OB findet klare Worte zu Regenbogen-Ansage

Reiter nach Arena-Urteil erbost: UEFA „beschämend“ und Gegenvorschlag „lächerlich“ - auch vom DFB „enttäuscht“

Regenbogenfarben oder nicht? Die UEFA hat die bunte Allianz Arena für das DFB-Spiel gegen Ungarn offiziell abgelehnt. Münchens OB Reiter bringt das auf die Palme.

Update vom 22. Juni, 14.37 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich umgehend zum Beleuchtungs-Verbot der UEFA geäußert. „Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns verbietet, ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität zu setzen“, sagte Reiter und ergänzte: „Ich bin auch enttäuscht vom DFB, der trotz der überragenden Zustimmung aus der ganzen Republik sich nicht der in Lage sehen wollte, das Ergebnis zu beeinflussen.“

Den Gegenvorschlag der UEFA, das Stadion an einem anderen Tag mit Regenbogenfarben zu beleuchten, schmetterte er als „lächerlich“ ab. Trotzdem will er sich dem Verbot fügen. Die Arena aus Protest jetzt erst recht zu beleuchten würde ihm „als altem Revoluzzer zwar gefallen, aber die Arena hat einen Mietvertrag mit der UEFA. Und man will sich nicht rechtswidrig verhalten“, meinte er.

Allianz Arena wird nicht in Regenbogenfarben erstrahlen - Entscheidung offiziell

Update vom 22. Juni, 10.57 Uhr: Nun ist es offiziell: Die Allianz Arena leuchtet am Mittwoch beim Deutschland-Spiel gegen Ungarn nicht bunt. Der europäische Fußball-Verband hat den Antrag der Stadt München abgelehnt. „Die UEFA ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt - muss die UEFA diesen Antrag ablehnen“, hieß es in einem Statement.

Eine Möglichkeit für die Regenbogenfarben gibt es aber noch: Die UEFA bietet der Stadt München an, die Arena stattdessen am 28. Juni, dem Christopher Street Day (CSD), oder zwischen dem 3. und 9. Juli in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Zu dieser Zeit findet die CSD-Woche in München statt. Aber: An keinem dieser Termine kommt es zu einem EM-Spiel in München.

Allianz Arena gegen Ungarn in Regenbogenfarben? Entscheidung offenbar gefallen

Erstmeldung vom 21. Juni, 22.20 Uhr: München - Es sollte ein Zeichen gegen Homophobie und für Diversität sein - und es sollte eine klare Ansage gegen die homo- und transphobe Politik der Ungarn sein. Selbst Leon Goretzka sprach sich auf der DFB-PK am Montag für den Plan der Stadt München aus.

Diese hatte vor, die Allianz Arena am Mittwoch beim letzten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Daher appellierte die Stadtratsfraktion sogar an OB Dieter Reiter, dass die Arena am Mittwochabend in den bekannten Farben erleuchten sollte.

Erst vor wenigen Tagen hat das ungarische Parlament ein neues Gesetz erlassen, das unter anderem verbietet, in Schulen über Homosexualität aufzuklären. Generell gab es aus Ungarn Kritik an der Regenbogenfarbenidee aus München. Der DFB hielt sich daher diplomatisch mit einem klaren Bekenntnis zurück. „Vielleicht muss man die Beleuchtung nicht unbedingt am Spieltag Mittwoch festmachen“, sagte DFB-Pressesprecher Jens Grittner gegenüber der Bild.

EM 2021: Allianz Arena gegen Ungarn in Regenbogenfarben? Entscheidung offenbar gefallen

Wie diese nun berichtet, wird aus der Aktion sowieso nichts. Die UEFA hat dem Plan nun angeblich einen Riegel vorgeschoben. Ein offizielles Statement gab es bislang allerdings noch nicht.

Die Regenbogenfarben sind ein weltweit bekannte Symbolik LGBTI-Bewegung. Sollte die Arena am Mittwoch nicht bunt erstrahlen, solle sie laut Bild am Christopher Street Day (28. Juli) in den Regebogen-Farben leuchten.

Video: DFB - Keine Strafe für Neuers Regenbogenbinde

Zuletzt gab es auch Ärger um die Kapitänsbinde von DFB-Keeper Manuel Neuer. Dieser trug nämlich die Farben der LGBTI-Bewegung, weshalb die UEFA Untersuchungen einleitete. Im abschließenden Gruppenspiel, in dem Thomas Müller vermutlich ausfallen wird, dürfte Neuer die Binde aber wieder tragen, weil der Verband überraschend schnell die formalen Sanktionsprüfungen gegen die DFB-Auswahl einstellte.

Rot, orange, gelb, grün, blau, lila. Sechs in ihrer Kombination symbolträchtige Farben am Arm von Neuer stürzen die UEFA bei der Fußball-EM in eine kleines sozialpolitisches Dilemma. Wie viel freie Meinungsäußerung kann der Fußball ertragen? Am Arm offensichtlich relativ viel. In den Farben eines Stadions eher keine... (smk/dpa)

Rubriklistenbild: © kolbert-press/Sven Simon/IMAGO

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