Sein Leben in Toren

Diego Maradona: Eine Legende ist tot - Die zehn denkwürdigsten Spiele des Argentiniers

Argentiniens Mittelfeldstar und Torjäger Diego Maradona (o) fliegt über den deutschen Torhüter Harald Schumacher (u) und Abwehrspieler Hans-Peter Briegel, die ihn mit letztem Einsatz stoppen.
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Diego Maradona fliegt im WM-Finale 1986 über Toni Schumacher und Hans-Peter Briegel.

Diego Armando Maradona war einer der größten Fußballer, die die Welt je gesehen hatte. Der Argentinier versetzte Fans und Gegner gleichermaßen in Erstaunen. Seine zehn denkwürdigsten Spiele.

  • Diego Maradona war ein der größten Fußballer, die die Welt je gesehen hat
  • Mit seinen Toren und Dribblings verzauberte er über Jahre die Massen
  • Der Argentinier verstarb am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt

München - Diego Armando Maradona war eine Legende des Fußballs, einer der ganz Großen, einer, der das Spiel auf eine ganz neue Ebene brachte und dem Fußball so viel mehr gab.

Am 30. Oktober 1960 wurde Diego Armando Maradona Franco in Lanus als fünftes von acht Kindern geboren. Mit seinen Eltern und Geschwistern wuchs er in ärmlichen Verhältnissen in Villa Miseria am südlichen Stadtrand von Buenos Aires auf. Bereits früh beschäftige er sich nur mit Fußball. Als zwölfjähriger Balljunge unterhielt er in der Halbzeitpause der Seniorenmannschaft seines Teams Argentinos Juniors die Fans im Stadion mit Kabinettstückchen.

Diego Maradona: Eine Legende ist tot - Die zehn denkwürdigsten Spiele des Argentiniers

Bereits mit 15 Jahren feierte er anschließend sein Debüt bei den Profis. Mit Hilfe des SID haben wir die denkwürdigsten Spiele und Tore von Diego Maradona zusammengestellt.

Argentinos Juniors - Talleres de Cordoba 0:1 (20. Oktober 1976)

Gerade einmal 15 Jahre alt war Maradona, als er sein Profi-Debüt gab. „An diesem Tag habe ich mit den Händen den Himmel berührt“, sagt „Dieguito“ später. In seinem ersten Match gelang ihm zwar kein Treffer, aber gleich zu Beginn tunnelt der unbekümmerte Lockenkopf seinen Gegenspieler und erntet ein „Ole!“ des Publikums. Drei Wochen später legte Maradona gegen San Lorenzo seine ersten Tore nach.

Argentinien - UdSSR 3:1 (7. September 1979, Endspiel der U20-WM)

Bis heute sieht der damalige argentinische Nationaltrainer Cesar Luis Menotti es als seinen größten Fehler an, den 17-Jährigen Maradona 1978 nicht für die Heim-WM zu nominieren. Ein Jahr später trumpft dieser dafür bei den Junioren auf. Im Finale macht der 18-Jährige mit einem Freistoß-Tor alles klar und wird anschließend folgerichtig zum besten Spieler des Turniers gewählt. Damit ging international sein Stern auf. „Einer der schönsten Momente in meinem Leben“, sagt Maradona. Fast noch wichtiger als der Titel: Der Teenager muss wegen des Erfolgs in seiner Heimat nicht zum Militärdienst antreten.

Argentinien - Ungarn 4:1 (18. Juni 1982, WM-Vorrunde)

Drei Jahre später darf Maradona dann zur WM. Gegen Ungarn gelingt ein Gala-Auftritt und er schießt seine ersten WM-Tore: Erst per Flugkopfball, dann mit einem satten Linksschuss. Allerdings ist seine erste WM-Teilnahme keine Erfolgsgeschichte, denn zwei Wochen später ist die WM nach einem 1:3 gegen Brasilien beendet, Maradona sieht zu allem Überfluss nach einem Tritt die Rote Karte. Am Ende zeigt sich der damals 21-Jährige enttäuscht: „Alle hatten gedacht, es würde meine Weltmeisterschaft werden. Ich eigentlich auch.“

FC Barcelona - Athletic Bilbao 0:1 (5. Mai 1984, spanisches Pokalfinale)

Nach der WM 1982 zieht es Maradona auch auf Klubebene nach Spanien und er wechselt zum FC Barcelona. Dort kommt er mit Trainer Udo Lattek aber nicht sonderlich gut zu Recht. In seinem letzten Spiel für Barca rastet Maradona völlig aus. Der Grund: Erst acht Monate zuvor hatte Andoni Goikoetxea, der „Schlächter von Bilbao“, dem Dribbel-König brutal das Bein gebrochen. Beim Wiedersehen im Pokalfinale kommt es auf dem Feld zu einer wüsten Schlägerei. „Ich teilte nach allen Seiten Tritte aus. Zum Glück kamen mir die anderen Jungs zur Hilfe, sonst hätten sie mich fertig gemacht“, sagte Maradona. Barca unterlag - und Maradona zog weiter zum SSC Neapel.

Argentinien - England 2:1 (22. Juni 1986, WM-Viertelfinale)

Wenn es noch einen Beweis für Maradonas Einzigartigkeit gebraucht hätte, dann erbrachte er diese bei der WM 1986 in Mexiko. Ein Spiel der Argentinier gegen England war eines für die Ewigkeit. Erst die „Hand Gottes“, dann das vielleicht unglaublichste Solo der Fußball-Geschichte. „Ich hatte das Gefühl, den Engländern die Brieftasche zu klauen, und das direkt nach dem Falklandkrieg“, sagt Maradona. Alleine für die Beschreibung des 2:0 benötigt Maradona in seiner Biografie über eine Seite. Sein ebenso nüchternes wie wahres Fazit: „Ich hatte das Tor meines Lebens geschossen.“

Argentinien - Deutschland 3:2 (29. Juni 1986, WM-Finale)

Maradona am Ziel seiner Träume! Zwar erlebt er im Finale gegen Deutschland einen wenig spektakulären Abend, weil Lothar Matthäus ihn aus dem Spiel nahm, mit einem genialen Pass aber leitete er das entscheidende 3:2 ein. „Toni, halt den Ball“, ruft Kommentator Rolf Kramer, nachdem Jorge Burruchaga frei vor Torwart Schumacher aufgetaucht war - vergeblich. Maradona: „Das war der Höhepunkt, der glanzvollste Moment meiner Karriere. Dieses Datum, dieser Ort sind mir in die Haut eingebrannt.“

Udinese Calcio - SSC Neapel 0:3 (1. Februar 1987, Serie A)

Erst der lang ersehnte WM-Titel, dann der Scudetto ausgerechnet mit Napoli. „Lavatevi! Wascht euch!“, rufen die Fans aus dem reichen Norditalien den Neapolitanern regelmäßig entgegen. Maradona antwortet auf seine Weise: In Udine trifft er doppelt, erst per Elfmeter, dann mit links aus spitzem Winkel. Drei Monate später ist Neapel sensationell Meister. Ein besonderer Titel für Maradona und die ganze Stadt, in der er mehr als Legenden-Status erlangte. „Für Neapel den ersten Scudetto in 60 Jahren zu holen, war für mich ein unvergleichlicher Sieg. Anders als jeder andere Erfolg, sogar der WM-Titel 1986.“

VfB Stuttgart - SSC Neapel 3:3 (17. Mai 1989, UEFA-Pokal-Finale, Rückspiel)

Weltmeister und italienischer Meister war er schon. „Ich lechzte nach einem internationalen Titel“, sagt Maradona über seine Zeit in Italien. 1989 geht der Traum gegen den VfB Stuttgart in Erfüllung. Schon beim 2:1 in Neapel wird der Argentinier zum Helden, schießt ein Tor und legt kurz vor Schluss den Siegtreffer auf. Zwei Wochen später führt er Napoli in Stuttgart zum Titel: Er liefert sowohl beim 1:1 durch Ciro Ferrara als auch dem 2:1 von Careca die Vorarbeit.

Argentinien - Italien 4:3 i. E. (3. Juli 1990, WM-Halbfinale)

Nachdem er die WM im eigenen Land 1978 verpasste, darf Maradona 1990 in dem Land aufdribbeln, dass ihn fast ähnlich verehrte. Die Konstellation ist kurios: Maradona spielt im WM-Halbfinale gegen Italien, und das in „seinem“ Neapel. Die sonst im eigenen Land verspotteten Neapolitaner sind gespalten. „Diego in unserem Herzen, Italien in unseren Gesängen“, steht auf einem Spruchband. Am Ende gewinnen die Gäste denkbar knapp, Maradonas Treffer im Elfmeterschießen wird auch von einigen Italienern bejubelt. Doch auch diese Geschichte hat kein Happy End: Fünf Tage später weint Diego nach dem 0:1 gegen Deutschland bittere Tränen. Ein gewisser Guido Buchwald nimmt den Ausnahmekönner damals im Rom 90 Minuten aus dem Spiel und bekommt anschließend den Spitznamen „Diego“.

Argentinien - Nigeria 2:1 (25. Juni 1994, WM-Vorrunde)

Eigentlich sollte es im Alter von 33 Jahren seine letzte große WM werden. Doch Maradonas Karriere im Nationaltrikot endete ebenso plötzlich wie skandalös. 2:1 hatte Argentinien gerade in den USA gegen Nigeria gewonnen, als eine Krankenschwester den noch feiernden Superstar an die Hand nahm und zur Dopingprobe brachte. Das Ergebnis: Ephedrin im Blut, 15 Monate Sperre. „Die kleine Dicke hat mich zur Exekution geführt“, schrieb Argentiniens Fußball-Legende später. (smk/sid)

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