tz-Interview

Volland bringt Goretzka zu Fall: Jetzt erklärt er den Gänsehaut-Moment

Torjubel Leon GORETZKA (GER) nach Tor zum 2-2 mit Kevin VOLLAND (GER,li).
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Riss Leon Goretzka beim Jubel gegen Ungarn um: Kevin Volland

Kevin Volland erlebt die EM voller Adrenalin: Im tz-Interview spricht der Ex-Löwe über Goretzkas Jubel gegen Ungarn und das Achtelfinale gegen England.

München - Kevin Volland musste 28 Jahre warten, ehe er bei einem großen Turnier im Aufgebot der Nationalmannschaft steht. Im tz-Interview verrät der Stürmer, wie Deutschland die Engländer im EM-Achtelfinale (18.00 Uhr/ARD und Magenta) knacken kann. 

Herr Volland, jeder schwärmt vom überragenden Teamgeist. Kann es auch hinderlich sein, wenn zu viel Harmonie innerhalb einer Mannschaft herrscht? 
Volland: Nein, da laufen wir keine Gefahr. Wir können nämlich gut switchen – und das ist das Wichtige: Wenn Training ist und es in die Spielformen geht oder in ein paar Tagen ein Spiel ansteht, dann legen alle die richtige, seriöse Einstellung an den Tag. Dann ist ordentlich Zug dahinter! Und neben dem Platz muss es ja auch mal locker zugehen, man muss sich bei der Länge eines Turniers ablenken können. Wir sind jetzt vier Wochen zusammen, das ist schon eine lange Zeit. Es ist wie so häufig: Die Mischung macht’s. 
Welche Komponenten braucht Deutschland, um im Achtelfinale gegen England zu bestehen? 
Volland: Es muss auf jeden Fall so eine Leistung wie gegen Portugal her! Wir brauchen eine gewisse Kompaktheit, sodass die Engländer ihre schnellen Spieler nicht einsetzen können. Auch wenn das Ungarn-Spiel etwas zäh war und wir mit einem blauen Auge davongekommen sind, haben wir im Turnier schon bewiesen, dass wir die nötige Qualität haben. Wenn wir diese Qualität und die nötige Leidenschaft ins Spiel bringen, haben wir gute Chancen auf das Viertelfinale. 
Wie haben Sie das dramatische 2:2 gegen Ungarn erlebt?
Volland: Wir saßen alle nach dem Spiel in der Kabine und konnten unsere Gefühle gar nicht richtig einschätzen. Was war das jetzt?! Das Adrenalin war noch vorhanden, aber auch die Erleichterung, es noch gepackt zu haben. Auf der Bank war es ein Wechselbad der Gefühle, eine irre Achterbahnfahrt: Du freust dich beim 1:1, alle liegen sich in den Armen und schreien ihre Erleichterung raus. Eine Minute später fällt das 2:1 für Ungarn und du bist wie gelähmt.
Dann wurden Sie und Jamal Musiala eingewechselt und kurze Zeit später fällt das 2:2. 
Volland: Boah, da mussten wir unsere Emotionen alle erst einmal raushauen. So war es bei mir zumindest (grinst). 
Frag nach bei Leon Goretzka
Volland: Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass einer mit 80 Kilogramm auf seinen Rücken springt (lacht). Leon ist vorgelaufen, ich komme mit Schwung und hüpf auf ihn drauf. Es ist unmöglich zu beschreiben, was in so einer Situation in deinem Kopf vorgeht. Das sind einfach überwältigende Momentaufnahmen. 
Wir würden Sie gegen England gerne wieder so jubeln sehen!
Volland: Die Motivation ist auf jeden Fall voll da, das kann ich Ihnen versprechen! Alle sind heiß und die letzten Tage haben wir wieder sehr gut trainiert. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, auch für Wembley. Es werden zwar nicht viele deutsche Zuschauer kommen können, was sehr schade ist, aber das wollen wir jetzt zu unserem Vorteil nutzen. 
Inwiefern?
Volland: Wir wollen es den Engländern beweisen, dass wir sie auch ohne große Fan-Unterstützung im Stadion schlagen können. Wir wollen es ihnen in ihrem Wembley-Stadion zeigen! Das motiviert uns umso mehr. Und: Es kann ja auch ein Motivationsschub sein, wenn man permanent von den anwesenden Fans ausgepfiffen wird. 
Wo kann die Reise hingehen, wenn man England ausschaltet?
Volland: Unser Ziel war es, die Gruppenphase zu überstehen und jetzt müssen wir gegen England bestehen. Das wird schwer genug. Die Engländer haben eine sehr starke Mannschaft. Um das Achtelfinale zu gewinnen, müssen wir unsere Qualität ohne Abstriche auf den Platz bringen. Aber klar ist: Bei diesem Turnier ist alles möglich – das darf man als deutsche Nationalmannschaft auch so kommunizieren, wenn man sich unsere Turnier-Historie seit dem Jahr 2006 anschaut – die WM 2018 mal ausgeklammert. Darum wollen wir uns bei dieser EM auch durchsetzen – und das geht gegen England los.

Das Interview führten Marie-Sophie Wuttge und Manuel Bonke.

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