Treffen in Berlin

DFB-Team diskutiert Videobeweis - Kroos: "Keine gute Lösung"

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Nationalspieler Toni Kroos ist skeptisch beim Videobeweis. Foto: Marius Becker

Der Videobeweis lässt auch die Nationalspieler nicht kalt. Das Thema wird im Kreise der Fußball-Weltmeister sehr unterschiedlich bewertet. Chefcoach Löw sieht die positiven Seiten. Toni Kroos will auf die Technikhilfe verzichten. In London kommt sie am Freitag zum Einsatz.

Berlin (dpa) - Über den umstrittenen Videobeweis wird auch im Kreise der Fußball-Weltmeister intensiv diskutiert.

Während sich Bundestrainer Joachim Löw und Verteidiger Mats Hummels trotz vieler kontroverser Schiedsrichter-Entscheidungen für die neue Technik aussprachen, hält Toni Kroos das Experiment, das am Freitag beim Länderspielklassiker gegen England fortgesetzt wird, praktisch schon für gescheitert.

"Ich fand das eine gute Idee bei Entscheidungen, die wichtig sind, wie Elfmeter, Platzverweis, Tor oder kein Tor. Aber wie sich das entwickelt, finde ich, war es einen Versuch wert, aber es wurde keine gute Lösung gefunden", sagte der Mittelfeldstar von Real Madrid bei der Trikotpräsentation der Nationalmannschaft in Berlin.

Löw und Hummels sprachen sich hingegen trotz diverser Mängel für eine Fortsetzung aus. "Ein klares Ja von meiner Seite. Ich bin ein absoluter Befürworter. Wir sind noch in der Probierphase. Es dauert manchmal ein bisschen lange, manchmal wird eingegriffen, wo es gar nicht notwendig ist. Aber bei ganz, ganz wichtigen Entscheidungen, Rote Karte ja oder nein, Elfmeter ja oder nein, Tor ja oder nein, finde ich es gut. Dann macht er den Fußball gerechter", sagte der Bundestrainer.

Beim Länderspiel am Freitag im Londoner Wembleystadion gegen England wird der Videoreferee zum Einsatz kommen. Entsprechende Medienberichte aus England bestätigte der Deutsche Fußball-Bund am Mittwoch. Der polnische Schiedsrichter Pawel Raczkowski kann demnach von seinem Landsmann Pawel Gil als Videoreferee auf spielentscheidende Fehler hingewiesen werden. Der Länderspielklassiker wurde vom International Football Association Board IFAB für die Testphase des Videobeweises ausgesucht.

Hummels argumentierte pro Videobeweis. "Ich bin weiter großer Befürworter des Videobeweises an und für sich. Den Gedanken, der dahintersteckt, den finde ich auch gut", sagte der Defensivmann. Aber: Nur bei "glasklaren Fehlentscheidungen", so der Bayern-Profi, sollten die Videoreferees einschreiten. "Wenn in 50:50-Entscheidungen eingegriffen wird, ist das der falsche Weg", kritisierte Hummels die zwischenzeitlich vom Deutschen Fußball-Bund modifizierte Auslegung. "Da wurde schon so viel falsch entschieden mit dem Fernsehbild, dass es eine gute Idee war, ich aber davon nicht überzeugt bin", sagte hingegen Kroos.

In der Bundesliga wird der Videobeweis seit Saisonbeginn bei allen Partien getestet. Diverse strittige Entscheidungen hatten jedoch für große Diskussionen gesorgt. Zuletzt rückte der mittlerweile von seinem Amt entbundene Projektleiter und Supervisor des DFB, Hellmut Krug, unter anderem wegen des unbestätigten Vorwurfs der unerlaubten Einmischung in Referee-Entscheidungen in den Fokus.

Ob Videoschiedsrichter auch bei der WM 2018 zum Einsatz kommen werden, entscheidet das Regelgremium der FIFA, das IFAB, im kommenden März. Der Testlauf beim Confederations Cup in diesem Jahr war auch von mehreren umstrittenen Entscheidungen geprägt gewesen.

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