"Einen Termin am Tag muss sich ein Profi merken"

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Markus Babbel greift durch

Cottbus - Den Weg von Hertha BSC zurück in die Fußball-Bundesliga scheint niemand aufhalten zu können. Trainer Babbel aber fährt weiter einen harten Kurs, bestrafte einen Spieler für eine Undiszipliniertheit.

Hertha BSC marschiert scheinbar unaufhaltsam zurück Richtung 1. Liga. Doch auch nach dem fünften Sieg im sechsten Saisonspiel der 2. Fußball-Bundesliga denkt Berlins Trainer Markus Babbel keine Sekunde daran, das Betriebsklima ein Stück zu lockern. Im Gegenteil: “Bei mir bekommt niemand etwas geschenkt“, betonte der einstige Nationalspieler und Europameister nach dem 1:0-Sieg im brisanten Ost-Derby bei Energie Cottbus, bei dem der 17-jährige Nico Schulz erstmals in der Startelf stand. Schulz durfte für Nikita Rukavytsya ran, den Babbel kurzerhand aus dem Kader gestrichen hatte.

Der in der Ukraine geborene Rukavytsya, der mit seinen Eltern im Alter von 14 Jahren nach Australien übergesiedelt war, hatte vor dem Cottbus-Duell das Abschlusstraining um eine Dreiviertelstunde verpasst. Babbel reagierte knallhart: “Ich verlange von einem Profi nicht viel, aber einen Termin am Tag muss er sich merken.“ Die Verbannung des 23-Jährigen aus dem Kader soll auch ein Zeichen für alle sein. Denn schon nach der sechsten Runde kristallisiert sich heraus, dass der für die 2. Liga topbesetzte Absteiger auf dem Weg zurück in die Erstklassigkeit am ehesten an sich selbst scheitern könnte. Deshalb bekämpft Babbel jeden Ansatz von Schlendrian.

“Es ist einzigartig, dass sich Hertha solche Möglichkeiten gibt“, erklärte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem 13. Berlin- Brandenburg-Derby, das erstmals in Liga zwei ausgetragen worden war. Lange zeigten die Cottbuser Spieler zu viel Respekt vor dem Potenzial des Tabellenführers, vergaben zudem vor allem durch Emil Jula und Sergiu Radu auch ihre klarsten Chancen. “Wir hatten genug Möglichkeiten auszugleichen“, meinte Chefcoach Wollitz, schloss nach der ersten Saison-Niederlage aber sofort kämpferisch an: “Es ist keine Schande, gegen Hertha zu verlieren. Wir kommen zurück.“

Der Unterschied beim vor 21 350 Zuschauern insgesamt friedlich ablaufenden Derby hatte einen Namen: Rob Friend. Der 29-jährige kanadische Nationalstürmer stand in der entscheidenden Szene genau da, wo ein Torjäger stehen muss und markierte mit seinem vierten Saisontor den 1:0-Endstand (59.). “Das ist mein Job“, kommentierte der teuerste Zweitliga-Einkauf der Saison. Für die Berliner war es der zweite “Dreier“ bei Angstgegner Energie nacheinander, in der Erstliga-Saison 2008/09 hatte Hertha 3:1 gewonnen.

Während Babbel beim angestrebten Weg zum sofortigen Wiederaufstieg nicht nur auf Friend und langjährige Erstliga-Kicker wie Raffael, Adrian Ramos, Christian Lell, Peter Niemeyer oder Lewan Kobiaschwili, sondern auch auf einen breiten Kader zurückgreifen kann, sieht sich Kollege Wollitz mit Personallücken konfrontiert. Der Chinese Jiayi Shao, vielleicht der Mittelfeldmann mit dem größten Offensivpotenzial bei Energie, hat sich erneut schwer am Knie verletzt. Eine Untersuchung in der Praxis von Nationalmannschafts-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München soll Anfang der kommenden Woche klären, ob Shao wirklich einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitten hat.

“Wenn Shao lange ausfällt, brauchen wir noch ein Stück Alternative“, sagte Energie-Trainer Wollitz. Zumal sich auch Kapitän Marc-André Kruska am Knie verletzt hat. Zumindest in seinem Fall gaben die Cottbuser Mediziner schon einmal leichte Entwarnung. Die Innenbanddehnung soll konservativ behandelt werden.

dpa

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