Löw entscheidet: Ballack bleibt Kapitän

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Michael Ballack trägt auch in Zukunft die Kapitänsbinde der Nationalmannschaft.

Frankfurt - Die Kapitäns-Debatte soll nicht länger stören. Löw hat entschieden, dass Ballack bleibt. Lahm bekommt eine neue Aufgabe. An diesem Mittwoch will Löw offiziell alle Schleier lüften.

Die wochenlang schwelende Kapitäns-Frage ist entschieden - künftig sollen Michael Ballack und Philipp Lahm als Doppelspitze die deutsche Fußball-Nationalmannschaft führen. Joachim Löw will die aufgeregte Debatte um die Spielführer-Binde von nun an in den Hintergrund rücken - auch um einen EM-Fehlstart des WM-Dritten zu vermeiden. Mit dem ersten Training am Dienstag, bei dem der Leverkusener Stefan Kießling wegen Rückenproblemen fehlte, stimmte der Bundestrainer in Frankfurt am Main sein Personal auf den wichtigen Qualifikations-Auftakt in Belgien ein.

In einer Teamsitzung am Dienstagabend unterrichtete Löw nach einem Bericht der “Bild“-Zeitung die 21 eingeladenen Nationalspieler über die künftige Verfahrensweise. Demnach soll Ballack die Mannschaft wieder als Kapitän anführen, wenn er in die DFB-Auswahl zurückkommt. Spielt Ballack nicht, soll Lahm wie bei der WM und auch jetzt in den anstehenden Partien in Belgien und gegen Aserbaidschan als Kapitän fungieren. Löw will sich offiziell an diesem Mittwoch äußern. Eine Beendigung des Themas hatte Teammanager Oliver Bierhoff beim Treffpunkt der DFB-Auswahl am Dienstag angemahnt, “damit dann auch wieder der Fokus auf dem Spiel in Belgien liegt“.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

August 2006: Wenige Tage vor der Premiere von Joachim Löw als Bundestrainer verletzt sich Ballack im englischen Supercup-Spiel mit dem FC Chelsea gegen den FC Liverpool an der Hüfte. Ein Einsatz beim Löw-Debüt gegen Schweden (3:0) in Gelsenkirchen ist nicht möglich. © Getty
April 2007 - Februar 2008: Ballack zieht sich im Ligaspiel gegen Newcastle eine Knöchelverletzung zu. Nach einer ersten Operation muss er zunächst die Teilnahme an den Länderspielen gegen San Marino und die Slowakei absagen. Comeback-Pläne scheitern, es folgt eine zweite Operation und eine Auseinandersetzung zwischen dem Spieler, Chelsea, und den DFB-Verantwortlichen um die Behandlung von Ballacks Knöchel. Erst zu Beginn des Jahres 2008 kann Ballack nach fast einem Jahr Länderspiel-Zwangspause wieder im DFB-Trikot auflaufen. © Getty
Juni 2008: Einen Tag vor dem EM-Finale wird publik, dass Ballack wegen einer Wadenverletzung nicht trainieren kann. Löw ging nicht davon aus, dass sein Kapitän gegen Spanien spielen kann. 24 Stunden später steht der Kapitän aber auf dem Rasen, kann die 0:1-Niederlage gegen die Iberer aber nicht verhindern. © Getty
August - September 2008: Im Ligaspiel gegen Portsmouth zieht sich Ballack eine Sehnenverletzung im linken Mittelfuß zu und sagt für das Länderspiel gegen Belgien (2:0) ab. Vier Tage später spielt er gegen Wigan Athletic wieder für Chelsea, doch die Probleme bleiben. Nach einer Untersuchung bei Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt muss er aber auch für die WM-Qualifikation in Liechtenstein und Finnland absagen. © Getty
Oktober - November 2008: Die rechte „Problem-Wade“ macht Ballack nach einem Tritt beim 2:1 gegen Russland erneut zu schaffen. Ballack verpasst zwar das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Wales, kann jedoch auflaufen. Nach der Partie (1:0) klagt er über Schmerzen in den Füßen. In Augsburg wird ihm im Vorderfuß jeweils ein Neurom (gutartige Knotenbildung) entfernt. Müller-Wohlfahrt ging von 2 Wochen Pause aus. Doch nach dem Streit mit Bundestrainer Löw steht Ballack einen Monat nach seiner OP nicht im Kader für das Länderspiel gegen England. © Getty
Dezember 2008: Trotz einer Platzwunde an der rechten Schläfe hält Ballack mit einem Kopfverband im Ligaspiel bei den Bolton Wanderers bis zum Schluss durch. © Getty
Juli 2009: Ballack erlitt im Vorbereitungsspiel von Chelsea beiden Seattle Sounders einen Bruch des kleinen Zehs und flog aus dem Trainingslager nach England zurück, wo er mit einer Spezialbandage ein individuelles Fitnessprogramm absolviert. Der Einsatz im WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan drei Wochen später wird zum Wettlauf gegen die Zeit. © Getty
Mai 2010: Ballack wird im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea gegen Portsmouth von Kevin Boateng gefoult und muss ausgewechselt werden. Eine erste Röntgenuntersuchung ergibt, dass nichts gebrochen ist. Der Knöchel ist stark geschwollen, sodass erst am Montag in München bei Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt in München eine Kernspintomographie folgt. Dabei wurde ein Innenbandriss und ein Teilriss der Syndesmose im oberen rechten Sprunggelenk diagnostiziert. Damit ist das WM-Aus perfekt. © Getty
September 2010: Im dritten Bundesliga-Spiel seit seiner Rückkehr zu Bayer Leverkusen verletzte sich Ballack schon wieder. Diagnose: Eine feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines - sechs Wochen Pause. Damit verzögert sich das Comeback in der Nationalmannschaft zunächst. © Getty
Im Mai 2011 endet schließlich Ballacks Karriere in der Nationalmannschaft, Bundestrainer Joachim Löw (r.) erklärt, künftig nicht mehr auf den Mittelfeldspieler zu setzen. © getty

Einen “alleinigen Leitwolf, der durch die Kapitänsbinde bestimmt wird“, wird es nach der nun gefundenen Lösung in Zukunft nicht mehr geben, verdeutlichte der ehemalige DFB-Kapitän Bierhoff. Löw hat bereits alle Konzentration auf den schwierigen Start am Freitag (20.45 Uhr/ARD) in Brüssel gerichtet: 20 der 21 eingeladenen Spieler waren am frühen Dienstagabend bei der Übungseinheit auf einem Nebenplatz der Frankfurter Arena mit Volldampf dabei.

“Die WM hat gezeigt, dass wir die Verantwortung auf mehrere Schultern übertragen müssen. Man hat auch gesehen, einer allein kann es nicht. Es sind viele Chefs auf dem Platz gefragt“, verdeutlichte Bierhoff die Vorstellungen der sportlichen Leitung zur künftigen Doppel-Führung der Mannschaft. Der Manager verwies explizit auf die neue Generation Spieler um Lahm, “die eine flache Hierarchie haben“.

Ballack, Lahm und die ehrenwerten Herren: Alle deutschen WM-Kapitäne

1934 in Uruguay: Fritz Szepan © dpa
1938 in Frankreich: Fritz Szepan © dpa
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1954 in der Schweiz: Fritz Walter © dpa
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1958 in Schweden: Hans Schäfer © AP
1962 in Chile: Hans Schäfer © AP
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1966 in England: Uwe Seeler © AP
1970 in Mexiko: Uwe Seeler © AP
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1974 in Deutschland: Franz Beckenbauer © getty
1978 in Argentinien: Berti Vogts (links) © Getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1982 in Spanien: Karl-Heinz Rummenigge (am Ball) © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1986 in Mexiko: Karl-Heinz Rummenigge © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1990 in Italien: Lothar Matthäus © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1994 in den USA: Lothar Matthäus © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1998 in Frankreich: Jürgen Klinsmann © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2002 in Südkorea und Japan: Oliver Kahn © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2006 in Deutschland: Michael Ballack © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2010 in Südafrika: Philipp Lahm © getty

Obwohl Löw auf den fast 34-jährigen Ballack nach dessen langer Verletzungspause aus Fitness-Gründen für die EM-Ausscheidungsspiele gegen Belgien und vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan verzichtet, mochte der Bundestrainer das Tauziehen um die Binde nicht bis zu einer möglichen Rückkehr des Leverkuseners verlängern. “Jetzt werden wir uns auf die beiden Spiele vorbereiten“, unterstrich Löw seine Priorität. Fehlende Konzentration könnte die Gefahr eines EM- Fehlstarts gegen die unbequemen Belgier im Stadion “Roi Baudouin“ von Brüssel erhöhen, zumal Löw bei seinen 17 nominierten WM-Fahrern noch einen Trainingsrückstand sieht. “Wichtig ist für die junge Mannschaft, dass sie direkt wieder Tritt fast und nicht denkt, die WM geht hier automatisch weiter“, warnte Bierhoff.

Der ehemalige DFB-Spielführer bezeichnete die Kapitäns-Debatte wie Löw als “überbewertet“. Torhüter Manuel Neuer sagte dagegen vor der Sitzung mit Löw: “Wir sind gespannt. Es ist schon wichtig.“ Lahm hatte vor allem mit dem Zeitpunkt seiner verkündeten Ambitionen auf das Ballack-Amt unmittelbar vor dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Spanien auch intern für Unverständnis gesorgt.

Jogi gestern, Jogi heute

Joachim Löw
Der fünfte Beatle? Eine Werbeikone für fesche Sommer-Mode im Eighties-Style? Nein: Der Mann auf dem Foto ist der heutige Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. © dpa
Joachim Löw
Natürlich wissen alle, wie "Jogi" heute aussieht. Doch kennen Sie auch noch die folgenden Ansichten? Hier sehen Sie die besten Bilder aus der Karriere des heutigen Bundes-Jogi. © dpa
Ein Foto aus dem Jahre 1981: Die Frisur des damaligen Frankfurt-Spielers ähnelt der heutigen. Dass er inzwischen auf den Schnäuzer verzichtet, dürfte die Damenwelt nicht allzusehr enttäuschen. © Getty
A-Nationalspieler war Joachim Löw übrigens nie. Aber in Vereinen wie dem KSC (Foto aus dem Jahre 1984) eine feste Größe. © Getty
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Gut 10 Jahre später: Joachim Löw übernahm im August 1996 das Traineramt beim VfB Stuttgart. Damals zeugten seine Augen von jugendlichem Elan.  © AP
Joachim Löw
Joachim Löw badet nach dem 4:1 gegen den BVB im Jubel der Fans (15. März 1997) © AP
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So zärtlich küsst Jogi sonst nur seine Frau: Am 14. Juni 1997 gewann sein VfB Stuttgart den DFB-Pokal. © dpa
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Sunnyboy Jogi freut sich auf dem Rathausbalkon © dpa
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Zur Feier des Tages gehen ihm die Spieler ans Haupthaar. © dpa
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Laufsteg? Fußballplatz! Ein enttäuschter, aber immerhin adrett gekleideter Joachim Löw verarbeitet die Niederlage seines VfB in Wolfsburg (27.09.1997) © AP
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So konnte sich Jogi im April 1998 über einen Gegentreffer ärgern. Als dieses Foto entstand, traf der 1. FC Köln am 5.4.1998 zum Ausgleich gegen Jogis VfB. © dpa
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Vom Winde verweht: Jogi im April 1998 © dpa
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Auch in einem Trainer Jogi steckt noch ein bisschen Spieler Jogi: Herr Löw zeigt am 12.05.1998 in einem Training, was er noch drauf hat. © dpa
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Im Oktober 1999 wurde Jogi Trainer des Karlsruher SC. Vor seiner ersten Pressekonferenz (Foto) war er augenscheinlich noch einmal beim Friseur. © dpa
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Juli 2004: Joachim Löw wird zum Co-Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft berufen. Der Beginn einer großen DFB-Karriere. © dpa
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Von nun an steht er Chefcoach Jürgen Klinsmann immer treu zur Seite ... ob es nach oben geht ... © dpa
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... oder nach unten. © dpa
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Man hüpft zusammen. © dpa
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Man jubelt zusammen. © dpa
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Man lacht zusammen. © dpa
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Man sitzt zusammen. © dpa
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Man tanzt zusammen. © dpa
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Nach der WM ist Schluss für Klinsi. Jogi, übernehmen Sie! Löw wird zum Chefcoach befördert. © dpa
Joachim Löw
Alles hört auf sein Kommando! © dpa
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Popstar Jogi auf Sardinien © dpa
Joachim Löw
Kennzeichen Löw: In der Folge sehen Sie die ungewöhnlichsten Bilder aus seiner Karriere als DFB-Chefcoach. © dpa
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Nein, das ist natürlich nicht seine Ehefrau! Aber mit Thomas Gottschalk hat der Bundestrainer jede Menge Spaß. Seine Gattin Daniela hält Jogi erfolgreich aus der Öffentlichkeit raus - deswegen zeigen wir sie hier natürlich auch nicht. Sie nennt ihn übrigens auch Jogi. © dpa
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Joachim Löw nimmt es auch mal mit zwei Mann auf. © dpa
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Jogi in historischer Bergsteiger-Kleidung beim Dreh eines Werbespots für Mercedes-Benz © dpa
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Sein Bewerbungsfoto als nächster James Bond © dpa
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Nichts verlernt © dpa
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Jogi ganz grimmig © dpa
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Der hochrangigste deutsche Fußballtrainer im Gespräch mit der hochrangigsten deutschen Politikerin © dpa
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Ja, er raucht! © dpa
Joachim Löw
Nachdem er im Österreich-Spiel bei der EM 2008 auf die Tribüne verbannt wurde, outete sich Joachim Löw öffentlichkeitswirksam als Genussraucher. © dpa
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Jogi am Flughafen: Die Frisur sitzt! © dpa
Joachim Löw
Jogi Cruise mit Barbara Schöneberger bei der Bambi-Verleihung. © dpa
Joachim Löw
Hoch soll er leben! © dpa
Joachim Löw
Hoffentlich führt uns Jogi noch zu vielen weiteren Höhenflügen - und zum WM-Titel 2010! © Fishing4

Bedeutender ist für Manuel Neuer, wie Löw die von ihm überraschend wieder eröffnete Torwart-Debatte beendet. “Ich würde mich freuen, wenn ich spielen würde“, erklärte der 24-Jährige zur Nummer-1-Frage, die durch die Rückkehr des Leverkuseners René Adler einen neuen Schub erhält. “Ich weiß nicht, ob sie offen ist“, sagte dazu Neuer und machte damit deutlich, dass er sich nach dem Turnier in Südafrika gegenüber Adler und dem Bremer Tim Wiese im Vorteil sieht.

Ohne Frage gehen die WM-Spieler mit einem Bonus in die neue Etappe. Sami Khedira, dem sein Aufstieg bei der WM nach Ballacks Verletzungs-Ausfall ebenso wie Mesut Özil sogar einen Platz im Starensemble von Real Madrid bescherte, gab sich kämpferisch. “Mich interessiert die Diskussion ziemlich wenig“, erklärte der 23-Jährige, ohne den Namen Ballack zu erwähnen. Seinen Status im Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger will Khedira unbedingt verteidigen: “Ich werde weiter Gas geben, unabhängig davon, welche Spieler dabei sind.“

dpa

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