Mit Selbstvertrauen nach München

Das neue „Mia san Mia“: Angst vor Frankreich? Zwei DFB-Stars sind besonders selbstbewusst

Die DFB-Elf gilt nicht als Favorit - doch die Analyse zeigt, dass Löws Team gegenüber Frankreich gut dasteht. Und mit diesem Gefühl soll es in München auflaufen.

Marcus Sorg versichert: Niemand ist beleidigt, wenn er gerade die Turnierprognosen liest, die Expertenbewertungen hört, die Außenseiter-Wettquoten fürs deutsche Auftaktspiel bei der EM gegen Frankreich (Dienstag, 21 Uhr) vernimmt. Joachim ­Löws Assistent sagt: „Es ist nachvollziehbar, dass in der Öffentlichkeit Frankreich als Favorit gesehen wird.“

Fußball-EM: Die deutsche Mannschaft soll sich nicht minderwertig vorkommen

Darum benötigt das erste EM-Spiel in der Vorbereitung mehr als nur das Hinarbeiten auf Fitness – am Sonntag gab es vielversprechend spritzige Trainingsläufe mit Bremsschlitten – und die Vermittlung taktischer Inhalte. In den Gesprächen in der deutschen Trainer-WG geht es vor allem um Psychologie. Sorg: „Was tut uns gut? Wo liegen unsere Stärken? Wie bringen wir sie auf den Platz?“ Und, das ist Löw und seinen engsten Mitarbeitern wichtig: Die Mannschaft soll sich nicht minderwertig vorkommen gegenüber dem mit Talent gesegneten Weltmeister von 2018. „Wir sind auch eine Mannschaft von hoher Qualität“, sagt Marcus Sorg. Oder wie es die Bayern in den Reihen des vierfachen Weltmeisters sagen würden: Operation mia san mia!

Folgendes hat man also herausgearbeitet: Die Franzosen haben auf keinen Fall den besseren Torwart. „Manuel Neuer ist mit Abstand der Beste auf der Welt“, gibt Timo Werner ein klares Votum für seinen Teamkapitän ab. Der Einblick eines Stürmers: „Wenn man im Training schießt und der Ball nicht genau in den Winkel geht, ist die Möglichkeit sehr groß, dass Manu ihn hält.“ Werner hat mit Leipzig „zwar einige Tore gegen Bayern geschossen – aber da war Manu nicht drin“. Der Punkt geht also an die DFB-Elf.

Glauben an die eigene Stärke: die DFB-Kicker.

Die Sechser-Auswahl der deutschen Elf ist beeindruckend. Frankreich kann N’Golo Kanté aufbieten, der seit Chelseas Champions-League-Gewinn weltweit vergöttert wird, „doch wir“, so Timo Werner, „haben viele Spieler, die auf dieser Position in die Mannschaft drücken“. So groß sei die Auswahl, dass Chelsea-Legionär Werner findet, dass es „nicht verkehrt wäre“, wenn sein Freund Joshua Kimmich „auf rechts spielen würde. Da bringt er annähernd das gleiche Niveau.“

DFB-Team bei der EM: „Müssen den Franzosen unser Spiel diktieren“

Frankreichs vorderste Linie liest sich großartig: Benzema, Griezmann, Mbappé, drei Generationen, drei unterschiedliche Typen. Aber: „Wir haben in der Offensive ein brutales Überangebot. Fünf Champions-League-Sieger für drei Positionen“, so Timo Werner. Seine Rechnung ist nur etwas geschönt: Zwar haben Kai Havertz und er 2021 die Königsklasse gewonnen und Thomas Müller und Serge Gnabry waren beim Triumph des FC Bayern 2020 dabei, Leroy Sané aber offiziell noch nicht. Trotzdem: Vier Champions-League-Sieger und der hochbegabte Sané sind auch ein breites Angebot.

Besagte vier Gewinner vorne, dazu Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka – ergibt acht Leute, die in den vergangenen zwölf Monaten das Gefühl erlebten, an Europas Spitze zu stehen. Toni Kroos hielt den Henkelpott sogar schon viermal hoch. Es steckt also viel Reputation im Kader.

Und Entschlossenheit: „Auf dem Papier sieht Frankreich stärker aus, aber es ist nur Papier“, sagt Abwehrmann Antonio Rüdiger und kündigt mit all seiner „Krieger“-Credibility, die er sich erworben hat, an: „Wir müssen den Franzosen unser Spiel diktieren – und wir können das. Es darf nicht immer lieb, lieb, lieb zugehen und unser Spiel muss nicht immer schön, schön, schön sein.“

So klingt Selbstvertrauen. Und gespielt wird schließlich in München, Heimat des Mia san mia.

Rubriklistenbild: © Efrem Lukatsky/dpa

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