„Scheinheiligkeit erreicht ganz neues Level“

Doppelmoral? DFB verhandelt wohl um brisante Partnerschaft - die Fans laufen Sturm

Antonio Rüdiger spielt vor einem Werbebanner von Qatar Airways.
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Qatar Airways - bald ein großer Sponsor des DFB?

Der DFB will offenbar eine Partnerschaft mit Qatar Airways eingehen. Gleichzeitig fährt er eine Kampagne für Menschenrechte - das passt nicht so recht zusammen.

Frankfurt am Main - Für ihre Aktion beim WM-Qualifikationsspiel gegen Island bekam die deutsche Nationalmannschaft* Lob: Die Elf bildete mit bedruckten T-Shirts den Schriftzug „Human Rights“, um auf das Thema Menschenrechte aufmerksam zu machen. Auf der DFB-Website ist dazu zu lesen: „Das DFB-Team will darauf hinweisen, dass es unsere tägliche Aufgabe ist, für Menschenrechte einzutreten.“

Wie die Süddeutsche Zeitung enthüllte, verhandelt der DFB* nun aber mit der Fluglinie Qatar Airways über eine Partnerschaft. Für Menschenrechte demonstrieren, aber gleichzeitig dann doch Millionen aus Katar einstreichen? Eine schwierige Kombination.

DFB verhandelt mit Qatar Airways - weil Lufthansa abgesprungen ist

Die Ausrichtung der Winter-WM 2022 im kleinen Wüstenstaat sorgt nicht erst seit gestern für heftige Kritik - unter anderem für die Arbeiter vor Ort existieren quasi keine Menschenrechte, Homosexualität steht unter Strafe. Schon der FC Bayern* wird regelmäßig für seine Partnerschaft mit einem der wichtigsten Unternehmen im Wüstenstaat kritisiert.

Warum begibt sich der DFB dann in dieses Minenfeld? Die Antwort fällt nicht schwer: Natürlich geht es um Geld. Seit Jahrzehnten fliegen die DFB-Kicker wegen eines Werbe-Deals mit der Lufthansa kostenlos durch die Welt. Die Corona-Krise traf den Konzern jedoch hart - die Konsequenz: Keine Gratis-Flüge mehr für den DFB. Und weil auch der DFB massive wirtschaftliche Einbußen erfährt, müssen jetzt Sponsoring-Alternativen her.

Die deutsche Nationalmannschaft setzt ein Zeichen für die Einhaltung von Menschenrechten.

DFB im Kreuzfeuer der Kritik - „Dachte, es könnte nicht mehr peinlicher werden“

Dass man ausgerechnet im Emirat fündig zu werden scheint, stößt bei vielen auf großes Unverständnis - und trägt weiter zum ohnehin schon ramponierten Image des DFB bei. Unter anderem auf Twitter machen viele Fans ihrem Ärger Luft. „Das sind Gründe, warum niemand den DFB mag“, vermutet ein User. „Ich dachte schon, nach dem EM-Aus könnte es nicht mehr peinlicher werden“, echauffiert sich ein anderer. „Was soll das denn?“, lautet eine verständnislose Frage. „Mit Human-Rights-Trikots und Regenbogen-Binde in den Qatar-Airways-Flieger. Der DFB möchte beim Thema Scheinheiligkeit ein ganz neues Level erreichen“, so ein weiterer Kommentar.

Die Nationalspieler selbst können dafür natürlich wenig - zumindest Toni Kroos und Leon Goretzka nennen die Probleme klar beim Namen. „Dass die WM nach Katar vergeben wurde, halte ich für falsch. Viele Arbeiter müssen pausenlos schuften bei 50 Grad, bei mangelnder Ernährung und fehlendem Trinkwasser. Das ist Wahnsinn“, prangerte der mittlerweile zurückgetretene Kroos an.

„Wir wollen der Gesellschaft klar machen, dass wir das nicht gut heißen, die Bedingungen, die da herrschen“, betonte Goretzka nach der T-Shirt-Aktion. Die WM in Katar wird wohl trotzdem stattfinden - und auch Leon Goretzka wird im Zweifel in den Qatar-Flieger einsteigen. (epp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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