Nationalspieler über seine Ex-Trainer

Can: "Heynckes hat mich jeden Tag kritisiert"

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Überflieger: Emre Can fühlt sich wohl in Liverpool.

München - Emre Can spielte für die Bayern, für Leverkusen - und steht jetzt in Liverpool unter Vertrag. Im Interview spricht er über seine ehemaligen Trainer, seine Position im DFB-Team und das Leben in England

Herr Can, Sie haben zwei Länderspiele absolviert. Denken Sie, dass Sie Ihre Chance genutzt haben?

Can: Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ich habe auf einer ungewohnten Position gespielt, bei Liverpool spiele ich in einer Dreierkette, das ist etwas ganz anderes. Aber ich will mich sicher nicht beschweren. Ich bin einfach froh, dass ich gespielt habe. Ich weiß, dass ich es viel, viel besser machen könnte.

Bei der U 21-EM wurden Sie und die Mannschaft nach der geschafften Olympia-Qualifikation erst hoch gelobt, nach dem Halbfinal-Debakel gegen Portugal aber stark kritisiert. Überrascht darüber, wie heftig die Reaktionen waren?

Can: An einem Tag ist man der Held, am anderen der Buhmann, so ist es im Fußball. Aber wir waren selbst schuld, so eine hohe Niederlage in einem EM-Halbfinale darf uns als deutsche Mannschaft nicht passieren. Es war für uns alle eine Lektion.

Was haben Sie gelernt?

Can: Man muss immer zu hundert Prozent da sein, das waren wir damals nicht.

Wie nahe sehen Sie sich an der EM 2016 in Frankreich?

Can: Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ich will einfach im Verein und in der Nationalmannschaft Leistung bringen. Dann werden wir sehen.

Sie waren in den U-Auswahlteams immer eine Leitfigur. In der A-Mannschaft müssen Sie sich erst hocharbeiten…

Can: Ich weiß, dass ich hier klein anfangen muss, aber das ist etwas ganz Normales.

Als Sie von Bayern nach Leverkusen gewechselt waren, haben Sie gleich gezeigt, dass Sie etwas reißen wollen.

Can: So bin ich einfach, ich verstelle mich nicht. Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich Verantwortung übernehmen.

Warum sind Sie nach nur einer Saison gegangen?

Can: Ich hatte eine super Zeit in Leverkusen und es war die richtige Entscheidung, von Bayern dorthin zu gehen, weil ich in München kaum gespielt hatte. Bei allem Respekt vor Leverkusen, aber Liverpool ist einfach noch eine Stufe höher.

Ist Liverpool Kult?

Can: Liverpool ist ein großer Verein und man spürt die Geschichte des Klubs. Wenn man auf den Platz läuft und die Fans singen You’ll never walk alone, bekommt man schon Gänsehaut.

Wie ist das Leben in Liverpool?

Can: Ich wohne mit meinem besten Freund zusammen. Das Leben macht Spaß, nur der Akzent der Leute ist sehr schwer zu verstehen.

Die Beatles kommen aus Liverpool. Kennen Sie die überhaupt noch?

Can: Schon, aber es ist nicht meine Musikrichtung. Ich höre viel türkische Musik, Rap, Hip-Hop und R & B.

Was mussten Sie in der Premier League lernen?

Can: Dass es dort viel härter zur Sache geht. In anderen Ligen werden viel mehr Fouls gepfiffen. Für mich ist es kein Problem, ich mag die Art, wie in England gespielt wird.

Sie haben unter großen Trainern wie Jupp Heynckes und Pep Guardiola trainiert. Was haben Sie von den beiden gelernt?

Can: Jupp Heynckes hat mich im Training jeden Tag kritisiert (lacht). Ich habe aber gehört, dass er viel von mir gehalten hat (lacht). Er hat mich kritisiert, weil er hinter mir stand und mich immer fördern wollte. Ich habe sehr viel von ihm gelernt.

Und Guardiola?

Can: Ich hatte ihn leider nur in der Vorbereitung, aber es war schön, ihn zu erleben. Er lebt für den Fußball.

Interview: Thomas Gassmann

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