Am Dienstag will er‘s wissen

„Ist unser dritter Co-Trainer“: DFB-Kollegen schwärmen von Thomas Müller - beendet er seinen EM-Fluch?

Ist Thomas Müller noch die England-Bedrohung, die er mal war? Die Verletzung, die er sich jüngst zugezogen hat, gilt jedenfalls als erledigt - und kann ihn nicht davon abhalten, endlich wieder Tore zu machen.

Er lachte, er winkte in die Kamera. Und er grüßte: „Oma, Opa, Lisa.“ Berühmte Szene von der WM 2010, nach dem 4:1 gewonnenen Achtelfinale gegen England in Südafrika, und er hatte zwei Tore geschossen. Thomas Müller erinnert sich dieser Tage daran: „Man klammert sich an Sachen, die mal passiert sind.“ Vielleicht, sinniert er, werde er es seinem Gegenspieler im Wembley-Stadion erzählen: „Wird mir aber noch nichts bringen, ich muss es bestätigen, dass ich eine England-Bedrohung bin.“ Fürs Erste gibt ihm die persönliche Nostalgie „ein gutes Gefühl – auch wenn das, was war, mit Dienstag nichts zu tun hat“.

Fußball-EM: Thomas Müller will gegen England den EM-Torfluch brechen

Thomas Müller (31) kann spielen gegen England – die Kapselverletzung am Knie erklärt der Münchner für „ad acta gelegt. Spüre ich zwar noch, aber ich bin erfahren genug, damit umzugehen.“ Wenn er spielen kann, bedeutet das auch, dass er spielen wird, es war zäh ohne ihn gegen Ungarn, wo er wegen der Verletzung erst in höchster Not eingewechselt wurde. Zwei Jahre, nachdem er zum internationalen Auslaufmodell erklärt worden war, ist Müller auf seine spezielle Art der Anführer des Teams.

Müller (2. v. li.) ist – anders als bei einer Weltmeisterschaft – bei einer Europameisterschaft noch ohne Treffer.

„Es ist Gold, ihn auf dem Platz zu haben“, sagt Robin Gosens, der bei der WM 2014 auf den Fanmeilen selbst noch Thomas-Müller-Trikot trug. Nun hat er sein Idol kennenlernen dürfen und ist begeistert von dessen Einzigartigkeit. „Wenn der Zeitpunkt dafür da ist, macht er einfach mal Quatsch. Seine Gedanken sind nicht immer seriös, aber geil für die Mannschaft, weil jeder lacht“, so Gosens. Dann aber, wenn man’s braucht, „von superlustig zu professionell“, so beschreibt Kai Havertz Müllers mentales Umschaltspiel, „er zieht viele Spieler mit, man kann sagen, dass er uns weiterbringt“. Weil er das Spiel versteht und es erklären kann und das auch wortreich tut, „ist er unser dritter Co-Trainer“. Oder eine Art Spielertrainer – Kai Havertz (22) würde das so unterschreiben. Er profitiert vom hinter ihm wirkenden Routinier Thomas Müller, kann eine Art Lewandowski-Rolle einnehmen, hat zwei Tore erzielt und ein drittes, das als portugiesisches Eigentor gewertet wurde, erzwungen.

Fußball-EM: Thomas Müller würde merkwürdige Flaute schon gerne beenden

Thomas Müller spielt seine dritte Europameisterschaft. 2012 und 2016 galt es als sein Makel, dass er dabei kein Tor erzielte, denn bei den vorausgegangenen WM-Turnieren hatte er je fünf Mal getroffen. Es hieß: Müller kann WM, aber nicht EM. Er gibt zu, er würde diese merkwürdige Flaute schon gerne beenden. „Ich bin bisher nicht so in die Abschlussposition gekommen, wie es mir vielleicht lieb wäre. Ich bleibe auf der Jagd, aber es ist nicht mein Tagesordnungspunkt Nummer eins. Wenn meine Funktion weniger scorerlastig ist, kann ich damit auch gut schlafen.“

Er muss wenigstens nicht mehr rechts an der Linie kleben, wie Joachim Löw das 2012 und 2016 von ihm verlangt hatte, Müller kann zentraler wirken und freier, in seinen geliebten Zwischenräumen, wenn auch nicht so, wie er es vom FC Bayern kennt. „Ich fühle mich bei der Nationalmannschaft früher im Ballbesitz, mehr einleitend und initiierend. Es zieht mich zum Ball hin, um Impulsgeber zu sein.“

„Er hilft jedem Spieler, er hat immer eine Lösung“, sagt Kai Havertz. Und dazu eben diese Erfahrung. Nicht nur 2010, auch 2013. Ein Sieg nicht gegen, aber in Wembley. Champions League mit Bayern. Noch was fürs „gute Gefühl“. (Günter Klein)

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