Hebebühne, Tracking, körperbetontes Aufwärmen

Erstes Training unter Hansi Flick: Wie das DFB-Team sein Glück in der Wissenschaft sucht

Hansi Flick und Co. beginnen ihr Abenteuer beim DFB-Team. Schnell wird ersichtlich, mit welchen Mitteln der neue Bundestrainer die Mannschaft zum Erfolg führen will.

Stuttgart - Bevor sie ins professionellere Umfeld des Stuttgarter Gazi-Stadions wechselte – bekannt als das Degerloch –, trainierte die deutsche Nationalmannschaft auf einem Nebenplatz des nach dem langjährigen Kickers-Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler benannten Sportparks. Drohend stand am Rand ein Kopfballpendel, Zeuge einer vergangenen Epoche.

Hansi Flick und sein Trainerstab ließen das Horst-Hrubesch-Gedächtnisgerät unbeachtet, sie hatten ihre eigenen Utensilien mitgebracht – etwa eine Hebebühne, von der aus ein Kameramann die Trainingseinheit filmte. Oder ein Kamerasystem, das aus dem Golf entlehnt wurde. In seinem ursprünglichen Bereich analysiert der „Trackman“ Schwungtechnik und Reaktion, auf dem Fußballplatz hält er fest, wie die Deutschen Freistöße treten. „Das geht über einen Sensor und eine App“, erläutert Marco Reus, „es wird berechnet, ob man mehr oder weniger machen muss. Interessant, dass man das messen kann.“

DFB-Team unter Hansi Flick: Der Fußball ist wissenschaftlicher geworden

Mads Buttgereit, der Standardtrainer aus Dänemark, der gleich allen „das dänische Du“ anbietet, ist derzeit sehr gefragt, weil er im Team Flick für die Innovation steht. Er ist so neu wie 2004 bei Jürgen Klinsmanns Bundestrainer-Antritt die amerikanischen Fitness-Spezialisten mit den Gummibändern. Diesmal herrscht aber keine Aufregung, sondern ehrliches Interesse. Jeder weiß: Der Fußball ist wissenschaftlicher geworden, und ein guter Trainer kann auch sein, wer kein aufregender und berühmter Fußballer war.

Danny Röhl wird eine tragende Rolle spielen bei der Neuausrichtung. Flick hat den 24 Jahre jüngeren Kollegen beim FC Bayern kennengelernt und zum DFB mitgenommen. Er lässt ihn bei den Übungen zum schnellen Umschaltspiel, dem großen Thema der ersten Woche, das Kommando übernehmen. Röhls sächsisches Idiom ist auch auf der anderen Seite des Platzes zu vernehmen. „Linksaußen an der roten Stange: Leroy. Spitze: Timo“, ergehen Positionsanweisungen an Sané und Werner. Sieben gegen sieben mit Wechsel der Ballbesitzmannschaft. Dann vier gegen vier, noch weniger Raum, noch mehr Intensität. Ist ein Tor gefallen, ruft Röhl „Belohnung“. Das erfolgreiche Team bekommt den Ball sofort wieder.

Hansi Flick startet seine Mission als Bundestrainer des DFB mit einem Länderspielblock im Rahmen der WM-Quali.

Hansi Flick startet Ära beim DFB-Team: Körperbetontes Aufwärmen und Freistöße

Gemütliches Ballhochhalten ist nicht angesagt im Flick-Training. Schon das Warm-Up ist körperbetont. im Sprint sollen jeweils zwei Spieler einander wegschieben – mit 70 Prozent Energie. Letzter Teil des 70-Minuten-Trainings: Freistöße. Wenig gelingt, es wird sichtbar, dass es nicht schadet, einen Trainer dafür eingestellt zu haben.

Zuschauer beim ersten Training sind auch die Leute vom Fachportal torwart.de. Marcel Schäfer, der Chef, schaut genau hin, was Andreas Kronenberg, der Neue, draufhat. Der erste Eindruck ist gut: Schon innovativer als der Ansatz von Andy Köpke. Aber der war auch 17 Jahre dabei. Ewig fast.

Kürzlich hatte Hansi Flick seinen ersten DFB-Kader bekannt gegeben. Thomas Müller und Marco Reus sind dabei, zudem schenkt er drei Debütanten das Vertrauen.

Rubriklistenbild: © MIS

Auch interessant

Kommentare