Bundestrainer könnte umbauen

Überraschung bei der EM 2021? Trainingsspiel lässt Löw-Manöver erahnen

In wenigen Tagen beginnt die EM 2021. Wie ist Deutschland drauf? Möglicherweise baut Bundestrainer Löw gegen Frankreich seine Aufstellung um.

Seefeld - Zum Abschluss der Pressekonferenz am Sonntag zeigt der DFB noch einen kurzen Film mit Highlights aus dem Trainingslager in Seefeld in Tirol. Es waren intensive Tage, in denen der Grundstein für eine erfolgreiche Europameisterschaft gelegt werden sollte. Was aber vor allem vom Vorbereitungs-Camp hängen blieb: die öffentliche Debatte um die Fünfer-Abwehrkette mit drei Innenverteidigern.

Nationalmannschaft vor der EM: Löw fordert von allen vollen Einsatz

„Wenn jemand denkt, dass die Dreierkette die eher defensivere Variante ist, dann täuscht er sich. Denn das wird nicht der Fall sein“, erklärte Jogi Löw (61) vor der Abreise aus Österreich mit Nachdruck. „Bei der Viererkette braucht man auf jeden Fall vier Verteidiger. Bei der Dreierkette hat man drei. Von den äußeren Spielern erwarte ich, dass sie im Mittelfeld präsent sind.“

Nur: Hat der Bundestrainer für seine aktuell bevorzugte Spielweise auch das passende Spielermaterial? Klar ist: Die Dänen versetzte die Löw-Taktik beim 1:1 im Test am Mittwoch nicht in Angst und Schrecken. Vor allem Lukas Klostermann (25) agierte als Außenverteidiger nach vorne zu mutlos. Im letzten EM-Test am heutigen Montag vor 1000 Fans in Düsseldorf gegen Lettland (20.45 Uhr, RTL live) könnte auch Jonas Hofmann (28) eine Option dort sein. Klar ist aber auch: Mit einer Viererkette hätte die Nationalmannschaft Platz für einen spielstarken Akteur mehr im Mittelfeld. Und gerade in der Offensive hat Deutschland eine Fülle an absoluten Ausnahmekönnern.

Nationalmannschaft vor der EM: Der Bundestrainer fordert „ganz anderes Tempo“

„Defensivarbeit, Zweikampfverhalten, Anlaufen, Räume schließen. Das muss in einem ganz anderen Tempo passieren als gegen Dänemark. Jeder muss dazu in der Lage sein, auch die Mittelfeldspieler. Egal, ob sie Kroos, Gündogan, Kimmich, Havertz, Goretzka oder Can heißen“, machte Löw deutlich. „Fußballerische Qualität und Mentalität müssen stimmen.“

Die passten im schwachen Test gegen Dänemark aber vor allem in der zweiten Halbzeit nicht mehr. „Da hatten wir ein anderes Tempo und zu viele Ballverluste“, so Löw. „Das darf nicht mehr vorkommen. Das habe ich der Mannschaft auch ganz klar gesagt.“

EM 2021: Der Ton Löws gegenüber seinen Stars wird schärfer

Der Ton des Bundestrainers gegenüber seinen Stars wird schärfer. Unabhängig von Dreier- oder Viererkette will er bedingungslosen Einsatz seiner Spieler sehen. „Das Wichtige ist, dass die Räume gut besetzt sind. Das gilt offensiv wie defensiv“, machte Löw deutlich. „Wir müssen intensiv und aggressiv verschieben und anlaufen. Da darf sich kein Spieler herausnehmen. Das Maß aller Dinge ist die Defensivarbeit. Wer das nicht leisten kann, kann im ein oder anderen Spiel überhaupt nicht auf dem Platz sein.“

Im Trainingslager in Seefeld legten Löw und sein Team vor allem Wert auf die Defensivarbeit und Standards. „Das war das Einmaleins“, so der Bundestrainer. In Herzogenaurach soll es nach zwei freien Tagen ab Donnerstag „ins Detail“ gehen. Dann startet auch die Vorbereitung auf den ersten Gruppengegner bei der Europameisterschaft: Am 15. Juni wartet in München Weltmeister und EM-Favorit Frankreich.

EM 2021: Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger gegen Frankreich?

„Ein Gegner, der in der Offensive wahnsinnig variabel spielt. Frankreich ist so wahnsinnig schwer auszumachen“, warnt Löw. „Wir müssen gucken, dass wir sie vom eigenen Tor weghalten können. Die Frage ist: Wie können wir Griezmann, Mbappe, Dembele, Benzema in den Griff bekommen?“

Eventuell mit Joshua Kimmich (26) als rechtem Verteidiger. Diese Variante probierte Löw beim Trainingsspiel vor der Abreise aus Seefeld.

Rubriklistenbild: © AFP/Stache

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare