Dortmund meisterlich: Verfolger schwenken die weiße Fahne

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Borussia Dortmund hat sich am 18. Spieltag meisterlich gezeigt. Verfolger wie Bayern München (ganz rechts: Arjen Robben) haben die weiße Fahne geschwenkt.

Köln - War es das? Das war es. Die Verfolger des weit enteilten Tabellenführers Borussia Dortmund hissen die weiße Flagge.

Sie wollten die Meute sein, die Borussia Dortmund in die Krise hetzt, doch nun lecken die abgehängten Verfolger des Herbstmeisters kleinlaut ihre Wunden. Kapitulation statt Aufholjagd - die Bundesligisten schwenken die weiße Flagge. Spitzenreiter Dortmund erreichen schon die ersten Gratulationen zum Titelgewinn, nachdem Bayern München, Bayer Leverkusen und der FSV Mainz 05 im Kollektiv den Rückrundenstart verpatzt haben.

„Dortmund ist sehr weit weg. Das muss man akzeptieren und respektieren. Die haben einfach gute Leistungen gezeigt, da kann man nur gratulieren“, sagte Bayern-Superstar Arjen Robben angesichts von 16 Punkten Rückstand. Das 1:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg war ein Albtraum, aber eine positive Nachricht gab es am Sonntag dennoch: Bei Franck Ribery war das Schlimmste befürchtet worden, der anfällige Franzose erlitt bei einem bösen Foul von Josue aber nur eine Zerrung und muss lediglich fünf Tage pausieren.

Dennoch: „Über Dortmund müssen wir nicht reden“, sagte Torschütze Thomas Müller. Der Nationalspieler hat die Schale ebenfalls abgeschrieben, es geht nur noch um das Ticket für die Champions League. „Wir haben jetzt noch drei Punkte Rückstand auf Platz zwei, daran müssen wir arbeiten.“

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

2011/2012: Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke): 29 Tore © AP
2010/2011: Mario Gomez (FC Bayern), 28 Tore. © ap
2009/2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg), 22 Tore © Getty
2008/2009: Grafite (VfL Wolfsburg), 28 Tore © Getty
2007/2008 (FC Bayern München), 24 Tore © Getty
2006/2007: Theofanis Gekas (VfL Bochum), 20 Tore © Getty
2005/2006: Miroslav Klose (Werder Bremen), 25 Tore © Getty
2004/2005: Marek Mintal (1. FC Nürnberg), 24 Tore © Getty
2003/2004: Ailton (Werder Bremen), 28 Tore © Getty
2002/2003: Giovane Elber (FC Bayern München), 21 Tore © Getty
2002/2003: Thomas Christiansen (VfL Bochum), 21 Tore © Getty
2001/2002: Martin Max (TSV 1860 München), 18 Tore © Getty
2001/2002: Marcio Amoroso (Borussia Dortmund), 18 Tore © Getty
2000/2001: Ebbe Sand (FC Schalke 04), 22 Tore © Getty
2000/2001: Sergej Barbarez (Hamburger SV), 22 Tore © Getty
1999/2000: Martin Max (TSV 1860 München), 19 Tore © Getty
1998/99: Michael Preetz (Hertha BSC), 23 Tore © Getty
1997/98: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1996/97: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1995/96: Fredi Bobic (VfB Stuttgart), 17 Tore © Getty
1994/95: Heiko Herrlich (Borussia Mönchengladbach), 20 Tore
1994/95: Mario Basler (Werder Bremen), 20 Tore © Getty
1993/94: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty
1993/94: Stefan Kuntz (1. FC Kaiserslautern), 18 Tore © dpa
1992/93: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 20 Tore © dpa
1992/93: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 20 Tore © dpa
1991/92: Fritz Walter (VfB Stuttgart, links), 22 Tore © Getty
1990/91: Roland Wohlfahrt (FC Bayern München), 17 Tore © Getty
1989/90: Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty

Ähnliche Töne kamen aus Leverkusen, das beim Dortmunder Meisterstück am Freitagabend mit 3:1 (0:0) gedemütigt worden war. „Wenn man bedenkt, dass wir im letzten Jahr Herbstmeister waren und jetzt nur zwei, drei Punkte schlechter sind, dann muss man den Hut vor Dortmund ziehen. So viel schlechter haben wir im Vergleich zum Vorjahr nicht gespielt“, sagte Sportdirektor Rudi Völler. Der BVB ist so stark, dass die anderen nur noch verblüfft zuschauen. „Nach so einer Vorrunde, so einem Spiel“, sagte Völler, „gibt es nicht viel zu diskutieren.“

Während Leverkusen, Bayern und Mainz zum Auftakt schwächelten, schwang sich Hannover 96 zum ersten Verfolger auf. Mit dem 3:0 (2: 0) bei Eintracht Frankfurt schoben sich die Niedersachsen in der Tabelle an Leverkusen und Mainz vorbei, zum ersten Mal in der Bundeslga-Geschichte steht 96 an einem Rückrunden-Spieltag auf dem zweiten Platz.

Bei den Bayern gab Trainer Louis van Gaal die Meisterschaft nicht ganz verloren. Seine Bemerkung, er habe den Titeltraum nie gehabt, klang zwar nach Resignation, doch der Niederländer sagte auch: „Alles ist möglich. Wir können noch 48 Punkte holen.“ Mark van Bommel gab sich kämpferisch: „Wir dürfen den Glauben nicht verlieren. Es sind noch 16 Spiele zu spielen. Und was hat man nicht schon alles im Fußball gesehen.“

Allerdings ist inzwischen mehr als ein kleines Wunder nötig, denn auch der FSV Mainz 05 stolperte ins neue Fußball-Jahr: 0:1 (0: 0) beim VfB Stuttgart, 13 Punkte Rückstand. Trainer Thomas Tuchel überraschte mit seiner Einordnung. „Wir haben 33 Punkte gegen den Abstieg“, sagte er. Allerdings sei sein Team „bereit für eine erfolgreiche Rückrunde. Ich habe auch nie das Wort Champions League in den Mund genommen. Das erste Ziel eines Klubs wie Mainz muss es sein, nicht abzusteigen und sich in der Bundesliga zu etablieren.“

Mehr scheint zwar immer noch möglich - aber nicht mehr der Titel. Doch selbstverständlich nimmt Borussia Dortmund die Glückwünsche nicht an. Trainer Jürgen Klopp ließ sich das M-Wort (natürlich) wieder nicht entlocken. „Wir wären schön bescheuert, wenn wir uns jetzt mit was anderem beschäftigen als mit dem nächsten Spiel. Dafür ist die Bundesliga viel zu gefährlich, viel zu eng“, sagte Klopp. Doch langsam wirkt es albern.

Denn selbst, was Bayer-Trainer Jupp Heynckes sagte, ist immer noch eine Untertreibung. „Dortmund hat Substanz, Klasse, fußballerisches Vermögen und Fantasie. Es ist außergewöhnlich, was diese Mannschaft geleistet hat. Sie hat alle Möglichkeiten, auch nach 34 Spielen oben zu stehen.“

Von Thomas Nowag

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