Torflaute im Klub

Deutschlands bester Stürmer trifft nicht mehr! Wackelt jetzt sogar das EM-Ticket? Löw setzt Zeichen

Bundestrainer Jogi Löw will vor der Nominierung seines EM-Kaders keine Rücksicht auf verdiente Spieler nehmen. Auch ein deutscher Top-Stürmer muss zittern.

Update vom 28. April, 19.30 Uhr: Timo Werner steckt weiter in der Torkrise. Am vergangenen Wochenende beendete der Chelsea-Stürmer zwar nach zwölf Spielen seine Torflaute und traf zum siegbringenden 1:0 gegen West Ham United, ließ aber auch eine hundertprozentige Torchance liegen.

In der Champions League beim 1:1 gegen Real Madrid am Dienstag versemmelte Werner erneut eine glasklare Möglichkeit aus kurzer Distanz und wartet nun schon seit Anfang November und sieben Partien auf einen Treffer in der Königsklasse. Werner wirkte zuletzt zunehmend verunsichert und haderte mit sich selbst. Im Hinblick auf die Euro 2021 im Sommer muss der 25-Jährige nun schnellstmöglich zu alter Form zurückfinden, um sein sicher geglaubtes EM-Ticket nicht zu verspielen.

EM 2021: Stürmer trifft nicht mehr - Timo Werner droht das aus

Erstmeldung vom 12. April: München/London - Es lief die die 80. Spielminute, als Ilkay Gündogan beim Stand von 1:1 alleine auf Gästekeeper Stole Dimitrievski zulief. Statt selbst abzuschließen und auf 2:1 für Deutschland zu erhöhen, legte der ManCity-Star quer auf den mitgelaufenen Timo Werner. Der Chelsea-Angreifer brachte es fertig, den Ball am Tor vorbei zu legen. Am Ende gelang Nordmazedonien mit dem späten 2:1-Siegtreffer die Sensation.

EM 2021: Timo Werner wie einst Mario Gomez - unter Jogi Löw nur noch Joker

Die Slapstick-Einlage erinnerte stark an den legendären Fehlschuss von Mario Gomez bei der EM 2008. Damals musste die DFB-Elf im letzten Gruppenspiel gegen Österreich ums Weiterkommen zittern. Wie Werner hatte Gomez damals die Führung auf dem Fuß. Er stand schon fast auf der Linie des österreichischen Tores, er bugsierte den Ball trotzdem noch über die Latte. Für die WM 2014 wurde Gomez auch wegen solcher Fehlschüsse nicht berücksichtigt. Droht Werner nun dasselbe Schicksal wie seinem Vorgänger in der deutschen Nationalmannschaft?

Jogi Löw vertraute in den drei WM-Qualifikationsspielen zuletzt nicht mehr voll auf die Dienste von Werner und setzte direkt ein Zeichen. Der 25-Jährige musste sich mit drei Joker-Einsätzen begnügen und kam gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien nur auf 59 Spielminuten. Löw setzt in seinem Dreier-Angriff auf die schnellen und trickreichen Bayern-Stars Leroy Sané und Serge Gnabry sowie Kai Havertz, Werners Teamkollege beim FC Chelsea. Havertz und Gnabry wechseln sich dabei im Sturmzentrum regelmäßig ab. Löw traut Werner die Mittelstürmer-Rolle offenbar nicht mehr zu. Wackelt jetzt sogar das Ticket für die Europameisterschaft?

Timo Werner mit Torarmut bei Chelsea - auch Thomas Tuchel kriegt den Stürmer nicht hin

Das hat sicherlich auch mit seiner Torflaute im Verein zu tun. In der vergangenen Saison war Werner mit 28 Bundesligatoren für RB Leipzig noch schärfster Widersacher für Torschützenkönig Robert Lewandowski - und damit der beste deutsche Stürmer. Für seinen neuen Klub Chelsea kommt der gebürtige Stuttgarter in seinen ersten 29 Ligaspielen nur auf fünf Tore, gab aber immerhin neun Vorlagen. In den letzten 21 Ligapartien gelang Werner nur ein einziger Treffer. Auch nach der Ankunft des Schwaben Thomas Tuchel Ende Januar wartet Werner auf den Durchbruch auf der Insel.

Bezeichnend für die aktuelle Form-Schwäche war eine Aktion beim 2:0-Heimsieg gegen den FC Everton Anfang März. „Timo, Timo wie lange spielst du noch links? Du spielst rechts“, brüllte Tuchel beim Stand von 0:0 in der 26. Minute über den Platz Richtung Werner - gut hörbar für die TV-Außenmikrofone: „Du spielst seit einer Viertelstunde links. Verstehst du es nicht?“ Im nächsten Spiel beim 0:0 gegen Leeds kam Werner nur zu einem Kurzeinsatz. Zuletzt beim 4:1 gegen Crystal Palace saß er 90 Minuten auf der Bank. Tuchel setzt wie Löw auf Havertz.

EM 2021: Timo Werner droht das Aus - denn Thomas Müller bräuchte ja auch einen Platz

Bei der EM dürften in Löws Dreier-Angriff Sané und Gnabry gesetzt sein. Um den dritten Platz duellieren sich also die Vereinskollegen Werner und Havertz. Doch auch Thomas Müller macht sich bekanntlich noch Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Löw wollte sich zuletzt nicht in die Karten schauen lassen, ein Comeback aber auch nicht ausschließen. Sollte es tatsächlich zum Müller-Comeback kommen, wird der Bayern-Anführer wohl eine zentrale Rolle einnehmen, das hat Löw bereits deutlich gemacht. Dann könnte der EM-Zug womöglich ohne Werner abfahren.

Allerdings ist Werner mit 15 Toren in 37 Länderspielen gemeinsam mit Gnabry aktuell gefährlichster Schütze im Aufgebot. „Timo ist ein gefährlicher Spieler, wenn man ein bisschen Räume bekommt“, sagte Löw über das Reservisten-Dasein Werners. Bei der EM gegen Frankreich und Portugal könnte diese Eigenschaft Werners großer Trumpf werden, wenn Löw ihn nominieren sollte. Einem anderen EM-Traum erteilte der Bundestrainer bereits eine knallharte Abfuhr. (ck)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini

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