Der schwerste Gang als Bundestrainer

ARD-Übertragung zum DFB-Aus in der TV-Kritik: Löw litt und man bekam schon fast Mitleid

Die ARD durfte Joachim Löw nach dem EM-Aus aus dem Turnier und vom Amt des Bundestrainers verabschieden. Das wurde ganz schön beknackt. Unsere TV-Kritik zu Wellmer und Co..

München - Aus, aus, aus, das Spiel isch aus! Die ARD trug am Dienstagabend die Ära Löw zu Grabe. Und ihren guten Ruf als seriöser Sportsender schob sie teilweise gleich mit in die Grube. Bei Deutschlands größtem Trauerredner-Contest irrlichterte das Erste zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen der besten Almuth der Welt und dem beknacktesten Bundestrainer-Interview aller Zeiten (auch von denen, die noch kommen). Wir verraten, wer bei der großen Deutschen Fußball-Beerdigung (DFB) die meiste Trauer-Power hatte.

TV-Kritik zur ARD-Übertragung: Bei Wellmer-Fragen bekam man fast schon Mitleid mit Löw

Jessy Wellmer: „Was hier passiert im Stadion, das durchbebt einen“, verkündete die oft überkandidelt wirkende Reporterin vor ihrem Abschiedsplausch mit dem Bundestrainer. Danach durchbebte das bizarre Gespräch den armen Joachim. Er hatte geahnt, was ihm droht, und technische Probleme mit den Ohrstöpseln vorgeschützt: „Ich versteh erschtmal nix.“ Das machte dem robusten Humor der Wellmerin aber nix aus: „Die Ohren müssen noch in die Ohren!“

Als die Ohren in den Ohren steckten, stellte Lady Jessy schwurbelige Fragen wie: „Wie greifen Sie dieses Gefühl grade für sich?“ Und sie erkundigte sich allen Ernstes: „Wie sacht man? Ende gut, alles gut? Oder Ende gut, nich alles gut?“ Was an einem 0:2 gegen England womöglich gut sein könnte, blieb ungeklärt. Löw litt sichtlich, man bekam fast schon Mitleid mit ihm. Später erkundigte sie sich schmeichelstimmig: „Bereuen Sie was?“ Da hätte der Jogi sagen müssen, jetzt war’s ja auch schon wurscht: „Ja, ich bereue, dass ich zu diesem Interview gekommen bin.“

Beknacktes Interview nach dem EM-Aus: Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger (r.) widmen sich ihrem Opfer Joachim Löw.

TV-Kritik zur ARD-Übertragung: Schweinsteigers Lobeshymne schafft es nur als Director‘s Cut

Bastian Schweinsteiger: Der Wortverstopfte vermied auf dem Londoner Zentralfriedhof nach Kräften, kritische Fragen zu stellen. Stattdessen wurde er plötzlich redselig und hielt Ansprachen im Fidel-Castro-XXL-Parteitags-Format. Unser Director’s Cut vom Löw-Loben: „Bedanken blubb Erfolge blubb einzigartig respektieren Leistung geleistet blubb blubb sensationell Chapeau blubb blubb blubb.“ Puh, überstanden.

Axel Balkausky, der als ARD-Sportkoordinator dran schuld ist, verteidigte Fidel Schweini und die fidele Jessy am Tag danach erwartungsgemäß trotzdem: „Gelungen, blubb blubb, respektvoll, nicht unkritisch.“ Angeblich war es in Wembley so laut, dass man die Brillanz der Jessy-Fragen schlecht erkennen konnte. Die übliche Selbstbelügung der ARD-Beamten halt. Deshalb dürfen Jessyschweini wahrscheinlich auch künftig komisch fragen, armer Hansi Flick.

TV-Kritik zur ARD-Übertragung: Schult und Co. als fabelhafte DFB-Bestatter

Die anderen Grabredner: Jetzt haben wir uns so weitschweifig XXL-aufgeregt, dass kaum noch Platz bleibt für die fabelhaften anderen DFB-Bestatter. Denn die herausragende Almuth Schult sowie Prinz Boateng und Stefan Kuntz erklärten gottlob, wie es wirklich war. Nachdem Schweini Manuel Neuer als „besten Torwart des Turniers“ verherrlicht hatte, rückte Almuth mit der Wahrheit raus: „Er war solide, aber er hat nicht sein bestes Turnier gespielt.“

Der Prinz war nach der Niederlage gegen das Land seiner Tante, der Queen, bedient: „Was in der Verteidigung passiert ist, war einfach schlecht.“ Auch der DFB-Bundeskuntz sprach wohltuend Klartext: „Es hat nicht so ausgesehen, als wäre eine verschworene Gemeinschaft auf dem Platz.“ Klasse auch das Fazit von Kommentator Florian Naß, der tröstende Worte fand, als wäre er der Fußball-Steinmeier: „Es ist kein Grund zum Weinen. Es ist total ärgerlich, das ist ja klar. Aber es ist Sport, ganz einfach.“

Rubriklistenbild: © Stefan Matzke / sampics

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