„Licht und Schatten“

Löws Rätsel-Taktik gegen Dänemark: Neues Personal – alte Probleme

In der Bilanz des Auftritts der DFB-Elf gegen Dänemark drängt sich vor allem die Frage auf: Wie soll aus der Chaos-Kette in der Defensive ein Abwehr Bollwerk werden?

Seefeld - Joachim Löw nutzte den Tag nach dem 1:1 gegen Dänemark, um den Kopf frei zu bekommen. Der Bundestrainer schwang sich noch während des Regenerationstrainings seiner Spieler auf sein Ducati-E-Bike und radelte los. Erst machte er einen kurzen Abstecher ins Seefelder Ortszentrum, wo ihn viele ungläubige Blicke der Passanten trafen: „War das der Jogi?“

EM-Test Deutschland gegen Dänemark - Löw stieg nach dem 1:1 aufs Rad

Ja, war er – und zwar ganz ohne Bodyguard. Darum wählte Löw eine weniger stark frequentierte Route den Gschwandtkopf hinauf und auf der anderen Seite an der Sport Alm vorbei wieder hinunter in Richtung Mannschaftshotel in Mösern.

Dänische Umklammerung: Auch Kevin Volland tat sich schwer, sich entscheidend durchzusetzen.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Löw während seiner Radtour auch intensiv Gedanken über den Auftritt seiner Mannschaft in Innsbruck gemacht hat – und vor allem darüber, wie er seine Dreierkette dicht bekommt. Die erinnerte gegen Dänemark trotz Rückkehrer Mats Hummels erneut an eine Chaos-Kette. Beim 1:1-Ausgleichtreffer von Dänen-Angreifer Yussuf Poulsen stimmte die Abstimmung erneut hinten und vorne nicht.

Bilanz nach EM-Test gegen Dänemark: „Es war Licht und Schatten“

Niklas Süle setzte zu spät zur Grätsche an, Mats Hummels Stellungsspiel ließ in dieser Situation ebenfalls zu wünschen übrig. „Es war Licht und Schatten, einige Ansätze waren gut. Wir haben lange Zeit gut verteidigt, das war besser. Mitte der zweiten Halbzeit haben wir die Ordnung verloren“, analysierte Löw. Bleib trotzdem die Frage: Weshalb hält der Bundestrainer an dieser Formation fest und opfert für einen weiteren Verteidiger im System einen der heiß begehrten – und qualitativ top besetzten Plätze im Mittelfeld? Was soll das, Jogi? „Ich möchte in der letzten Reihe mehr Kompaktheit und Präsenz, da waren wir zuletzt anfällig. Wir spielen gegen Frankreich und Portugal, das sind Top-Mannschaften. Die Außenverteidiger sollen nach vorne anschieben“, erklärte Löw bereits vor der Partie.

Heißt im Klartext: Die Zeiten, in denen die deutsche Nationalmannschaft bei Turnieren ihre Gegner mit offensiven Power-Fußball besiegen wollte, sind vorbei.

In Innsbruck geht Jogi auf Nummer Sicher

Jogi geht lieber auf Nummer sicher. In Innsbruck sollten Matthias Ginter, Niklas Süle und Mats Hummels als Innenverteidiger und Lukas Klostermann und Robin Gosens auf Außen für Stabilität sorgen. Somit blieben im Mittelfeld-Zentrum nur zwei Plätze für Joshua Kimmich und der Torschütze zur 1:0-Führung Florian Neuhaus übrig. Beim Turnier mischen auch noch Spieler wie Ilkay Gündogan, Toni Kroos oder Leon Goretzka um diese Positionen mit.

Und die Theorie der kompakten Defensive funktioniert in der Praxis noch lange nicht, wie das Tor der Dänen in der 71. Minute, das sich angedeutet hatte, zeigte. „Wir hatten zuvor schon ein paar Ballverluste, dann hat der Gegner Raum und Möglichkeiten.“

Niklas Süle hätte schneller den Passweg schließen können, indem er das Zentrum schließt. Mats Hummels ist in der schlechteren Position und kann den Pass nicht verhindern“, meinte Löw nach der Partien. Doch die Defensive ist nicht das einzige Problem: Löws Offensive zündet ebenfalls noch nicht. Zwar hatten die DFB-Angreifer einige Chancen, doch in etwas Zählbares konnten sie diese nicht ummünzen.

„Wir haben uns gute Chancen herausgespielt, zweimal Aluminium, machen uns das Leben ohne den zweiten Treffer aber schwer.“ Daran hat auch Löws stures Festhalten an der Dreierkette seinen Anteil.

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