Wer hat Angst vorm kleinen Mann?

Löws Weltmeister fahren mit Respekt nach Georgien

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Bitte schnell die Spannung ­erhöhen! ­Joachim Löw will gegen ­Georgien höchste ­Konzentration – und drei Punkte.

München - Der Testlauf gegen Australien verlief nur bedingt zufriedenstellen, am Sonntag wird es für die deutsche Nationalmannschaft ernst in Georgien.

Mario Götze wischte sich einmal durch die Haare, räusperte sich, nickte und sagte: „Machen wir es kurz: Das ist nicht zufriedenstellend!“ Der Weltmeister hatte wohl noch ein bisschen überlegt, wie er dieses 2:2 gegen Australien hätte besser beschreiben können. Die schonungslose, aber dafür treffende Antwort war wohl unumgänglich. Sie zeigt die Lage der DFB-Elf, die eigentlich vor allem dann Probleme hat, wenn es gegen tief zurückgezogene Gegner geht. Und nun so was gegen das offensive Australien – das lässt nur einen Schluss zu: Georgien wird noch schwerer! Es ist die Angst vorm kleinen Mann.

„Die Mannschaft wird die Spannung Richtung Georgien noch mal erhöhen. Da werden wir mit noch mehr Konzen­tration auftreten“, sagte Jogi Löw schon mal prophylaktisch nach den 90 Minuten von Kaiserslautern. Er beruhigte damit vor allem die, die schon von einer Quali-Katastrophe ausgehen. „Wir sind ein bisschen im Hintertreffen. Das müssen wir wettmachen, aber das werden wir auch, weil die Mannschaft diese Qualität und diese Einstellung hat.“ Es klang wie Parolen von ganz oben – während die Spieler deutlich respektvoller nach Tiflis blickten. Nämlich mit dem Respekt vor der Situation in der Gruppe, dem unangenehmen Gegner, dem Ungewissen. Oder wie Lukas Podolski meinte: „Ich war noch nie in Georgien, ich glaube, der große Teil von uns auch noch nicht. Von daher sollten wir gewarnt sein, wenn wir dahin fliegen. Ich rechne mit einer heißen Schlacht.“

Podolski will "Klarheit in der Tabelle"

Womit Poldi Punkt zwei ansprach: Georgien wird sich gegen den Weltmeister mit allen Mitteln wehren, ein Bollwerk vor dem eigenen Tor aufbauen. Gegen Schottland (2:1), Irland (1:1), selbst gegen Gibraltar (4:0) sorgte das für Probleme. Ilkay Gündogan sagte: „Der Gegner wird sehr unangenehm sein, wir wollen dagegenhalten und drei Punkte mitnehmen.“

In Zahlen ausgedrückt ist es fast kurios: Australien belegt Platz 65 in der Weltrangliste, hat Erfahrungen mit WM-Turnieren, schlug sich zuletzt in Brasilien sehr wacker gegen die Top-Nationen Holland, Chile, Spanien. Georgien dagegen ist die Nummer 126 in der Welt, seit Jahren ohne namhafte Spieler in den Reihen. Und doch bereiten sie mehr Bauchschmerzen. Nicht zuletzt herrscht die Angst, aufgrund der Gruppensituation zu verkrampfen. Podolski: „Wir wollen unbedingt die drei Punkte, um ein bisschen Klarheit in der Tabelle zu bekommen.“ Im Moment ist die deutsche Mannschaft auf Platz drei, hat nach wie vor alle Möglichkeiten. Ein Punktverlust in Tiflis allerdings würde weitere Nerven strapazieren. Ob man gar fürchten muss, die Quali zu verpassen? Im Moment klingt es noch so wie Marco Reus es sagte: „Im Fußball ist alles möglich. Aber wir sind Weltmeister und haben die Qualität, die Gruppe erfolgreich zu überstehen.“ Man sollte nur schnell zu sich selbst finden – und keine Angst vorm kleinen Mann haben.

Michael Knippenkötter

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