Sie wollten die Elf aufmuntern

Zwischenfall am DFB-Camp! Bier-Bus beschallt Nationalspieler - bis die Polizei anrückt

Die Stimmung beim DFB in Herzogenaurach ist trotz der Auftaktpleite gut, nur ein Fan-Bus störte zwischenzeitlich die Ruhe-Oase.
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Die Stimmung beim DFB in Herzogenaurach ist laut Matthias ­Ginter trotz der Auftaktpleite gut, nur ein Fan-Bus störte zwischenzeitlich die Ruhe-Oase.

Ein Bus voller Fans wollte die DFB-Spieler nach der Niederlage gegen Frankreich aufbauen. Dabei übertrieben es die Anhänger allerdings. Die Polizei musste anrücken.

Herzogenaurach - Plötzlich Musik. Tiefe Bässe aus einer professionellen Anlage. Stimmungslieder, Schlager, Botschaften, dass nun eine „geile Zeit“ kommen werde. Rund um den Adidas-Campus in Herzogenaurach fuhr ein Bus mit Biberacher Kennzeichen und der professionell lackierten Aufschrift „German EM Bus 2021“. Auf dem Dach des Gefährts mit Aussicht eine Gruppe von Schland-Jüngern in DFB-Trikots und Lederhosen, die Füße einheitlich in Kuhfell-Clogs. In markantem Oberschwäbisch wurden Kegelbrüder-Sprüche zum Besten gegeben. Am Mittwoch war das motorisierte Mega-Bierbike am Nationalmannschafts-Quartier aufgetaucht, auch am Donnerstag fuhr es seine Route ab, bis die Polizei mahnte: Jetzt mal Ruhe, Musik aus!

EM 2021: Stimmung nach Auftaktniederlage trotzdem gut

Die Biberach-Crew hatte es gut gemeint mit ihrer Aufmunterung – sie war aber gar nicht nötig. Denn bestürzt war die Mannschaft von ihrer Niederlage gegen Frankreich nicht.

Kein Vergleich zu Russland vor drei Jahren, als nach dem 0:1 gegen Mexiko im Quartier in Watutinki die Krise ausgerufen wurde und es vor der Abreise zum zweiten Gruppenspiel zu einer Krisensitzung der Spieler ohne Trainerteam kam, die so lange dauerte, dass sich die Pressekonferenz mit Kapitän Manuel Neuer um eineinhalb Stunden verschob. Er sprach dann auch selbstanklagenden Klartext wie nie zuvor und danach.

Diesmal in Herzogenaurach: „Die Stimmung am Abend nach dem Spiel und am nächsten Morgen war bitter“, berichtet Matthias Ginter, „doch spätestens am Mittag, Nachmittag hatten wir ein Jetzt-erst-recht-Gefühl, das uns sagt, dass wir uns auf Portugal konzentrieren müssen.“ Der Ansatz des Mönchengladbachers: Man habe sich „positive Energie“ erarbeitet, „wir wollen sie aufrechterhalten“.

EM 2021: Stimmung im Training ist sogar heiter

Emre Can, eingewechselt gegen Frankreich, von Freund Ilkay Gündogan gelobt („Er hat unsere Struktur verbessert“), vom ARD-Experten Bastian Schweinsteiger für die Startaufstellung gefordert (Can: „Wenn einer wie er das sagt, macht mich das stolz“), erläutert die Situation: „Klar hast du Druck, wenn du von drei Spielen das erste verlierst.“ Das sei für Profis nichts Außergewöhnliches, sondern Alltag, „wir kennen es aus den Vereinen“. Die Spieler bräuchten auch keine fulminanten Ansprachen, „sie reden untereinander“. Am Donnerstag verspürte Can verbesserte Stimmung. Es sei ganz einfach, sich zu motivieren: „Jeder hat geträumt, bei der Europameisterschaft dabei zu sein, jetzt sind wir hier, im eigenen Land.“ Seine Einstellung: „Spaß kommt vor dem Druck.“

Video: Roomtour mit Manuel Neuer

Zwei Tage nach der Niederlage gegen Frankreich ging es auf dem Trainingsplatz sogar heiter zu. Bei Übungen mit rhythmischem Klatschen und einem internen Wettbewerb mit Siebener-Teams, bei dem Slalom gedribbelt und der Ball abschließend nach mehrmaligem Hochhalten in einer Tonne versenkt werden musste. Auch Eigentorschütze Mats Hummels lachte. „Wir haben eine geile Mannschaft und Qualität“, befand Emre Can, „und wir glauben immer noch an uns und dass wir am Samstag gegen Portugal gewinnen können.“

Der Biberacher EM-Bus wird die Mannschaft nicht mehr so schnell beschallen. Er fährt weiter nach Berlin. Ein Blick ins Fahrzeuginnere verrät: Die Biervorräte reichen über die Vorrunde hinaus.

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