ARD-Experte spricht über Nicht-Nominierung seines Bruders

Boateng malt Szenario: „... dann kann die EM für Deutschland schneller vorbei sein, als man gucken kann“

Kevin-Prince Boateng wird die deutsche Nationalmannschaft als ARD-Experte durch die EM begleiten.
+
Kevin-Prince Boateng wird die deutsche Nationalmannschaft als ARD-Experte durch die EM begleiten.

Kevin Prince-Boateng hat noch nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten. Der neue ARD-Experte ist mit einer bestimmten Nicht-Nominierung nicht einverstanden.

München - Kevin-Prince Boateng und die deutsche Nationalmannschaft - nicht erst seit Boatengs Foul an Michael Ballack vor der WM 2010 eine besondere Beziehung. Bei der kommenden Europameisterschaft* wird Boateng die Nationalelf* diesmal erstmals als ARD*-Experte kommentieren.

Zurückhaltung war noch nie die Stärke des „Prinzen“, so auch diesmal: „ Die ARD hat mich ja nicht umsonst geholt. Sie wissen, dass ich immer Klartext spreche, ob ich richtig liege oder nicht. Klartext wird von mir immer kommen“, so Boateng zu Bild.

Die aktuelle Diskussion um Dreier- oder Viererkette ist nicht seine, stellt er klar: „Es wird mir zu viel geredet. Der Trainer stellt dich auf eine Position, und dann heißt es: Mund zu und Vollgas geben. Am Ende ist es sowieso immer der Trainer, der Schuld hat. Denn wenn intern gemeckert wird, wirkt sich das in den Spielen aus – und dann kann die EM für Deutschland schneller vorbei sein, als man gucken kann.“

Kevin-Prince Boateng kritisiert Nicht-Nomnierung von Bruder Jerome: „Für mich der beste“

Favorit auf den Titel ist für ihn Frankreich („das Nonplusultra“). Er sehe Deutschland aber auch immer als Turnierfavoriten, doch erkennt in der Situation mit dem scheidenden Trainer Joachim Löw* eine Belastung: „Ein Problem ist sicher das ganze Hin und Her mit Löw. Es gibt zwei Optionen: Die Mannschaft kann daraus Stärke gezogen haben – oder verunsichert sein. Ich hab das auch erlebt mit Frankfurt, als sicher war, dass Niko Kovac weggeht. Das war ein echtes Erdbeben bei uns in der Kabine. Es ist nicht immer einfach, so was zu verkraften.“ Das Ergebnis konnte sich damals sehen lassen: Boateng und Kovac gewannen das DFB-Pokal-Finale gegen die Bayern.

Kevin-Prince Boateng kritisierte die Entscheidung, seinen Bruder Jerome Boateng* nicht zu nominieren: „Er wird sich dabei etwas gedacht haben, aber es ist natürlich sehr überraschend, da Jérôme der konstanteste Innenverteidiger der ganzen Saison war – und für mich auch der beste. Vielleicht vertraut Löw den anderen mehr.“ Doch spekulieren will er nicht: „Wir können nicht in den Kopf von Jogi Löw schauen. Und ganz ehrlich: Die Alternativen sind ja nun auch nicht so schlecht.“

Lustloser Leroy Sané? Boateng: „Da hilft es mehr, sich mit ihm hinzusetzen, statt draufzuhauen“

Er warb für Verständnis für Leroy Sané, dem zuletzt Lustlosigkeit vorgeworfen wurde: „Ich kenne Leroy und weiß, wie er ist. Man muss wissen, wie man mit den Jungs umgeht. Es gibt welche, da musst du draufhauen. Andere musst du streicheln. Und es gibt wieder andere, für die musst du eine Vaterfigur sein. Wenn es bei Leroy so aussieht, als wäre er lustlos, dann ist vielleicht irgendwas nicht in Ordnung.“ Boatengs Vorschlag: „Da hilft es mehr, sich mit ihm hinzusetzen und zu fragen, was das Problem ist, anstatt draufzuhauen. Denn er ist wirklich ein Spieler, der ein Spiel alleine entscheiden kann.

Hoffnung hat er auch beim zuletzt kritisierten Timo Werner. Dessen Spielzeit bei Chelsea war für Boateng „eine positive Saison mit den üblichen Ups und Downs. Dadurch wird er größer und stärker und lernt daraus. Bei der EM werden wir einen anderen Timo Werner sehen, einen hungrigen. Einen mit mehr Arroganz, weil er gerade Champions-League-Sieger geworden ist. Das trägt dich. Er wird zeigen, wer er wirklich ist.“ (cg) -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare