Britischer Humor?

EM-Finale: Deutschland doch im Endspiel? Britische Zeitung sorgt mit Peinlich-Patzer für Verwunderung

Die deutsche Auswahl hat bei der EM 2021 nur eine Nebenrolle gespielt. Und sich mit den Leistungen auch nicht mehr verdient. In einer englischen Zeitung steht die Elf von Joachim Löw aber sogar im Endspiel.

München - Ohne das DFB-Team macht die EM nicht einmal halb so viel Spaß. Zugegeben, nach den zurückliegenden Wochen ist das eine äußerst mutige These. Zu groß war der Unterschied zwischen den Top-Teams und dem Aufgebot von Joachim Löw - in Sachen Leidenschaft, Kampfgeist und auch Spielwitz. Doch zumindest in England scheint mancher ein Endspiel ohne deutsche Beteiligung kaum ertragen zu können.

Die angesehene Times jedenfalls veröffentlichte in einigen ihrer Samstagsausgaben als Vorschau auf das Finale zwischen Italien und England im Wembley-Stadion (So., ab 21 Uhr bei uns im Live-Ticker) die voraussichtlichen Aufstellungen der „Three Lions“ - so weit, so richtig - und der DFB-Elf. Ansonsten werden auf der Doppelseite ausschließlich die beiden wirklichen Final-Kontrahenten behandelt. So prangt auch die tatsächliche Paarung über dem abgebildeten Spielfeld, daneben sind die Landesflaggen beider Nationen abgebildet.

EM 2021: Deutscher Journalist verbreitet Times-Patzer auf Twitter

Der in Großbritannien arbeitende und lebende deutsche Journalist Raphael Honigstein verbreitete einen Screenshot der Seite auf Twitter und schrieb dazu: „Unglaublich aufgeregt, zu erfahren, dass Deutschland morgen nach einer späten Paarungsanpassung auf England treffen wird.“ Dazu folgt der Hashtag #ForzaGermania in Anspielung auf den italienischen Ausspruch „Forza Italia“ - also „Vorwärts Italien“!

Andere User greifen in den Kommentaren direkt einen weltberühmten Spruch des früheren englischen Nationalspielers Gary Lineker auf. Denn dort heißt es: „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen dem Ball für 90 Minuten nach und am Ende gewinnen immer die Deutschen. Selbst, wenn sie schon drei Runden vorher ausgeschieden sind.“ Oder auch: „Fußball ist ein Sport, bei dem elf Engländer und elf Italiener für 90 Minuten dem Ball nachjagen und die Deutschen gewinnen.“

EM 2021: Erinnerungen an das Achtelfinale zwischen England und Deutschland werden wach

Ein weiterer User kommentiert: „Englands letzter verzweifelter Versuch, ein Turnier im Elfmeterschießen zu gewinnen - deutsch sein.“ Denn die DFB-Formation wurde auch noch auf der englischen Spielfeldseite abgedruckt, die „Three Lions“ dagegen auf der italienischen. Was umso mehr verwundern sollte. Aber auch auf die Spur zur Lösung verhilft. Denn wer sich die beiden Aufgebote genau anschaut, wird entdecken: Sie ähneln sehr denen vom Achtelfinale im Wembley-Stadion, das die Gastgeber mit 2:0 gewannen.

Nur gegen Deutschland spielte England mit einer Dreier-Abwehrkette. Nur gegen England stand beim DFB-Team Leon Goretzka in der Startelf. Lediglich mit Serge Gnabry lag die Times falsch, denn für den Bayern-Stürmer begann damals Timo Werner. Beim dritten englischen Angreifer neben Harry Kane und Raheem Sterling bekam letztlich Bukayo Sako den Vorzug vor Phil Foden. Ansonsten wurden beide Formationen richtig vorhergesagt.

Weit entfernt von einer Endspiel-Teilnahme: Joachim Löw musste bei seinem letzten Turnier als Bundestrainer nach dem Achtelfinale die Segel streichen.

EM 2021: Sieg über DFB-Team war Initialzündung für englische Auswahl

Es drängt sich also der Verdacht auf, dass das Times-Team schlichtweg die voraussichtlichen Aufstellungen der falschen Partie übernommen hat. Vielleicht unterstreicht das noch einmal, wie viel England dieser Erfolg über den alten Rivalen bedeutet.

Gemessen am damaligen Jubel im Mutterland des Fußballs war schon dieser historische Sieg ähnlich viel Wert wie ein Titel. Und nach einer durchwachsenen Gruppenphase womöglich letztlich auch die Initialzündung zum Run auf den ersten EM-Triumph. Die Times erinnert so kurz vor dem großen Spiel zumindest nochmal an das Duell mit der unvergleichbar befreienden Wirkung. Wer weiß, wofür das gut sein kann. (mg)

Rubriklistenbild: © Stefan Matzke / sampics

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