomez ist es genauso tragisch. Seit September hat er vielleicht 180 Minuten Fußball gespielt. Das ist nicht zu ändern.

Sie spielen auf die Fitness an – und haben unter anderem die Hitze von Mexiko erlebt. Wie wichtig wird dieser Faktor sein, in Kombination mit den frühen Anstoßzeiten?

Wolfgang Niersbach: Es ist weniger die Hitze, das größere Problem wird die hohe Luftfeuchtigkeit sein. Denn wo wir zunächst spielen, ist Winter, also gut 25 Grad. Aber die Luftfeuchtigkeit ist hart. Bei der Auslosung im Dezember in Salvador habe ich Volker Finke getroffen, der ist nur über die Straße gegangen und sein Hemd war klitschnass durchgeschwitzt. Aber was sollen wir lamentieren? Italiens Trainer Cesare Prandelli hat erzählt, dass beim Confed-Cup sieben, acht Spieler darum gebeten haben, ausgewechselt zu werden. Die waren körperlich kaputt! Das hat er noch nie erlebt. Das zeigt: Du brauchst fitte, aber auch willensstarke Spieler.

Die Meldungen aus Brasilien sind derzeit nicht besonderes positiv – nehmen wir die Proteste, die Verzögerungen beim Stadionbau. Kommt da bei Ihnen überhaupt schon Vorfreude auf?

Wolfgang Niersbach: Die Vorfreude ist da! Wir haben uns letzte Woche mit der brasilianischen Botschafterin getroffen, sie sagt, nach neuesten Umfragen freuen sich 82 Prozent der Menschen dort – die wollen diese Weltmeisterschaft! Und die Protestler benutzen ein Stück diese Plattform, um auf ihre Nöte aufmerksam zu machen. Das sind auch persönliche Nöte. Aber die Prognose ist: Sobald der erste Ball rollt, steht die Freude über diese WM im Mittelpunkt. Ich selbst weiß es auch nicht, ich gebe das jetzt so wieder. Wir verlassen uns nicht auf Medienberichte, wir stehen auch im ständigen Kontakt mit der deutschen Botschaft in Brasilia. Wir haben auch mit Außenminister Steinmeier gesprochen. Es gibt keinerlei Reisewarnung für die deutschen Fans. Unser Kontingent ist verkauft! Wir haben nach Argentinien die größte Fankolonie in Brasilien.

Interview: Michael Knippenkötter

Leesn Sie auch:  WM 2014 - Der Spielplan als PDF-Download

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