Tod im syrischen Bombenhagel

Burak Karan: Vom DFB-Talent zum Gotteskrieger

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Ein Gesicht, zwei Welten: Burak Karan, links als Spieler von Aachen (2008), rechts als islamischer Gotteskrieger.

München - Burak Karan wurde einst eine Fußball-Karriere bescheinigt – nun starb er in einem syrischen Bombenhagel München – Die letzten Versuche im Profifußball sind in der Winterpause 2008/09 registriert.

Burak Karan spielte bei der zweiten Mannschaft des Wuppertaler SV zur Probe vor, war bei zwei Testpartien dabei. Am Ende gab der Etat zu wenig her, die Wege trennten sich wieder. Burak Karan, einst ein vielversprechendes Talent des deutschen Fußballs, verabschiedet sich aus der Branche. Die Spur verliert sich. Am 11. Oktober starb er in einem vom syrischen Diktator Baschir al-Assad verordneten Bombenhagel in dem Dörfchen Azaz, kurz hinter der türkischen Grenze. Zurück bleibt ein Internetvideo, das das Bild eines Gotteskriegers zeichnet.

„Er hat sein Zuhause verlassen, um ,fisabilillah’ (auf dem Weg Gottes/d. Red.) gegen die Ungerechtigkeit von Baschar al-Assad zu kämpfen“, heißt es in dem Video. Die Islamisten rühmen Karan, er sei „wie ein Löwe ins Gebiet der Kuffar gestürmt – PKK, Möge Allah sie allesamt vernichten – und Freude daran hatte, sie zu bekämpfen. Nun ist er bei seinem Herrn im Herzen grüner Vögel, ,in sha’Allah’ (,so Gott will’/d. Red.). Möge Allah ihn Hand in Hand ins Paradies eingehen lassen.“

Es gibt ein Foto des deutschen U-17-Nationalteams, auf dem Karan zwischen den Ex-Bayern Alexander Baumjohann und Michael Görlitz in die Kamera grinst. Sein Berater war Harun Arslan, der berät auch Joachim Löw, und er sagt über seinen ehemaligen Mandanten, er habe viel Talent gehabt und viel Ehrgeiz – und es habe keineswegs Anzeichen zu einer Radikalisierung gegeben. Mit 17 erlitt er einen Kreuzbandriss, danach kam er sportlich nicht mehr richtig auf die Beine. Er habe damals fünf Mal am Tag gebetet, heißt es, und das Fasten ernstgenommen – aber dass er sich so radikal veränderten sollte? Ehemalige Kollegen und Trainer zeigten sich nun bestürzt über die Todesumstände des 26-Jährigen.

2009, als die Karriere endgültig endete, ging er oft in die Wuppertaler Moschee. Er geriet in den Umkreis von Salafisten, reiste 2010 in die arabische Welt, der Verfassungsschutz beobachtete ihn. Es heißt, er habe sich der radikalen Bewegung „Millatu Ibrahim“ angeschlossen. Sein Kampfname soll „Abu Abdullah at-Turk“ gelautet haben.

Anfang 2013 reiste er an die syrisch-türkische Grenze ab. Angeblich, um zu überprüfen, dass Spenden in die richtigen Hände gelangen. Doch nun gibt es ein Video und Fotos, die Burak Karan mit Maschinengewehr in eindeutigen Posen zeigen. Er hinterlässt eine Frau und zwei Söhne, die noch immer in Syrien sei sollen.

Andreas Werner und Dennis Melzer

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