EM 2021

ARD-Aktion lässt Fans zürnen: Jetzt reagiert der Sender - „Weltweit vorgegeben“

EM-Halbfinale: In einem Moment voller Emotionen schaltete die ARD in die Werbung. Was bei Fans für Kritik sorgte, ist anders nicht möglich, wie die ARD auf Anfrage erklärt.

London - Italien steht im Finale der Fußball-Europameisterschaft. Nach einem packenden Halbfinalduell gegen Spanien hat der vierfache Weltmeister am Sonntag (11. Juli) die Chance auf den zweiten EM-Titel. Es war ein harter Weg, das Endspiel zu erreichen. Über 120 Minuten war die Squadra Azzurra den technisch starken und ballsicheren Iberern eigentlich unterlegen (30:70 % Ballbesitz, 7:16 Schüsse). Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen.

EM 2021: Italien besiegt Spanien in dramatischen Elfer-Krimi - ARD schaltet während Jubel weg

Nachdem Manuel Locatelli als erster Schütze Italiens an Spanien-Keeper Unai Simon gescheitert war, patzte auch Leipzigs Dani Olmo (drüber). Weil die nächsten drei Italiener sicher verwandelten und Alvaro Morata verschoss, hatte Jorginho als fünfter Schütze die große Chance auf die Entscheidung. Der Mittelfeldspieler verwandelte gewohnt sicher und schoss seine Mannschaft somit ins Finale. Grenzenloser Jubel in blau – von dem die Fernsehzuschauer der ARD anfangs aber nur wenig mitbekamen.

Nach Jorginhos Treffer stürmte die gesamte italienische Bank in Richtung der mitgereisten Fans. ARD-Kommentator Tom Bartels analysierte „Italien steht im Finale“ und ließ daraufhin die Emotionen für sich sprechen. Oder wollte sie eigentlich für sich sprechen lassen. Denn kurz nachdem sich eine italienische Jubeltraube gebildet hatte, schaltete die ARD plötzlich weg. Statt Emotionen sah man Werbung von Alipay und Qatar Airways. Manch ein Fan reagierte deshalb stocksauer. „Zwangsgebühren und Werbung in den besten Momenten! Wenn man Euch kündigen könnte, hättet Ihr nicht einen einzigen Kunden mehr“ oder „Erstmal Werbung zeigen nach dem Siegtor. Ist das euer Ernst? Peinlich!“, hieß es auf Twitter. Wir haben bei der ARD angefragt. Dem öffentlich-rechtlichen Sender sind die Hände gebunden.

Jubel über Jorginhos verwandelten Elfer: Leonardo Bonucci, Andrea Belotti, Domenico Berardi, Matteo Pessina und Rafael Toloi (v.l.).

EM 2021: ARD stellt klar - „das ist den übertragenden Sendern von der Uefa weltweit vorgegeben“

Auf tz.de-Anfrage teilt die ARD mit, dass sie vertraglich dazu verpflichtet ist, den Einspieler zu zeigen. „Bei den genannten Einspielern in einer Länge von 15 Sekunden handelt es sich nicht um Werbung, sondern um Programmsponsoring der Uefa, das den übertragenden Sendern von der Uefa weltweit vorgegeben ist.“ Der Zeitpunkt der Ausstrahlung werde laut einer ARD-Sprecherin unmittelbar nach Anstoß gewählt, „um in der Folge das Geschehen auf dem Platz ununterbrochen zeigen zu können.“

Die ARD war in der Vergangenheit immer wieder mit Kritik an den EM-Sponsoren aufgefallen. Die Sportschau sowie allen voran das Rechercheformat Sport Inside zeigten kritische Beiträge über die „Profiteure der Euro“ – die Sponsoren. Im Zentrum der Beiträge stand dabei oft der Wüstenstaat Katar, wo Gastarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen Stadien für die WM 2022 bauen müssen. Qatar Airways ist die nationale Fluggesellschaft Katars und übrigens großzügiger Geldgeber für den FC Bayern München. Auf die Frage, wie die ARD die bei der EM gezeigten Werbepartner angesichts ihrer Kritik bewertet, heißt es: „Dabei handelt es sich um Partner der Uefa, auf die die ARD keinen Einfluss hat.“ (as)

Rubriklistenbild: © Carl Recine / AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare