Rund ums Leder

EM und WM: Die größten Skandale der Turniergeschichte

Rudi Völler wurde im WM-Achtelfinale 1990 von Frank Rijkaard angespuckt.
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Rudi Völler wurde im WM-Achtelfinale 1990 von Frank Rijkaard angespuckt.

Ob Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft: Zwischen Traumtore und Niederlagen mischen sich immer wieder handfeste Skandale und skurrile Begebenheiten.

Tragische Schicksale, kuriose Spiele und skurrile Fouls: Rund um die großen Turniere des internationalen Männerfußballs finden sich zahlreiche Geschichten, die abseits der Spielstände für Aufsehen sorgten. In unserer Liste haben wir einige dieser Skandal-Begebenheiten aus den unterschiedlichsten Jahren zusammengestellt - mit Momenten, die die Fußballwelt im unmittelbaren Zusammenhang mit den Meisterschaften erschütterten oder auch einfach für verständnisloses Kopfschütteln sorgten.

WM 2014: Biss in die Schulter - Uruguays Stürmer Luis Suárez zeigt Zähne

Bei der WM 2014 stand es in Brasilien gerade noch 0:0 zwischen Uruguay und Italien, als Uruguays Stürmer Luis Suárez zu einer denkwürdigen Aktion ansetzte: Er biss seinen italienischen Kontrahenten Giorgio Chiellini in der 79. Spielminute von hinten in die Schulter.

WM 2014: Es war nicht der erste Biss von Suárez

Tatsächlich gewann Uruguay das Duell letztendlich 1:0; Suárez wurde allerdings für seine Aktion über Monate gesperrt und musste unter anderem eine Geldstrafe zahlen. Es war nicht das erste Mal, dass der Fußball-Profi seine Zähne auf dem Platz einsetzte: Schon 2010 und 2013 hatte er gegnerische Spieler gebissen.

EM 2016: Unfreiwillige Einblicke - bei den Schweizern fliegen die Fetzen

Unter dem Hashtag „Trikotgate“ witzelte die Fußballgemeinde bei der EM 2016 im Netz über den massiven Ausrüstungsverschleiß der Schweizer Nationalmannschaft - wegen eines Produktionsfehlers zerrissen im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich mehrere Shirts der Marke Puma. Doch das war nicht die einzige Panne: Auch dem Ball von Adidas ging zwischendurch die Luft aus.

EM 2016: „Trikotgate“ - gleich sieben Trikots der Schweizer fallen den Franzosen zum Opfer

Was für eine Materialschlacht: Die Trikots von Granit Xhaka, Admir Mehmedi, Blerim Dzemaili und auch von Breel Embolo hingen noch vor dem Pausenpfiff in Fetzen. Xhaka traf es gleich zweimal, hier war Paul Pogba beteiligt, der den Schweizer im Laufduell zwar nicht einholen konnte, dafür aber immerhin ein Stück vom Dress abbekam.

WM 1994: Mord in Kolumbien - Nationalspieler Andrés Escobar nach Eigentor erschossen

Einer der tragischsten Skandale rund um die internationalen Fußballturniere dürfte der Mord am kolumbianischen Abwehrspieler Andrés Escobar sein. Der damals 27-Jährige verursachte 1994 im WM-Spiel gegen die USA ein Eigentor, das zum Aus der Kolumbianer beitrug. Wenige Tage später wurde er dafür in seiner Heimatstadt Medellín erschossen. Schon während des Turniers sollen die Nationalmannschaft und ihr Trainer Morddrohungen erhalten haben, denn für die kolumbianische Drogen-Mafia ging es bei der WM um hohe Wettsummen.

Andrés Escobar: Sein Tod erschütterte Kolumbien

Auch Escobars Mörder kam aus dem kriminellen Drogenmillieu. Nach dem Aus der Mannschaft flog der Abwehrspieler nach Medellín, um dort seine Verlobte Pamela zu heiraten - doch nur wenige Tage nach seiner Ankunft wurde er am 2. Juli 1994 mit sechs Schüssen vor einer Diskothek umgebracht. Zur Beerdigung des jungen Mannes versammelten sich rund 120.000 Menschen in den Straßen der Stadt, bis heute erinnert man sich in Kolumbien an den „caballero del futbol“, den Gentleman des Fußballs.

WM 1994: Doping-Skandal beim argentinischen „Goldjungen“ - Das Aus für Diego Maradona

Wenige Tage vor dem grausamen Mord in Kolumbien sorgte 1994 noch ein anderer Vorfall für Aufregung: Das Comeback von Argentiniens Superstar Diego Maradona endete in einem Doping-Eklat. Nachdem er bereits 1991 wegen Kokainmissbrauchs für 15 Monate gesperrt worden war, wollte er die Albiceleste nun noch einmal zum WM-Sieg führen. Es lief gut für die Mannschaft und Maradona - bis zu dessen 91. Länderspiel.

WM 1994: „Sie haben mir die Beine abgeschnitten“ - Diego Maradona nach Dopingkontrolle gesperrt

Nach dem gewonnenen Gruppenspiel gegen Nigeria am 25. Juni 1994 bat man den damals 33-jährigen „Goldjungen“ im amerikanischen Boston zum Dopingtest und wies am 30. Juni 1994 insgesamt fünf verbotene Substanzen nach. „Sie haben mir die Beine abgeschnitten“, so Maradona, als er daraufhin erneut gesperrt und vom Turnier ausgeschlossen wurde. Eine spätere Untersuchung ergab, dass er den Aufputsch-Cocktail unwissentlich von seinem privaten Fitnesstrainer verabreicht bekommen hatte.

WM 1982: Der „Nichtangriffspakt von Gijon“ - Taktisch, aber unsportlich

Auf eine Partie Standfußball schienen sich die deutsche und die österreichische Nationalmannschaft am 25. Juni 1982 angeblich stillschweigend geeinigt zu haben: Beim WM-Vorrundenspiel in Spanien, das auch als „Schande von Gijon“ in die Fußballgeschichte einging, spielten beide Teams ab dem Ende der ersten Halbzeit ganz offensichtlich ohne weitere Torambitionen.

WM 1982: Die „Schande von Gijon“ - Nach dem ersten Tor ist Schluss

Die taktische Überlegung dahinter: Um weiter im Turnier zu bleiben, musste Deutschland gewinnen, die Österreicher durften maximal zwei Gegentore kassieren. Nach dem frühen 1:0 durch Deutschlands Horst Hrubesch spielten die Teams, die sich vier Jahre zuvor in Cordoba noch eine „Schlacht“ geliefert hatten, dann immer gemächlicher und hauptsächlich in der jeweils eigenen Hälfte des Platzes - das günstige Ergebnis sollte nicht mehr verändert werden.

Algerien fliegt aus dem Turnier: Die Konsequenzen des „Nichtangriffpakts“

Wenig begeistert vom demonstrativen Nichtstun der beiden Mannschaften waren unter anderem die algerischen Fans: Sie wedelten auf der Tribüne mit Geldscheinen, weil sie das Spielverhalten als Betrug zulasten ihrer Mannschaft sahen - durch das taktische Nichtstun schied Algerien nämlich trotz der zuvor erkämpften Siege aus dem Turnier aus. Die offizielle Konsequenz aus der „Schande von Gijon“: Seit 1984 werden die letzten Spiele einer Gruppe bei internationalen Turnieren immer gleichzeitig durchgeführt, Jahre später wurde außerdem die Rückpassregel aufgestellt, um Zeitschinden zu verhindern.

WM 2006: Zinedine Zidane, der Rammbock - „Zizou“ sieht rot

Im Finale der WM 2006 fand zwischen Italiens Marco Materazzi und Frankreichs Zinedine Zidane ein folgenschwerer Dialog statt. Im bereits weit fortgeschrittenen Spiel stand es gerade 1:1, als Materazzi Zidane am Trikot zog und die beiden sich ein kurzes Wortgefecht lieferten. Zidane entfernte sich zunächst, kehrte dann aber zurück, um Materazzi mit einem Kopfstoß gegen die Brust niederzustrecken.

Mit dem Kopf in die Brust: Zidane rastet nach Beleidigung seiner Schwester aus

Die wutentbrannte Aktion brachte Zidane, der kurz zuvor noch zum wertvollsten Spieler des Turniers erkoren worden war, die insgesamt fünfzehnte Rote Karte seiner Karriere, er flog vom Platz. Letztendlich zerplatzte Frankreichs WM-Traum wenige Minuten später im Elfmeterschießen, Trainer Raymond Domenech sah aber schon Zidanes Kopfstoß als Wendepunkt des Spiels. Erst zwei Wochen später wird durch die Übersetzung einer Lippenleserin klar, was der Grund für den Kopfstoß war: Materazzi hatte Zidane und vor allem Zidanes Schwester massiv beschimpft.

WM 1962: Die „Schlacht von Santiago“

Als „unfairstes Turnier der Geschichte“ wird die „Schlacht von Santiago“ teilweise bezeichnet: Die WM-Vorrunden-Partie Italien gegen Chile am 2. Juni 1962 musste zahlreiche Male unterbrochen werden, weil es immer wieder zu Faustschlägen, Tritten, Ohrfeigen und weiteren Handgreiflichkeiten kam. Zwei italienische Spieler mussten sogar mithilfe der Polizei vom Platz verbannt werden. Das Match gewannen die Chilenen mit 2:0, Schiedsrichter Ken Aston verglich die Partie im Nachhinein mit einem Militärmanöver.

WM 1990: Spuck-Skandal in Italien - Rudi Völler bekommt was auf die Locken

Deutschland und die Niederlande haben ein spezielles Verhältnis – zumindest im Fußball. Prägend für die ewige Feindschaft ist auch ein Vorfall am 24. Juni 1990. Da ging es im Mailänder Guiseppe-Meazza-Stadion um den Einzug ins WM-Viertelfinale. Seinen unrühmlichen Höhepunkt erreichte das Spiel schon in der 22. Minute: Frank Rijkaard foulte Rudi Völler, Schiedsrichter Juan Carlos Loustau zückte die Gelbe Karte. Daraufhin spuckte Rijkaard Völler kräftig ins lockige Haar und zog ihn später auch noch am Ohr.

WM 1990: Rudi Völler bleibt die Spucke weg - auch er sieht die Rote Karte

Als Rudi Völler bemerkte, was da in seinen Locken hängt, drehte er sich angewidert zur Seite und machte den Schiedsrichter darauf aufmerksam. Dafür sah Rijkaard die Gelbe Karte. Wenige Sekunden später eskalierte die Situation weiter, es gab Rot für den Niederländer - aber auch für Völler. Auf dem Weg Richtung Kabine legte der Holländer tatsächlich noch einmal nach, spuckte ein zweites Mal auf Völler. Der blieb beherrscht und akzeptierte später auch die Entschuldigung Rijkaards.

EM 2004: Francesco Totti im Lama-Modus: Er bespuckte Christian Poulsen gleich mehrfach

Frank Rijkaards Spuckattacke gegen Rudi Völler blieb nicht die einzige in der Historie der internationalen Großturniere. Als Italien bei der EM 2004 in der Gruppenphase auf Dänemark traf, spuckte Francesco Totti, Spielmacher und Superstar der Squadra Azzurra, dem Dänen Christian Poulsen gleich dreimal ins Gesicht und erwies seiner Mannschaft damit einen echten Bärendienst.

EM 2004: Francesco Tottis Spuckattacke kommt erst Tage später ans Licht

Aufgedeckt wurde der EM-Skandal um Francesco Totti erst zwei Tage nach dem Spiel durch dänische Fernsehbilder. „Insgesamt hat er mich drei Mal bespuckt“, gab Christian Poulsen später an. Totti entschuldigte sich mehrmals, wurde von UEFA wegen grob unsportlichen Verhaltens für drei Spiele gesperrt. Zum Einsatz kam er nicht mehr, denn Italien schied noch in der Gruppenphase aus.

EM 2004: Auch Alexander Frei mimt das Lama - und spuckt Steven Gerrard in den Nacken

Nachdem bei der EM 2004 Italiens Francesco Totti wegen seiner Spuckattacke für drei Spiele gesperrt worden war, zog die UEFA auch den Schweizer Alexander Frei aus dem Verkehr: Auch er spuckte, auch er wurde nachträglich mithilfe von TV-Bildern überführt. Im Vorrundenspiel gegen England spuckte Frei beim Stand von 0:3 England-Star Steven Gerrard in den Nacken.

EM 2004: Alles Lügen und Leugnen hilft nichts - TV-Bilder überführen Alexander Frei

Zum Skandal wurde Alexander Freis Spuckattacke erst recht, weil der Stürmer seine Tat im Gegensatz zu Francesco Totti über Tage leugnete. Obwohl er intern von Anfang an klar machte, Mist gebaut zu haben, stifteten ihn die Schweizer Verbandsbosse um Präsident Ralph Zloczower wohl zum Lügen an. Als er letztendlich durch Video-Bilder überführt wurde, kassierte Frei eine Sperre für drei Spiele.

WM 1994: Steffan Effenberg zückt den Mittelfinger - und adressiert damit die eigenen Fans

1994 mühte sich Titelverteidiger Deutschland im dritten WM-Vorrundenspiel trotz eines 3:0-Vorsprungs gegen Südkorea ab, bis es sogar nur noch 3:2 stand. Die rund 1000 deutschen Anhänger im Stadion machten in Stefan Effenberg den Sündenbock aus und sollen immer wieder „Effenberg raus“ gerufen haben. In der 75. Minute wurde „Effe“ dann tatsächlich ausgewechselt…

WM 1994: „Effe“ zeigt den Mittelfinger und fliegt sofort aus der Nationalmannschaft

Frustriert von der eigenen Leistung und der Reaktion der deutschen Anhänger ließ sich Stefan Effenberg nach seiner Auswechslung zur Geste hinreißen, die seine Karriere veränderte. Er zückte den Mittelfinger, adressierte damit die eigenen Fans und flog aus dem Team. Heute undenkbar: Kein Fotograf und kein Kameramann hielt die Szene fest. Das Foto zeigt Effenberg vier Jahre später, als er ein kurzes Comeback in der Nationalmannschaft gab, zum Glück zitiert er hier gerade nur einen Mitspieler heran.

WM-Quali 2006: Die „Schande von Istanbul“ - Türkei gewinnt und verliert doch

Der 16. November 2005 ging in die Fußballgeschichte als „Schande von Istanbul“ ein und ist in unserer Liste eine Ausnahme: Das Spiel fand nicht bei einer WM oder EM statt, sondern diente der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Das Hinspiel konnte die Schweiz mit 2:0 gewinnen, im Rückspiel lieferten sich die beiden Nationalmannschaften einen hitzigen Kampf, den die Türkei mit 4:2 für sich entscheiden konnte. Obwohl die Türkei das WM-Qualifikationsspiel gewann, fuhr letztendlich die Schweiz zur Weltmeisterschaft nach Deutschland (siehe Bild), weil die Auswärtstorregel griff.

WM-Quali 2006: Schweiz gegen die Türkei - wüste Schlägereien nach Abpfiff

Die Stimmung heizte sich in der Schlussphase der Partie allerdings derart auf, dass die Schweizer Spieler nach dem Schlusspfiff in die Kabine flüchteten. Türkische Anhänger hatten sie mit Gegenständen beworfen. Im Kabinengang kam es schließlich zu Angriffen von Sicherheitskräften und türkischen Ersatzspielern auf die Schweizer Mannschaft. Es kam zu einer wüsten Schlägerei. Der Schweizer Stéphane Grichting wurde dabei so heftig in den Unterleib getreten, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

EM 2012: Nicklas Bendtner zeigt seine Unterhose und bezahlt dafür teuer

Der Däne Niklas Bendtner ist bekannt für seine Aufreger und Provokationen und zeigt sich gerne äußerst freizügig. Bei der EM 2012 kommt es ihm allerdings teuer zu stehen, dass er die falsche Unterhose trägt. Nachdem er den Ausgleich gegen Portugal erzielte, präsentierte er mit hochgezogenem Trikot den Bund seiner Unterhose – damit machte er offensichtlich Werbung für das irische Wettunternehmen Paddy Power.

EM 2012: Nach Unterhosen-Eklat muss Nicklas Bendtner blechen und wird gesperrt

Auch beim gemeinsamen Jubel mit seinen Mitspielern ist die giftgrüne Unterhose deutlich zu sehen. Das Problem: Laut Wettbewerbsstatuten der UEFA ist Spielern bei einer EM oder WM jegliche Art von Werbung verboten. Damit handelte sich Bendtner es eine Spielsperre und eine Geldstrafe von 100.000 Euro ein - die das Unternehmen immerhin übernahm.

EM 2012: Die UEFA bekommt Zoff mit den Fernsehanstalten - zu schön geschnitten

Als Deutschland bei der EM 2012 in der Gruppenphase auf die Niederlande traf, zeigte das ZDF in der 22. Minute 27,22 Millionen deutschen TV-Zuschauern einen tiefenentspannten Jogi Löw, der sich mitten im Spiel einen kleinen Scherz mit dem Balljungen erlauben zu scheint, als er ihm das Spielgerät aus der Armbeuge boxt. Tatsächlich spielte sich diese Szene aber schon eine Viertelstunde vor Anpfiff ab und war von der UEFA – verantwortlich für die Fernsehbilder aller Nationen – in die Live-Übertragung montiert worden, wie der Europäische Fußballverband später kleinlaut einräumte. Es war nicht die einzige TV-Manipulation bei diesem Turnier.

EM 2012: Die UEFA zeigt im TV nur das, was ins Weltbild passt - ARD und ZDF machtlos

UEFA und FIFA blenden bei ihren Turnieren seit jeher alles aus, was nicht ins Bild der heilen Fußballwelt passt. So war bei der EM 2012 weder der Flitzer zu sehen, der in der Begegnung Irland gegen Kroatien den Platz stürmte, noch das kroatische Fanlager mit seinen bengalischen Feuern. Auch leere Ränge und politische Botschaften wurden konsequent ignoriert. Zwar sind bei deutschen Spielen auch ARD und ZDF mit bis zu zehn Kameras im Stadion – vor allem für Interviews und Moderationen - , während der Spiele selbst müssen sie aber die Aufnahmen von UEFA und FIFA verwenden.

WM 1974: Qualifikationsspiel ohne Gegner - Abpfiff nach wenigen Sekunden

Politischen Protest vonseiten der Sowjetunion gab es im November 1973: zur erfolgreichen WM-Qualifikation für 1974 fehlte den Sowjets nur noch ein letzter Sieg, den sie in Chile ergattern sollten. Im Vorfeld des Spiels erfolgte dort jedoch ein tödlicher Militärputsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Das Nationalstadion in Santiago, in dem auch das Qualifikationsspiel geplant war, wurde zum grausamen Internierungslager vermeintlicher Gegner des neuen Regimes. Weil die Bitte der UdSSR um einen neutralen Austragungsort von Chile und der FIFA abgelehnt wurde, boykottierten die Sowjets das Spiel: Chiles Team lief ohne Gegner auf, beendete die absurde Partie nach wenigen Sekunden mit einem Tor und fuhr 1974 zur WM.

WM-Quali 1990: Roberto Rojas wird von Feuerwerkskörper getroffen - oder doch nicht?

Im Fußball sind Chile und Brasilien Erzfeinde. Ein prägender Tag der Rivalität war der 3. September 1989. Da ging es in Rio de Janeiro um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Italien. In der 67. Minute flog ein Feuerwerkskörper auf das Spielfeld und landete beim chilenischen Gästekeeper Roberto Rojas. Der „Condor“, wie er genannt wurde, ging sofort zu Boden und hielt sich den Kopf. Sein Gesicht war blutverschmiert, die Partie wurde abgebrochen. Doch schon bald kamen Zweifel an den Zusammenhängen auf - und das zurecht.

WM-Quali 1990: Roberto Rojas verletzt sich selbst mit Rasierklinge und wird lebenslang gesperrt

TV-Bilder zeigten letztendlich, dass der Feuerwerkskörper Roberto Rojas gar nicht getroffen hatte, die FIFA leitete eine Untersuchung ein und deckte auf, was wirklich geschehen war. Rojas stritt zunächst alles ab, erst ein Jahr später gab auch er zu, was die Untersuchung bereits ans Licht gebracht hatte: Mit einer Rasierklinge in seinem Handschuh hatte er sich im passenden Augenblick selbst verletzt, um einen Spielabbruch zu provozieren. Chile sollte so der Sieg am grünen Tisch zugesprochen werden, den das Team für die Zulassung zur WM in Italien (siehe Bild) gebraucht hätte. Die Konsequenz aus der Aktion: Rojas, Trainer Orlando Aravena und der chilenische Teamarzt Daniel Rodriguez wurden lebenslänglich gesperrt, Brasilien der Sieg der Partie zugesprochen und Chile auch die Teilnahme an der Qualifikation zur WM 1994 untersagt.

WM 1982: Harald „Toni“ Schumacher knockt Patrick Battiston aus

Im Halbfinale der WM 1982 streckte der deutsche Torwart Harald „Toni“ Schumacher den Franzosen Patrick Battiston bei einem Zusammenprall brutal nieder. Der aus seinem Tor stürmende Schumacher krachte mit dem Becken gegen Battistons Kopf und brach seinem Gegenspieler dabei einen seiner Halswirbel an, schlug ihm zwei Zähne aus dem Mund und knockte den Franzosen aus, der erst im Krankenhaus wieder zu sich kam. Bis heute ist er nicht gut auf das Spiel zu sprechen.

WM 1982: Harald „Toni“ Schumacher zeigt wenig Mitgefühl und entschuldigt sich dann doch

Als Patrick Battiston im Krankenhaus zu sich kam, lief im WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich noch die Verlängerung. Der Schwerverletzte ließ sich den Spielstand sagen – es stand 3:1 für Frankreich – und schlief dann ein. Als er wieder aufwachte, war Frankreich ausgeschieden. Deutschland erzielte zwei Tore und setzte sich schließlich im Elfmeterschießen durch. „Toni“ Schumacher zeigte nur wenig Mitgefühl mit Frankreich und Battiston: „Unter Profis gibt es kein Mitgefühl, aber ich zahle dem Battiston seine Jacketkronen.“ Die spätere Entschuldigung (Foto) nahm Battiston an.

EM 2008: Joachim Löw liefert sich Wortgefecht mit Offiziellem und wird auf Tribüne geschickt

Bei der EM 2008 bekam es Deutschland in der Gruppenphase mit Gastgeber Österreich zu tun. Als Per Mertesacker nach 40 Minuten in einem zähem Spiel gefoult wurde, entbrannte zwischen Bundestrainer Joachim Löw, dem österreichischen Teamchef Josef Hickersberger und dem vierten Offiziellen Damir Skomina ein Wortgefecht. Die beiden Trainer hatten scheinbar zu oft ihre Coachingzone verlassen, sollen Skomina angeschrien haben und wurden deshalb auf die Tribüne geschickt. Konsterniert trabte Jogi von dannen.

EM 2008: Jogi Löw wird auf die Tribüne verbannt - Flick übernimmt, Deutschland gewinnt

Auf der Ehrentribüne erlebte Joachim Löw ein weiterhin zähes Fußballspiel, das fortan der damalige Co-Trainer Hansi Flick am Spielfeldrand dirigierte. Löw verfolgte das Geschehen erst sichtlich gereizt zwischen dem gesperrten Bastian Schweinsteiger und Teammanager Oliver Bierhoff. Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit die Erleichterung: Michael Ballack erzielte den einzigen Treffer der Begegnung, Deutschland stand im Viertelfinale der EM. Doch auch diesen Sieg musste Löw von der Tribüne aus verfolgen. Er wurde von der UEFA für ein Spiel gesperrt.

WM 1986: Franz Beckenbauer, Uli Stein und die „Suppenkasper“-Affäre

Franz Beckenbauer, „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs, war 1986, als er in Mexiko seine erste Weltmeisterschaft als Nationaltrainer bestritt, noch ziemlich grün hinter den Ohren. Als „Schrotthaufen“ bezeichnete er die Bundesliga kurz vor Turnierstart. Und von den Qualitäten seiner Mannschaft, mit der er das Finale der WM erreichte, hielt er herzlich wenig. Damit zog der „Kaiser“ schnell den Unmut seiner Mannen auf sich. Besonders Torwart Uli Stein (2. von links) hatte unter Beckenbauer zu leiden, bis er konterte und Beckenbauer einen „Suppenkasper“ nannte.

WM 1986: Uli Stein nennt Trainer Beckenbauer „Suppenkasper“ und wird nach Hause geschickt

„Du bist derzeit der beste Torwart der Welt, aber hier kannst du nicht spielen“, soll Beckenbauer zu seinem Ersatztorwart Uli Stein (links) bei der WM in Mexiko gesagt und Toni Schumacher (Mitte) den Vorzug gegeben haben. Tief gekränkt trank Stein dann während des Turniers demonstrativ Bier in der Hotellobby und nannte Beckenbauer - er machte einst Werbung für Fertigsuppenhersteller Knorr - „Suppenkasper“. Nach durchzechter Nacht mit drei seiner Mannschaftskollegen musste Stein die Heimreise nach Deutschland antreten – als einziger der vier Partygänger.

2010: Das „Fiasko von Knysna“ - Frankreichs Mannschaft meutert

Unstimmigkeiten bei den „les Bleus“ hatte es auch schon 2010 bei der WM in Südafrika gegeben: Nach Streitigkeiten boykottierte die französische Mannschaft geschlossen das Training von Coach Raymond Domenech. Grund für die Aktion im Quartier in Knysna war der vorausgegangene Rauswurf von Nicolas Anelka - der hatte Domenech nach einer Spielanweisung beleidigt und eine Entschuldigung verweigert. Der Trainingsstreik, den die Mannschaft mit einer schriftlichen Erklärung unterstrich, sorgte in der Heimat für Entsetzen - im anschließenden Spiel gegen den Gastgeber folgte dann prompt eine Niederlage, die das WM-Aus für Frankreich bedeutete.

EM 2004: Mediale Hetzjagd auf Schiedsrichter Urs Meier

Im Viertelfinale der EM 2004 kämpften die Engländer gegen Gastgeber Portugal - und eine Entscheidung von Schiedsrichter Urs Meier sorgte für ein enormes Nachbeben. In der 90. Spielminute stand es gerade 1:1, als Sol Campbell ein weiteres Tor für die Briten erzielte. Weil Schiedsrichter Meier allerdings eine vorausgegangene Interaktion von Campbells Teamkollegen John Terry mit dem portugiesischen Torhüter als Behinderung wertete, ließ er den Treffer nicht gelten.

Nach strengem Pfiff: Urs Meier erhält Morddrohungen von wütenden Fans

Das Spiel endete in einem Elfmeterschießen, die Briten verloren - und Meier, der für seine Entscheidung von der Schiedsrichter-Kommission der UEFA recht bekam, wurde zum Sündenbock. Zahlreiche englische Boulevardmedien hetzten gegen den Schweizer, einige betitelten ihn beispielsweise als „Urs Hole“, der die Nation um ihren Sieg gebracht hätte. Meier erhielt mehrere Tausend Hass-Emails und sogar direkte Morddrohungen via Telefon und Fax - auf Anraten der Polizei tauchte er nach seiner Rückkehr in die Schweiz zunächst für einige Zeit unter.

EM 2021: Entzug der Presseakkreditierung durch Russland

Als einer der Austragungsorte der EM 2021* selektierte wiederum Russland, welche Medienvertreter überhaupt eine Akkreditierung für die dortigen Spiele erhalten sollen - der ARD-Mann Robert Kempe war nach einem „Hintergrund-Screening“ nicht erwünscht. Kempe hatte zwar von der UEFA eine Zulassung erhalten, die russischen Behörden wiesen seinen Antrag jedoch ab. Der Journalist hatte in der Vergangenheit beispielsweise zu den komplexen Verbindungen zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom und der UEFA* recherchiert - das dürfte in Russland auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Nach massiven Protesten berichtete der WDR wenige Tage später, Kempe habe nun doch eine Zulassung für alle Spielorte erhalten.

EM 1988: Provokanter Siegerjubel von Ronald Koeman

Mit einem ziemlich geschmacklosen Torjubel sorgte der Niederländer Ronald Koeman (links, hier im Duell mit Lothar Matthäus) bei der EM 1988 für einen Skandal und Unruhe im Fanblock. Am 21. Juni gewann das niederländische Team in Hamburg das Halbfinale gegen die Mannschaft der BRD um Kapitän Lothar Matthäus. 2:1 lautete der Endstand - die Niederländer durften sich über den Einzug ins Finale freuen.

EM 1988: Trikottausch für den Allerwertesten

Koeman, der zu den Torschützen des Spiels gehört hatte, tauschte nach dem Sieg das Trikot mit dem BRD-Spieler Olaf Thon - und wischte sich dann demonstrativ den Hintern damit ab. Damit zog er zwar den Zorn vieler Fans auf sich, offizielle Konsequenzen gab es aber keine. Die Niederländer gewannen wenig später das Finale gegen die Sowjetunion, und Koeman gab im Nachhinein zwar zu, dass die Trikot-Aktion vielleicht nicht ganz richtig gewesen sei - wirklich zu bereuen schien er sie aber nicht. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.

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