Nach DFB-Spielabsage

tz-Kommentar: "Und wieder gilt für uns alle: Jetzt erst recht!"

Hannover - Nach der starken Trotzreaktion auf die Anschläge in Frankreich mit der Entscheidung, das Spiel der DFB-Elf gegen Holland stattfinden zu lassen, sind wir nun erneut gefordert. En Kommentar von tz-Redakteur Michael Knippenkötter:

Es sollte ein Zeichen werden:

Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir halten an unserem Stil, zu leben, fest! Nach den feigen Attentaten von Paris sollte das Länderspiel zwischen Deutschland und Holland zu einer Demonstration westlicher Werte werden – und eine Geste der Solidarität für unsere französischen Freunde.

90 Minuten vor dem Anpfiff wurde eine der sportlich unwichtigsten und gleichzeitig gesellschaftlich bedeutendsten Partien unserer Nationalmannschaft dann abgesagt,

Tausende Menschen strömten verunsichert nach Hause. Und nun?

Es ist nicht zu einer Katastrophe gekommen, und dennoch hat es einen Anschlag gegeben. Einen

Anschlag auf unser Lebensgefühl, unsere Uneingeschränktheit, unsere Freiheit. Die Freiheit das zu tun, was uns lieb ist. Nach dem gestrigen Abend spüren wir mehr denn je, dass sich etwas verändert. Nicht dort draußen in der Welt, in der großen Politik. Sondern bei uns. Nach Paris ist die letzte Hürde scheinbar genommen, der Terror ist nun auch in Deutschland und unserer Wahrnehmung angekommen.

Wie gehen wir demnächst einen Konzertbesuch an, wie unbeschwert erleben wir einen Restaurantabend? Und besonders auf die Geschehnisse in Hannover bezogen: Wie stimmungsvoll pilgern wir in Zukunft auf die Tribünen der Fußballstadien?

Nach der starken Trotzreaktion auf die Anschläge in Frankreich mit der Entscheidung, das Spiel der DFB-Elf gegen Holland stattfinden zu lassen, sind wir nun erneut gefordert. Und das nicht einmalig, sondern (vorerst) dauerhaft. Wir müssen um unser Recht zu leben, wie wir es wünschen und gewohnt sind, kämpfen. Wir müssen weiter die Spiele besuchen, die uns den Alltag versüßen. Das wird am Anfang ein mulmiges Gefühl mit sich bringen. Es ist an uns, dieses zu überwinden, und zwar so lange, bis uns die Schiedsrichterentscheidungen und vergebenen Großchancen wieder mehr ärgern und beschäftigen, als uns Bedenken um unsere Sicherheit im Nacken sitzen. Sich jetzt zu Hause zu verstecken wäre ein Erfolg für den Terror. Auch, wenn das Spiel gestern Abend abgesagt wurde: Lasst uns nicht vergessen, warum es überhaupt stattfinden sollte!

Rubriklistenbild: © Westermann

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