Ungewissheit kurz vor Turnierstart

Rätsel um München-Rolle bei EM 2021: Ein Zuschauer-Szenario sofort vom Tisch - Lauterbach geht auf UEFA los

In der Allianz Arena sollen vier Spiele der EM stattfinden.
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In der Allianz Arena sollen vier Spiele der EM stattfinden.

Bereits am 15. Juni soll die erste EM-Partie in der Allianz Arena ausgetragen werden, bis dahin gibt es noch vieles zu klären, wie etwa die Zuschauerkapazität.

München - Im Ringen um ihre Heimspiele bei der Fußball-EM* gehen die Stadt München* und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nur noch von zwei realistischen Zuschauer-Szenarien aus. Auf einer Sitzung des Sportausschusses im Stadtrat wurden am Mittwoch jedoch drei Varianten für das Turnier im Sommer präsentiert.

EM 2021: Zuschauer in der Allianz Arena? Drei Szenarien vorgestellt - eines ist sofort vom Tisch

Dies sind Geisterspiele ohne Fans, eine um rund 20 Prozent gefüllte Allianz Arena* und eine Auslastung von 40 Prozent. Letzteres Szenario hält angesichts der Entwicklung in der Corona-Pandemie mit aktuell steigenden Infektionszahlen aber niemand der Verantwortlichen für umsetzbar.

Demnach ist eine zu rund einem Fünftel gefüllte Arena das Meiste, was München der Europäischen Fußball-Union* in Aussicht stellt. „Es ist ja ein Riesen-Stadion“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dem „Kicker“. Wenn man nur jeden siebten Platz besetzen würden, „würden sich 10.000 Menschen dort versammeln, was stimmungsmäßig ein großer Gewinn gegenüber einem völlig leeren Stadion wäre“, fand er.

EM 2021: UEFA setzt München unter Druck - kein Publikum, keine EM-Spiele

Die UEFA will von den zwölf Ausrichterstädten eine Garantie, dass im Sommer auf jeden Fall vor Zuschauern gespielt werden kann. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sagte bereits Anfang der Woche mit Verweis auf die Pandemie, dass dies nicht möglich sei.

Lauterbach sieht Zuschauer-Pläne für München sehr kritisch

SPD-Politiker Karl Lauterbach hält EM-Spiele im Sommer in München vor großer Zuschauerkulisse für ausgeschlossen. „Wenn es ein paar Hundert oder wenige Tausend Zuschauer sind, dann kann man sich das im Großen und Ganzen noch vorstellen. Wenn wir aber hier über 10.000, 20.000 Zuschauer sprechen, dann ist es nicht machbar. Dafür haben wir schlicht keine Testerfahrung“, sagte der Gesundheitsexperte dem SID: „Wir wissen nicht, wie gefährlich das ist. Und dann wird auch noch gereist. Ich halte das für medizinisch nicht vertretbar.“

Eine Garantie für große Zuschauerzahlen, wie sie die Europäische Fußball-Union (UEFA) von dem deutschen EM-Standort verlangt, sei in Zeiten der Corona-Pandemie nicht zu geben und daher ein falsches Zeichen. Die UEFA-Pläne sieht Lauterbach „sehr kritisch“, das Konzept, das viel Reiseaktivität beinhaltet, halte er für „nicht verantwortungsvoll“. Dazu kritisierte der Politiker das Verhalten der UEFA, die nach dem Motto „Vogel, friss oder stirb“ handle. Das sei keine „sportliche und keine faire Einstellung“, so Lauterbach: „Die Bürger wollen im Fußball eine Vorbildfunktion sehen, hier ist oft der Eindruck, als wenn das Kommerzielle noch wesentlicher wäre als der eigentliche sportliche Aspekt.“

Verliert München seine vier EM-Spiele?

Deshalb mussten Geisterspiele für die bayerische Landeshauptstadt auch ein Variante bleiben. München riskiert damit aber, seine drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale wieder zu verlieren. „Die UEFA möchte München unbedingt dabeihaben“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem „Kicker“ und hofft auf eine „Botschaft“ der Politik.

Nächste Woche entscheidet die UEFA final über die Austragungsorte. Neun Städte haben inzwischen Zuschauer in den Arenen bereits versprochen; sie wurden deshalb als Spielorte des Europa-Turniers bestätigt. Neben München sind indes noch Bilbao und Dublin fraglich. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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