tz-Exklusivinterview

Lewandowski-Entdecker Smuda: „Er kann noch viel erreichen“

Polens Robert Lewandowski kämpft mit einem Isländer um den Ball
+
Lewandowski ist der Hoffnungsträger der Polen bei der EM.

Die polnischen EM-Hoffnungen ruhen auf Weltfußballer Robert Lewandowski. Franciszek Smuda, Entdecker des Bayern-Stürmers, spricht in der tz.

München - Am Montag (18 Uhr) startet Bayerns Super-Stürmer Robert Lewandowski (32) mit Polen ins EM-Turnier. Einer, der den Weltfußballer bestens kennt, ist Franciszek Smuda (72). Er trainierte Lewandowski in der Saison 2008/09 bei Lech Posen sowie zwischen 2009 und 2012 bei der polnischen Nationalmannschaft. Das tz-Interview vor dem Spiel gegen die Slowakei.

Smuda im Interview: „Wir brauchen Robert“

Was wäre Polen ohne Lewandowski?
Smuda: Ich habe kürzlich mit einem ehemaligen Nationaltrainer gesprochen und wir haben uns gefragt, was wir machen, wenn Robert beispielsweise verletzt ausfallen würde. Die Antwort ist klar: Dann haben wir Probleme vorne. Die polnische Nationalmannschaft kommt nicht zu vielen Chancen. Daher brauchen wir Robert. Er macht aus einer oder zwei Möglichkeiten ein Tor. Auf ihm ruhen unsere Hoffnungen.
In der abgelaufenen Bundesliga-Saison traf er sogar 41 Mal…
Smuda: Er hat sich wahnsinnig gut entwickelt! Und wenn man einen Lauf hat, kommt auch manchmal Glück im Strafraum dazu. Man kann sagen: Stürmer, die so viele Tore schießen, werden auch vom Ball gesucht (lacht).
Sie haben Lewandowski aus der 2. polnischen Liga zu Lech Posen geholt. Sie sind überrascht, dass er es zum Weltfußballer geschafft hat?
Smuda: Nein, überhaupt nicht. Robert will immer mehr! Das zeichnet ihn aus. In seiner Karriere hat er immer den richtigen Schritt gemacht. Er hat alles erreicht, was er erreichen kann. Champions-League-Sieger, Weltfußballer, 41 Tore in einer Bundesliga-Saison. War’s das? Nein! Er kann noch viel erreichen.
Mit dem FC Bayern? Zuletzt gab es wieder mal Gerüchte über einen Wechsel.
Smuda: Er ist 32 Jahre alt. Er weiß, was er am FC Bayern hat und umgekehrt. Ich denke, es wäre das Beste, wenn er bleibt.
Wird Lewandowski EM-Torschützenkönig?
Smuda: Wenn es bei der ganzen Mannschaft gut läuft, dann kann er das schaffen. Aber bei Polen wird er nicht so gut mit Bällen gefüttert wie beim FC Bayern…
Wo liegen die Stärken und Schwächen Polens?
Smuda: Im Mittelfeld und im Angriff ist die Nationalmannschaft sehr gut. Aber das Problem ist die Abwehr, die ist nicht so stabil. In der Vergangenheit hat Polen immer unnötige Gegentore kassiert.
Wer kann die polnische EM-Überraschung werden?
Smuda: Jozwiak und auch Placheta. Beide Offensivspieler sind erst vor Kurzem nach England gewechselt.
Einen Wechsel gab es im Frühjahr auch auf der Trainer-Bank der Polen. Was halten Sie von Paulo Sousa?
Smuda: Die Spiele unter Jerzy Brzeczek waren sich nicht immer super. Aber er wusste, wen er einberufen und einsetzen konnte. Der neue Nationaltrainer hat bislang fünf Spiele gehabt und immer eine andere Mannschaft auflaufen lassen. Er hat kein Gerüst ausgesucht. Die Mannschaft müsste eigentlich zum größten Teil feststehen. Aber wenn Sie mich fragen, wer spielt, dann kann ich es nicht beantworten. Die Aufstellung gegen die Slowakei ist ein Rätsel…
Ihr Tipp für das Spiel am Montag gegen die Slowaken?
Smuda: 1:0 oder 2:1 für Polen. Sousa entscheidet sich hoffentlich für die richtige Startelf. Wenn man die starke Gruppe mit Spanien und Schweden übersteht, dann ist vieles möglich…

Interview: Philipp Kessler

Auch interessant

Kommentare