Starke EM-Leistungen

Durch den Tsunami: Belgiens riesiger Rückhalt Courtois

Thibaut Courtois
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Starker und ziemlich großer Rückhalt im belgischen Tor: Thibaut Courtois.

Von American-Football-Megastar Tom Brady gabs ein signiertes Trikot mit der Widmung „Thibaut, der beste Torhüter der Welt“. Trifft das auf den Belgier Courtois wirklich zu?

Tubize - Irgendwann wurde beim Torwart-„Phänomen“ Thibaut Courtois das Außergewöhnliche zum Gewöhnlichen. So empfand es der belgische Nationalkeeper zumindest selbst, als er vor der EM über seine komplizierte Zeit bei Real Madrid sprach.

„Ich habe heute das Gefühl, dass alles was ich tue, normal geworden ist“, klagte der Zwei-Meter-Riese in einem Interview der „Het Laatste Nieuws“. Manche Leistungen hätten scheinbar gar nicht „mehr existiert“.

In Belgien wird Thibaut Courtois aber sehr wohl wahrgenommen. Seine Auftritte sowieso. „Thibaut ist der beste Torwart, mit dem ich zusammengespielt habe, ein Phänomen“, meinte Belgiens Verteidiger und Rekordnationalspieler Jan Vertonghen nach dem 1:0 im Achtelfinale gegen den entthronten Titelverteidiger Portugal, als aber Eden Hazard und Kevin de Bruyne verletzt vom Platz mussten.

Courtois gehört in eine Fünf-Sterne-Kategorie mit Deutschlands Manuel Neuer, David de Gea aus Spanien oder auch Italiens Gianluigi Donnarumma, der im Viertelfinale am Freitag (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) in München zeigen will, wie gut er selber ist.

Lange Zeit nicht wertgeschätzt

Courtois fühlte sich in Madrid lange Zeit nicht wertgeschätzt. „Es scheint so, dass es nicht mehr den Aufwand lohnt, beim größten Club der Welt weiter auf hohem Niveau zu spielen“, meinte der Hüne aus Bree in der Provinz Limburg, der wenig von glatter PR-Sprache im Fußball hält. „Ich habe dort einen Tsunami überlebt.“

Courtois ging im Sommer 2011 vom KRC Genk zu Atletico Madrid. Drei „fantastische Jahre“ erlebte er nach eigener Erinnerung dort. Dann wechselte er zum FC Chelsea, wo er Legende Petr Cech verdrängte und insgesamt vier Jahre spielte. Nach der WM in Russland 2018, wo er als bester Torwart ausgezeichnet wurde, ging es wieder nach Madrid, diesmal aber zum Atletico-Lokalrivalen Real.

Eigentlich war Madrid ein sehr willkommener Tapetenwechsel für Courtois, um seine bei der in Spanien lebenden Mutter öfter sehen zu können. „Sie leben nur zwei Straßen von mir weg. Wenn ich vorbeigehen will, kann ich das einfach machen“, erzählte er einmal.

Bei Real letztlich durchgesetzt

Ein königlicher Club verlangt aber königliche Leistungen. Immer. Diese lieferte Courtois aber nicht konstant und musste sich auch im Wettstreit mit dem bei den Fans beliebten Keylor Navas, der mittlerweile bei Paris Saint-Germain spielt, behaupten.

Courtois hat sich aber durchgesetzt. Wie so oft. „Ich habe vor allem im Spiel mit dem Ball weitere Fortschritte bei Real Madrid gemacht“, befand er. „Ich habe sogar den Eindruck, dass ich besser bin als bei der WM 2018.“ Courtois hat wohl nicht nur Fortschritte mit dem Fuß, sondern auch mit dem Kopf gemacht. „Für mich ist er mental sehr stark“, meinte Belgiens Ersatztorwart Matz Sels von Racing Straßburg. „Er blendet Kritik aus, das ist seine Stärke.“

Es ist aber nicht zuletzt auch die Konstanz von Courtois, auch wenn er bei Real seine Durchhänger hatte. „Er ist jemand, der immer Leistung bringt, er ist immer gut“, meinte Sels. „Er gibt der Hintermannschaft Selbstvertrauen.“

Widmung von Brady

Anerkennung von außen tut Courtois natürlich auch gut. Vor rund drei Monaten bekam er von Quarterback-Megastar Tom Brady ein American-Football-Trikot mit der Widmung „Thibaut, der beste Torhüter der Welt“ geschenkt. Als Ehre bezeichnete Courtois das Präsent.

Gibts im Gegenzug vielleicht ein Europameister-Shirt an Brady? Man habe die Qualität „um durchzuziehen“ bei der EM, sagte Courtois. „Wenn wir den besten Eden (Hazard), den besten Kevin (de Bruyne) und den besten Romelu (Lukaku) haben, dann kämpfen wir um den Sieg.“ Und natürlich den besten Thibaut, nicht zu vergessen. dpa

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