„Damit müssen wir leben“

Willkommen in der Euro-Klinik: Fast ein Spieler pro EM-Spiel verletzt - auch den FC Bayern hat es erwischt

Leonardo Spinazzola feiert auf Krücken.
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Leonardo Spinazzola feiert auf Krücken.

Die EM ist vorbei. Was bleibt, sind die Verletzungen. Frag nach beim FC Bayern, der ebenfalls ein Opfer der EURO zu beklagen hat.

München - Die Rede ist von Lucas Hernández, auf den Cheftrainer Julian Nagelsmann aufgrund eines Meniskuseinrisses voraussichtlich über den Ligastart (13. August in Mönchengladbach) hinaus verzichten muss.

Doch nicht nur die Münchner zahlen die Zeche der Nationalmannschaften sowie der UEFA nach einer von Corona geprägten Spielzeit samt paneuropäischem Turnier, die die Fußballer an die Grenzen des Möglichen gebracht hat. Die Bilanz nach dem europäischen Festakt mit 51 Partien in insgesamt elf Ländern: 45 Verletzte. Macht nach Adam Riese fast einen Lädierten pro EM-Spiel. Willkommen in der Euro-Klinik!

EM 2020: Nationalspieler kaum Schlaf und Erholungsphasen

Wirft man einen Blick auf die vergangene Saison, so verwundert diese Zahl nicht. Aufgrund der Aussetzung des Spielbetriebs in der Saison 19/20 infolge der Pandemie begann die Spielzeit 20/21 mit erheblicher Verspätung. Die Folgen: eine extreme Komprimierung des Spielplans, die für die Nationalspieler in der EM ihren Belastungshöhepunkt fand. Laut New York Times lag der durchschnittliche Zeitraum zwischen zwei Spielen in der zurückliegenden Saison bei 3,5 Tagen. Zum Vergleich: Vor Covid bekamen Fußballer im Schnitt 4,3 Tage Verschnaufpause.

Die Kicker gingen bereits vor der EURO auf dem Zahnfleisch, fast vier Dutzend bekamen nun im Dress des Nationalteams die Quittung dafür.

„Es ist immer unglücklich, wenn sich die Spieler dann bei der Nationalmannschaft verletzten. Aber damit müssen wir leben“, meinte Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic zur leidigen Thematik. Oliver Schmidtlein, ehemaliger Physiotherapeut des FC Bayern und des DFB, fügt im Gespräch mit der tz hinzu: „Die Belastung ist schlichtweg enorm. Sie war speziell die vergangenen beiden Spielzeiten so hoch, dass man sie auch nicht mehr durch verstärkte Regenerationsmaßnahmen auffangen konnte. Schlaf und Erholungszeit sind ausschlaggebend für Fußballer, gerade bis zuletzt war beides aber Mangelware.“ Und das äußert sich in Verletzungen.

EM-Ausfälle - eine Kategorie liegt laut UEFA vorn

Die UEFA unterteilte Ausfälle während der EM in vier Kategorien. Über zwei Drittel gingen auf Muskel- oder Knochenverletzungen zurück, darüber hinaus wurden Corona-Infektionen wie bei Spaniens Sergio Busquets oder Kroatiens Ivan Perisic sowie anderweitige Ausfallgründe wie das Herzdrama um Dänemarks Christian Eriksen gelistet. Am schlimmsten erwischte es die Belgier mit insgesamt sieben Verletzungen, individuell sind neben Eriksen Italiens Leonardo Spinazzola (halbes Jahr Pause aufgrund eines Achillessehneneinrisses) sowie Ukraines Artem Basedin (halbes Jahr Pause wegen eines Kreuzbandrisses) die Spieler, die sich am schwersten verletzten. In diesem Kontext dürfte der „Kurz-Ausfall“ von Hernández an der Säbener Straße wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen.

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