DFB-Rückkehr?

Jogi schaut genau hin: Nächste Top-Leistung - diesmal bleibt der Bundestrainer bis zum Schluss

Bundestrainer Jogi Löw beobachtet DFB-Kandidaten im Stadion.
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Bundestrainer Jogi Löw beobachtet DFB-Kandidaten im Stadion.

Christian Günter vom SC Freiburg trifft gegen den FC Bayern vor den Augen von Jogi Löw zum Ausgleich. Springt der SC-Kapitän auf den EM-Zug?

Update vom 15. Mai, 18.45 Uhr: Christian Günter vom SC Freiburg bringt seit Jahren konstant Top-Leistungen beim SC Freiburg. Trotzdem kommt der Linksverteidiger nur auf einen Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft. Das könnte sich nunab bald ändern. Am Mittwoch nominiert Joachim Löw seine 26 Mann für die Fußball-Europameisterschaft. Und der Bundestrainer hat die Qualität von Günter am Wochenende live gesehen.

Der FC Bayern war am Samstag im Schwarzwald-Stadion zu Gast und führt mit 2:1, als Freiburgs Günter in der 81. plötzlich den Turbo zündete. Der SC-Kapitän nahm noch in der eigenen Hälfte Fahrt auf und spielte einen Doppelpass mit Vincenzo Grifo. Im Strafraum angekommen nagelte Günter den Ball unhaltbar ins linke Eck.

 „Ich habe gesehen, dass Bouna Sarr rauskommt und wusste, dass ich durch zwei schnelle Kontakte an ihm vorbei komme“, schildert der Linksverteidiger vom Sport-Club die Szene vor seinem Treffer: „Den Schuss ins lange Eck habe ich gegen Schalke schon trainiert.“ Bei Günters letztem Treffer, beim 4:0 gegen Schalke Mitte April hatte er sogar einen Doppelpack erzielt, da hat Löw aber bereits frühzeitig das Stadion verlassen. Diesmal blieb er bis zum Schluss und es hat sich gelohnt.

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Erstmeldung vom 20. April: Freiburg - Jogi Löw ist seit Jahren auf der Suche nach einem adäquaten Linksverteidiger. Die Position ist vakant und bereitet dem Bundestrainer Kopfzerbrechen. Dabei liegt die Lösung ganz nah. Quasi direkt vor der Haustür in Freiburg spielt sich ein gebürtiger Schwarzwälder in den Vordergrund und liefert Argumente für eine EM-Nominierung.

EM 2021: Günter schnürt Doppelpack - doch Löw sieht es nicht

Die Rede ist von Christian Günter. Dem Linksverteidiger des SC Freiburg gelang am vergangenen Wochenende beim 4:0 gegen Schalke sein erster Doppelpack in der Bundesliga. Auch Löw war am Samstag zu Gast im Schwarzwald-Stadion, doch der Bundestrainer hat sich zur Halbzeit bereits wieder verabschiedet und verpasste die beiden sehenswerten Treffer. Da Löw das Stadion nach den ersten 45 Minuten verlassen hatte, sah er nicht mehr live, wie Günter zwei frühere Schalker DFB-Auswahlkräfte alt aussehen ließ. Vor dem ersten Tor nahm er dem noch im September 2020 gegen Spanien aktiven Suat Serdar den Ball ab, später kam 2014er Weltmeister Shkodran Mustafi zu spät.

Günter wurde sogar eine besondere Ehre zu Teil: Er wurde für seine Leistung vom kicker zum Spieler des Tages gekürt. Der 28-Jährige überzeugte wie gewohnt mit Zweikampfpräsenz und seinem unermüdlichen Einsatz. Als einziger Feldspieler der Freiburger hat der Kapitän noch keine Minute dieser Saison verpasst, zu seinen ersten beiden Toren liefert er zwei Vorlagen. In der vergangenen Spielzeit verpasste Günter keine Partie und überragte mit zehn Assists. Nur mit dem Toreschießen wollte es bislang nicht so recht klappen. „Ich trainiere Woche für Woche hart, dass ich da besser und gefährlicher werde. Es freut mich, dass ich es im Spiel umsetzen konnte“, sagte Günter nach dem Spiel.

EM 2021: Freiburgs Günter träumt vom DFB-Comeback

Kein Wunder, dass nach solchen Leistungen die Rufe nach der Nationalmannschaft lauter werden. „Ich kann nur meine Leistung bringen, und wenn er dann das Gefühl hat, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann, dann wird er mich einladen. Wenn nicht, ist das auch kein Problem“, sagte Günter, „er macht seit Jahren sehr gute Arbeit, da brauche ich ihm nicht reinreden.“ Sein Vereinstrainer wollte sich in die Diskussion ebenfalls nicht einmischen. „Es gibt genügend Experten, die dem Jogi Sachen empfehlen, es wäre der Gipfel, wenn noch der nächste dazu kommen würde“, so Streich. Typische Bescheidenheit wie man sie aus Freiburg kennt.

Dabei kann sich Günter berechtigte Hoffnungen auf eine DFB-Rückkehr machen. Comeback? Richtig, Günter kam bereits vor sieben Jahren einmal zu Länderspielehren, als er in einem Testspiel gegen Polen kurz vor der WM 2014 eingewechselt wurde. Löw sucht noch immer nach seiner Idealbesetzung auf der Position des Linksverteidigers. Zuletzt probierte er regelmäßig verschiedene Spieler aus, ohne gewünschten Erfolg. Zuletzt durfte sogar der Dortmunder Emre Can, der sich im Zentrum deutlich wohler fühlt, links in der Viererkette ran. Robin Gosens von Atalanta Bergamo dürfte sein EM-Ticket sicher haben, präsentierte sich aber in der Rückwärtsbewegung zu anfällig.

EM 2021: Sogar Hansi Flick schwärmt von Günter

Günter beackert in Freiburg seit Jahren die linke Seite, hat mittlerweile über 200 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Der Linksverteidiger ist robust, zweikampfstark und schnell. In Freiburg ist er der laufstärkste Spieler und verzeichnet die meisten Sprints in der Saison. Zudem schaltet er sich mit seiner Entschlossenheit regelmäßig nach vorne ein und agiert aufmerksam in der Rückwärtsbewegung.

All diese Eigenschaften veranlassten Löws ehemaligen Assistenten und heutigen Bayern-Trainer Hansi Flick bereits im Januar nach einem hart erkämpften 2:1-Sieg seines Teams gegen den Sport-Club zu einer Lobrede. „Wenn ich Christian Günter sehe, der die linke Außenbahn rauf- und runtermarschiert, defensiv Zweikämpfe gewinnt und sich immer wieder vorne einschaltet, die Flanke oder den letzten Pass spielt - das ist schon toll“, schwärmte Flick. Jetzt muss eigentlich nur noch Löw die Qualitäten von Günter erkennen und zum Hörer greifen. Der Bundestrainer stellte zuletzt sogar einem Kreisliga-Kicker eine nicht ganz ernst gemeinte EM-Nominierung in Aussicht. (ck)

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