„Wichtige Spieler sind Alphatiere“

Sollen die WM-Helden von 2014 zurückkehren? So lief’s mit Rückkehrern bisher

Früher war alles besser. Häufig holten Bundestrainer ausgemusterte Stars zurück in die Nationalelf. Häufig mit mäßigem Erfolg. Sollte Jogi Löw auch auf Ehemalige zurückgreifen?

  • Häufig holen Bundestrainer ehemalige Spieler zurück ins Team.
  • Fußball-Legende Fritz Walter sollte gleich zweimal zurückkommen.
  • Jürgen Klinsmann hingegen verzichtete auf viele Alt-Stars.

München - Natürlich wird in Leipzig diskutiert, ob Joachim Löw die Spieler, die er im Frühjahr 2019 aus der Nationalmannschaft hinauskomplimentiert hat, im Hinblick auf die EM 2021 wieder einladen soll. Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels haben Argumente: Sie sind erfolgreich mit ihren Klubs FC Bayern und Dortmund.

DFB-Rückkehrer: Bei Fritz Walter wurde sogar zweimal angefragt

DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagt: „Es freut mich, wenn sie gute Spiele machen. Dennoch ist es absolut wichtig, dass Jogi den Weg weitergeht.“ Ohne die drei. Bierhoff hat miterlebt, wie vor der WM 1998 Berti Vogts dem öffentlichen Ruf nach einer Rückkehr von Lothar Matthäus, damals 38, nachgab. „Lothar“, stellt Bierhoff klar, „war ein Supertyp, hat sich gut verhalten – dennoch hat das was mit der Mannschaft gemacht.“ Wichtige Spieler seien Alphatiere, Persönlichkeiten – und nicht immer passen sie zueinander. „Was hat es gebracht, wenn man Spieler zurückgeholt hat?“, fragt Bierhoff. Die tz gibt die Antwort:

WM 1958: Bundestrainer Sepp Herberger bittet den 54er-Kapitän Fritz Walter zurück. Die Titelverteidigung glückt nicht, obwohl Walter immer noch ein Topspieler ist. Platz vier.

Der WM-Held von 1954, Fritz Walter, war auch später noch sehr gefragt.

WM 1962: Herberger probiert es noch einmal bei Fritz Walter, der aber bereits 41 ist und auch in Kaiserslautern aufgehört hat. Der Bundestrainer blitzt ab. Deutschland scheitert im Viertelfinale.

DFB-Rückkehrer: Franz Beckenbauer kommt nicht mehr zurück

WM 1978: Der DFB verbietet es Bundestrainer Helmut Schön, Akteure zu nominieren, die im Ausland spielen. Der CSU-Bundetagsabgeordnete Dionys Jobst versucht, ein Comeback von Franz Beckenbauer (New York) auf politischem Weg zu erzwingen. Klappt nicht. Schön will den 1974 zurückgetretenen Weltmeister Jürgen Grabowski für sich gewinnen. Der fast 34-Jährige bleibt bei seinem Nein. Die WM missglückt.

WM 1982: Rebell Paul Breitner spielt nach mehrjähriger Pause wieder für den DFB. Die Mannschaft kommt ins Finale, das sie 1:3 gegen Italien verliert, Breitner schießt das Tor.

WM 1986: Mit Bernd Schuster, der sich mit Teamchef Beckenbauers Vorgänger Jupp Derwall überworfen hat? Der DFB lässt sich nicht auf Forderungen Schusters ein. Die Deutschen werden Vizeweltmeister.

WM 1994: Wer soll die Tore schießen? Berti Vogts überredet Rudi Völler zum Comeback. Völler spielt okay, doch Bulgarien köpft im Viertelfinale die DFB-Truppe raus.

WM 1998: Mit Lothar Matthäus – wie Oliver Bierhoff schilderte.

DFB-Rückkehrer: Jürgen Klinsmann verzichtet auf Altstar Mehmet Scholl

EM 2000: Thomas Häßler rutscht in den Kader. Zehn Jahre nach dem WM-Gewinn spielt er bei 1860 groß auf. Einen Platz in der Mannschaft, die die Vorrunde nicht übersteht, findet er nicht. Stefan Effenberg, von der WM 1994 heimgeschickt, ist nach einem Kurz-Comeback im Herbst 1998 kein Thema mehr.

1990 wurde er Weltmeister, 2000 sitzt er nur auf der Bank: Thomas Häßler.

WM 2006: Vor der WM läuft eine Petition, Altstar Mehmet Scholl als Joker ins Nationalteam zu holen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hört weg – wie auch im Fall Christian Wörns und Didi Hamann. Er hat schon Jens Nowotny zurückgeholt, aber nur für die Kadertiefe. Die WM wird ein Erfolg. Platz drei.

Seitdem gab es keine großen XY-muss-mit-zum-Turnier-Initiativen. Es waren die ruhigen und guten Jahre des deutschen Fußballs. 2018/19 endeten sie. Oliver Bierhoff versichert, er habe noch nicht gehört, dass in den Trainerrunden von Rückholaktionen die Rede gewesen wäre. „Momentan sehen wir noch keinen Handlungsbedarf.“

Jogi Löw schlägt die Tür für die WM-Helden von 2014 zu.

Die DFB-Elf steht vor zwei schwierigen Spielen in der Nations League. Gegen die Ukraine ist ein Sieg Pflicht um den Gruppensieg zu holen.

Rubriklistenbild: © Oliver Multhaup/dpa

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