Bayern-Profi vor besonderer Rolle bei EM

83 Millionen Bundestrainer streiten: Kimmich hinten rechts oder zentral?

Joshua Kimmich ist in der Startelf der DFB-Auswahl gesetzt. Offen ist nur, wo ihn Bundestrainer Joachim Löw genau positioniert. Ein Europameister von 1996 hätte da einen Tipp parat.

München - Wer Joshua Kimmich (26) als Spieler des FC Bayern kennt, weiß um seine Einstellung zum Thema Rechtsverteidiger: Kimmich hat kein Problem damit, seinen Platz im zentralen Mittelfeld zu räumen und die rechte Seite zu beackern - wenn er damit seiner Mannschaft hilft, erfolgreich zu sein. Der Münchner äußert an seine Trainer dann nur einen Wunsch: Sie sollen ihn doch bitte rechtzeitig darüber in Kenntnis setzen, auf welcher Position sie mit ihm planen, damit er sich ausreichend mit seiner Aufgabe auseinandersetzen kann.

Kimmich schaut sich vor Spielen gerne Szenen seiner unmittelbaren Gegenspieler an und geht seine Laufwege im Kopf durch. Darum dürfte er nur bedingt glücklich gewesen sein, als ihm Löw am Sonntagabend eröffnete, dass er am Montag gegen Lettland (7:1) mit ihm als rechter Außenbahn-Läufer im 3-4-3-System plant.

Kimmich im DFB-Team: Sonderlob von Löw nach Spiel gegen Lettland

„Bei Joshua weiß man, dass er - ob im Mittelfeld oder rechts oder sogar in der Dreierkette - einfach keine Anlaufzeit braucht. Das macht seine Klasse aus. Heute war es einfach mal ein Test“, berichtete Löw über seine Planspiele mit Kimmich. Über rechts, betonte der Bundestrainer, „haben wir viele gute Angriffe inszeniert. Jo hat es auf der Seite sehr gut gemacht.“

Dass Kimmich als Rechtsverteidiger eine absolute Königslösung sein kann, hat er unter anderem im Sommer 2020 beim Champions-League-Final-Turnier in Lissabon eindrucksvoll bewiesen. Damals fiel Benjamin Pavard verletzt aus und Kimmich sprang ein - und wie! Unter anderem sorgte er mit einer herrlich getimten Flanke auf Finaltorschütze Kingsley Coman dafür, dass die Bayern die Königsklasse gewannen. Daraufhin wurde der Nationalspieler von der UEFA zum besten Abwehrspieler des Jahres gewählt.

Kimmich im DFB-Team: Bayern-Star könnte hinten rechts wertvoller sein

Als Rechtsverteidiger im DFB-Dress könnte Kimmich gleich einige Probleme des Bundestrainers bei dieser EM lösen. Der Leipziger Lukas Klostermann (25) bringt auf dieser Position nur bedingt den benötigten Offensivdrang mit - im Gegensatz zu Kimmich, der diesen Part äußerst offensiv interpretiert. Gleichzeitig würde ein Platz im qualitativ hochwertig besetzten Mittelfeld-Zentrum frei werden - dort ist die Auswahl an Qualitätsspielern wie Toni Kroos, Ilkay Gündogan, oder dem noch angeschlagenen Leon Goretzka ohnehin am größten.

An ihm führt im DFB-Team kein Weg vorbei: Joshua Kimmich könnte bei der EM auf verschiedenen Positionen gefragt sein.

Diese Variante wäre auch ganz nach dem Geschmack von 1996er-Europameister und Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic. „Wir haben über die rechte Seite aus meiner Sicht ein bisschen ein Problem. Kimmich kann das überragend spielen“, sagte Bobic bei der Vorstellung des EM-Studios von Magenta TV. Aber was genau ist am Rechtsverteidiger Kimmich so überragend? Bobic: „Er schießt gut, ist fleißig, kann die Linie rauf und runter laufen. Er ist physisch sehr stark und dazu ist er auf dieser Position unglaublich torgefährlich. Er assistiert sehr gut, schlägt tolle Flanken, sieht immer den besser Postierten. Er ist ein Winner-Typ!“

Bobic ist überzeugt, dass der Bayern-Star seine Stärken vor allem in der Dreierkette entfalten kann: „Dort kann er die komplette Seite bearbeiten. Das schafft er ohne Probleme. Da find ich ihn richtig stark. Kimmich sehe ich ganz klar auf rechts. Und ich hoffe, dass es auch genau so kommt.“ Gut möglich, dass Kimmich im Turnierverlauf zwischen Mittelfeld und rechter Außenbahn pendeln muss - je nachdem, wo er gebraucht wird. (bok, pk)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare