Schlimme EM-Folgen?

DFB im Wembley: Die Angst spielt mit - Gosens erinnert sich an „Todesurteil für viele Menschen“

Frankreich - Deutschland (EM): Robin Gosens ist nach dem Gegntreffer enttäuscht.
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Robin Gosens betrachtet die Reise ins Coronavirus-Risikogebiet England mit Sorge.

Die deutsche Nationalmannschaft reist zum EM-Viertelfinale nach England. Robin Gosens liefert vorab ein bemerkenswertes Statement: Die Corona-Problematik ist prekär.

Herzogenaurach - Am Sonntag waren beim Training auf dem Adidas-Campus mehr als die üblichen Beobachter der Medien, zugelassen für ein gutes Viertelstündchen, zugegen. Zuschauen durften auch Herzogenauracher Lokalpolitiker. Sie kamen auf Fahrrädern an, die Tore öffneten sich aber erst nach Rückversicherung der Security: „Alle getestet?“ – „Ja.“

DFB tut alles gegen Corona-Gefahr: EM-Reisen machen es aber schwer

Die Vorsichtsmaßnahmen des DFB, der seine Spieler und die wichtigsten Betreuer in eine Bubble im „Homeground“ gepackt hat, sind außerordentlich. Trainingsbeobachter müssen tagesaktuell negativ auf Corona getestet sein, FFP2-Masken und Abstandstracker tragen, Pressekonferenzen finden virtuell statt, nur das Fernsehen darf leibhaftig an die Spieler ran.

EM-Achtelfinale in England: DFB-Star Gosens findet es „grenzwertig“ - er erinnert sich an „Spiel null“

Dennoch ist Infektionsgefahr nicht ausgeschlossen: Denn auf Reisen ist es schwer, Fremdkontakte zu vermeiden. Zumal auf dieser: London. Gewohnt wird im Marriott Regents Park, einem Klotz mit 311 Zimmern. Robin Gosens verspürt ein gewisses Unbehagen – vor allem angesichts der großzügigen Zulassung von Zuschauern im Wembley-Stadion: „Ich finde es grenzwertig, im einzigen Land in Europa, in dem die Inzidenzzahlen nach oben gehen, vor über 40.000 spielen zu müssen. Wir werden zwar abgeschottet, aber es ist alles andere als optimal.“ Das Thema Infektionsgefahr in London sei „eines, mit dem die Mannschaft sich auseinandersetzt“. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien betrug am Montag 151,1.

Gosens ist extrem sensibilisiert für den Covid-Komplex, er hat in Bergamo als erster deutscher Fußballer mitbekommen, was das Virus anrichten kann. Er nahm teil am Match Atalantas gegen Valencia im Februar 2020, das im Nachhinein als „Spiel null“ ausgemacht wurde und wohl „das Todesurteil für viele Menschen war“.

Deutsche EM-Teilnehmer hatten bereits Corona: Havertz klagt über Nachwirkungen - Gündogan kämpft

Neun der 26 deutschen EM-Spieler hatten eine Corona-Infektion: Ilkay Gündogan, Kai Havertz, Niklas Süle, Emre Can, Jonas Hofmann, Leon Goretzka, Thomas Müller, Serge Gnabry, zuletzt Toni Kroos. Der Nationalmannschaft am nächsten war Corona im März 2021, als Jonas Hofmann positiv getestet wurde und auch Marcel Halstenberg in Quarantäne musste, weil er mit ihm beim Backgammon gesessen war. Die meisten Spieler steckten die Krankheit gut weg, zwei erwischte es schwerer: Ilkay Gündogan ist seitdem Aktivist gegen Corona-Verharmlosung, Kai Havertz erinnert sich: „Die Nachwirkungen waren heftig.“

Eigentlich war jeder Spieler (indirekt) betroffen – und sei es durch Positivfälle von Kollegen. Einige erkannten auch ihre Verantwortung als Gutverdiener und legten Hilfsprogramme auf: Joshua Kimmich und Leon Goretzka ihr „We Kick Corona“, Florian Neuhaus spendete 250.000 Euro für seine Heimatgemeinde Kaufering, Lukas Klostermann 100.000 für „Coronahelden“ in Gevelsberg, Antonio Rüdiger Pizzen für Pflegepersonal in zehn Kliniken. Corona soll Vergangenheit sein. Kein Delta-Mitbringsel aus London nach Herzogenaurach.

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